Personaler mit Ärmelschonern

Das Schöne am Job als Presssesprecher beim BITKOM ist, dass wir eine ganze Menge Umfragen in Auftrag geben. Während ich als Journalist das aufschreiben konnte, was andere gefragt und dann mitgeteilt haben, kann ich jetzt die Fragen selbst mitentwickeln, deren Ergebnisse ich dann kommuniziere. Und deshalb kann man auch Sachen fragen, die einen persönlich wirklich interessieren. Zum Beispiel was Personaler mit diesem Internet anstellen.

In der Medienbranche gehört es irgendwie zum guten Ton, immer zu schauen, was es gerade an Stellenangeboten gibt. Und es gibt ja eigentlich immer Freunde oder Bekannte, die gerade auf Stellensuche sind (by the way, falls jemand eine tolle Stelle für eine nette & gute Journalistin und langjährige Online-Redakteurin hat, immer her damit). Und da sitze ich dann doch häufig vor diesen Ausschreibungen und versuche mir die ärmelgeschonten Leute in den Personalabteilungen vorzustellen wenn wieder einmal darunter steht: “Bewerbungen ausschließlich per Post an…” oder noch deutlicher “Bewerbungen per E-Mail können nicht angenommen werden”. Vor meinem geistigen Auge sehe ich sie dann für alle Entscheidungsträger im Referat XY am Kopierer die Unterlagen vervielfältigen und in Mappen verheften - und dann in den Postumlauf geben. So ‘ne E-Mail, die kann man doch nicht einfach auf den Kopierer legen, ne?

150520_SmartwatchUnd immerhin jeder zweite Personaler - das hat eine BITKOM-Umfrage ergeben, womit wir wieder beim Anfang wären - schaut beim Bewerbungseingang nicht nach, ob die Kandidatin oder der Kandidat vielleicht ein Profil in einem Sozialen Netzwerk haben und was da so drinsteht. Mal ehrlich - warum sollte man auch über jemanden, den das eigene Unternehmen einstellen will, mehr wissen wollen als der selbst auf DIN A4 schreibt? Und wie sollte man das, was man in diesen Sozialen Netzwerken findet, dann auch noch für alle Kopieren? Eben.

Auf der anderen Seite ist spannend, dass die Personaler und Geschäftsführer, die mal einen Blick auf die Social-Media-Profile werfen, sich erstaunlich wenig für das interessieren, was man gemeinhin so erwartet: Sex, Drugs & Rock’N’Roll, also abgefahrene Party-Bilder, krude Scherze oder politische Meinungen. Stattdessen interessiert man sich für fachliche Äußerungen und Qualifikationen, die online zu finden sind. Und wenn es mal dazu kommt, dass man aufgrund des Online-Checks jemanden nicht zum Gespräch einlädt oder den Job doch nicht anbietet, dann liegt das vor allem an Widersprüchen zu den eingereichten Bewerbungsunterlagen. Also wenn man seinen beruflichen Werdegang für Unternehmen A ein bisschen frisiert hat, um besser auf die Stelle zu passen, aber vergessen hat, das bei Xing und LinkedIn auch anzupassen. Was dort aber auch blöd aussieht wenn man vergisst die Hinweise auf die Änderungen zu löschen - manche Leute sollen sich ja schon binnen Tagen vom Volontär zum Pressereferenten und wieder zurück befördert haben.

Mir schwebt ja so eine Start-up-Idee vor, bei der Unternehmen per Post die Social-Media-Profile von Kandidaten anfordern können, ordentlich getackert und gelocht in schmucken Bewerbungsmappen. Und eigentlich wäre es ja auch mal wieder Zeit für so eine Umfrage zum Thema papierloses Büro.

Tags
#Bewerbung #LinkedIn #Personaler #Social Media #Xing
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