Das mit der Print-Krise ist nicht so einfach

Michael Kroker hat in seinem Blog mit der täglichen Statistik rund um IT und die digitale Welt vorgestern einen Beitrag darüber geschrieben, warum die Print-Krise noch länger andauern dürfte. Im Kern stellt er dabei die von den Lesern/Nutzern aufgewendete Zeit für verschiedene Medien den jeweiligen Umsatz-Anteilen der Anzeigenetats gegenüber.

Kroker kommt zum Schluss:

Obwohl Konsumenten nur noch vier Prozent ihrer Mediennutzungszeit mit der Lektüre von gedruckten Zeitungen und Zeitschriften verbringen, entfallen auf sie immer noch 18 Prozent des Werbemarktes. Dies stellt also eine Überbewertung dar.

Das finde ich tatsächlich eine spannende Frage. Müssten die Etats “richtig bewertet” exakt die Nutzungszeit widerspiegeln? Also so wie sich die Aufmerksamkeits-Zeit auf die verschiedenen Medien verteilt, so müssten die Budgetverwalter das Geld auch verteilen? Vielleicht, vielleicht aber auch eher nicht.

Wenn ich mir mal so eine Website anschaue, zum Beispiel von einer ordentlichen Regionalzeitung, dann kann man da schon ein paar Werbungen auf der Seite sehen:

Onlinewerbung

Aber mal ehrlich, welche davon bleibt in Erinnerung? Und wenn ich das mit einer Anzeige im Printbereich vergleiche, wo nicht alles blitzert und blubbert und blaggert - vielleicht bleibt bei den Print-Lesern in kürzerer Zeit mehr hängen als bei langer Zeit online? Und das spricht jetzt meines Erachtens nicht gegen Online und Online-Werbung, nur gegen die viel zu oft viel zu schlecht gemachte Online-Werbung. Gegen zu viel, zu oft, zu aufdringlich.

Und dazu kommt noch etwas. Für viele Surfer sieht die Seite gar nicht so aus, wie ich eben gezeigt habe, sondern so:

Onlinewerbung

Das wäre jetzt so ein Test für “finden Sie die 10 Unterschiede”. Gesehen? Im zweiten Fall wird keine Werbung angezeigt. Der installierte Adblocker zeigt die Inhalte, aber nicht die lästige Werbung. Die einen halten das für geschäftsschädigend, die anderen für legitimen Selbstschutz gegen Werbeverbrecher, die kein Maß und keinen Anstand kennen. Wo immer man sich auch verortet: Es ist möglich, online zu werben, aber nicht gesehen zu werden.

Die Grundthese des am Anfang zitierten Blogartikels stimmt sicher - die Verschiebungen sind noch nicht am Ende, auch was eine weitere Verschiebung vom klassischen Web hin zu Mobile bedeutet. Wo genau aber eine “Überbewertung” ist oder wann etwas richtig bewertet ist, das dürfte etwa so schwer zu entscheiden sein wie auf dem Aktienmarkt, wo es ja auch eine feine Sache wäre, wenn man genau wüsste, wann eine Aktie den “richtigen” Preis hat. Aber genau weil das jeder anders sieht und andere Zukunftserwartungen hat, funktioniert aber der Markt überhaupt.

Tags
#Online #Print #Printkrise #Werbung
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