Sadomaso-Fantasien in der Redaktionsstube - oder: Qualitätsjournalismus (373)

Früher war die MAZ ja eine manchmal ein bisschen verschnarchte, irgendwie aber doch liebenswerte Regionalzeitung. Irgendwann änderte sich dann eine ganze Menge und statt einer täglichen 34-Seite über die neuesten Querelen innerhalb der CDU-Fraktion oder einer manchmal vielleicht zu ausführlichen Berichterstattung über eine neue Konjunkturumfrage der IHK gab es dann ganzseitige Serien über den schönsten Hund Brandenburgs. Weniger FAZ, mehr Ostseezeitung - so die Devise. Statt regelmäßig knapp 2% Auflagenverlust wurde die Parole “nicht turn around, aber doch schwarze Null” ausgegeben.

Nun, die Realität sieht anders aus. In Zahlen zuletzt: minus 4,9.

Und Qualitätsjournalismus liest sich jetzt wie dirket aus der Sat1-Pressestelle. Und vor allem klickoptimiertbar und, ähem, verrucht.

“Sadomaso bei Newtopia”

Zwist und Zärtlichkeiten

Keine Angst, es muss niemand auf den Artikel klicken. Habe ich natürlich gleich gemacht. Da steht dann:

Keine Angst, die SM-Praktiken spuken den Pionieren zwar durch den Kopf, zu sehen ist aber nichts - dabei ist die Serie für manche Zuschauer sicher Folter genug.

Dann hätten wir das auch geklärt. Oder wie ich in meinem Volontariat mal gelernt habe: Man kann zwar Überschriften machen, die den Leser in die Irre führen. Der findet das aber in der Regel nicht besonders gut, veralbert zu werden.

Tags
#Folter #MAZ #Newtopia #Sadomaso
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