Viele Kitaplätze alleine reichen nicht

Als ich vor knapp 5 Jahren unseren großen Sohn zum ersten Mal in die Kita gebracht habe, da hatte ich schon ein mulmiges Gefühl. Als westsozialisierter Papa hat man ja schon so sein Fragen, ob das gut sein kann, so ein winziges, kleines Kind alleine in eine so fremde Umgebung zu schicken. Mit so vielen anderen Kindern und Menschen, die sich Erzieher/in nennen. Um es kurz zu machen: wie Sohnemann (und später sein kleiner Bruder) reagiert haben, hat dieses mulmige Gefühl schnell vertrieben. Wenn etwas nicht gut für die Knirpse wäre, dann würden sie sicher nicht so freudig (zumindest die allermeisten Tage) dorthin gehen. Und wenn es nicht gut wäre, wie hätten sie da so wahnsinnig viele tolle Sachen lernen können, von denen sich Papa (und Mama) immer wieder fragt, woher können die das?

Das ist der schöne Teil der Geschichte. Wer sich aber mal viele Kitas in Berlin anschaut, die Raumsituation und vor allem die Personalsituation, dem gruselt es schon. Vor allem wenn man beobachtet, wie sich das in den vergangenen fünf Jahren, die ich überblicken kann, immer weiter zum Schlechteren verändert hat - aber das ist eine andere Geschichte, die ich hier bestimmt bald mal erzähle. Luxuriöse Neubauprojekte oder Projekte, bei denen es auf ein paar (Dutzend) Millionen nicht ankommt, die sieht man in Berlin (und nicht nur da) zuhauf. Es sind ganz verschiedene Projekte, aber eines ist ihnen gemein: Sie haben ganz bestimmt nix mit Kindern oder mit Bildung zu tun.

In der Kita ist es schon so, dass der Betreuungsschlüssel eine rein theoretische Größe ist. Würde man schlicht und einfach mehr Personal finanzieren, dann wäre schon viel gewonnen. Und, ja, das würde sicher eine Menge Geld kosten. Und, nein, ich habe jetzt keinen sofortigen Vorschlag, wo das herkommen könnte, wenn mir nicht purer Populismus vorgeworfen werden soll. Aber genau dafür habe ich ja ein paar Politiker eingestellt, die diese praktischen Probleme lösen sollen habe ich ja gewählt. Und es ist meiner Meinung nach die verdammte Aufgabe deren Job, sich genau darum zu kümmern. Darum, dass Kinder in dieser Stadt die bestmögliche Bildung und Betreuung bekommen. Es wäre ihr Job dafür zu sorgen, dass Berlin dafür bekannt ist, die besten, schönsten und tollsten Kitas und Schulen zu haben, nicht die prächtigsten Schlossimitationen oder großspurigsten Großflughäfen.

Das ist nicht nur meine Meinung, sondern das sehen auch 455 Pankower Eltern und Erzieher so, die sich für einen besseren Betreuungsschlüssel an den Kitas einsetzen und dafür unterschrieben haben. 455 ist sicher noch viel zu wenig, aber wer weiß, wie mühsam es heutzutage ist, jemanden zu einer handschriftlichen Unterschrift zu überreden, der wird die Zahl anders bewerten.

Förderverein „Villa Schabernack“ e.V.

Stavangerstraße 6-8

10439 Berlin

**PRESSEMITTEILUNG **

Mehr als 450 Pankower Eltern unterschreiben Forderungspapier für mehr Qualität in Berliner Kitas. Die Unterschriften werden vom Kita-Förderverein „Villa Schabernack“ e.V. am 23. Juni um 16 Uhr an Ilja Koschembar, Pressesprecher für Jugend und Familie der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft in der Bernhard-Weiß-Str. 6 übergeben.

Berlin-Pankow, 22. Juni 2015: Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft bekommt Besuch: Kinder aus verschiedenen Berliner Kitas sowie Vertreter des Fördervereins „Villa Schabernack“ e.V. werden gemeinsam die gesammelten Unterschriften für einen besseren Betreuungsschlüssel in Berliner Kitas überreichen. 455 Pankower Eltern und Erzieher aus unterschiedlichen Kindertagesstätten unterstützen das Forderungspapier des Förderverein „Villa Schabernack“ e.V.

Darin fordern die Eltern und Erzieher mehr Personal und einen besseren Betreuungsschlüssel, in dem Krankheit, Urlaub und zeitlicher Mehraufwand für Organisation und Dokumentation der Erzieher/-innen angemessen berücksichtigt werden. „Eine optimale frühkindliche Förderung und eine bestmögliche pädagogische Arbeit erfordert ausreichend Personal“, sagt die Vorsitzende des Fördereins „Villa Schabernack“ e.V., Bettina Dettendorfer.

Die Fehlzeiten und der Zeitaufwand für organisatorische Aufgaben, in denen sich die Erzieher/innen nicht den Kindern widmen können, summieren sich auf 37 % der eingeplanten Arbeitszeit. Eine Aktualisierung des Betreuungsschlüssels, dessen Grundlagen auf das Jahr 1978 zurückgehen, ist längst überfällig. „Die Auswirkungen dieser Personalpolitik in Schieflage spüren Eltern ebenso wie die Kinder und die Mitarbeiter/innen in den Kitas tagtäglich: die Erzieher/innen sind überlastet, werden stressbedingt häufiger krank, haben keinen Freiraum mehr für kreative Angebote, weil die Grundbetreuung der Kinder gesichert werden muss“, so Dettendorfer.

Der Förderverein „Villa Schabernack“ e.V. verschickt das Forderungspapier „ Unsere Kinder, unsere Zukunft – aktiv für mehr Qualität in Berliner Kitas“ zusammen mit den 455 Unterschriften ebenfalls an den Berliner Finanzsenator, die Bundesbildungsministerin Manuela Schwesig und an Senats-Abgeordnete des Bezirks Pankow. „Immer wieder betonen Politiker die Bedeutung der Kinder und deren Bildung für unsere Gesellschaft. Das Berliner Bildungsprogramm liest sich auch sehr gut.“, so Dettendorfer. „Aber dir Umsetzung dessen ist nicht zum Nulltarif zu bekommen. Es ist überfällig, für eine hohe Qualität der Betreuung in den Kitas die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen und die entsprechenden Finanzmittel bereitzustellen.“

455 Unterschriften, by the way, die entgegenzunehmen die Bildungssenatorin leider, leider keine Zeit hat und in ihrer Bürgersprechstunde sich mit solchen nervigen Dingen sich mit solchen Senats-Themen nicht befassen möchte. Klar, Familienpolitik ist für den Senat zentrales Thema, wie er gerade gestern herausposaunt hat. Aber leider eben nur dann, wenn man sich nicht selbst zusammen mit echten Eltern damit auseinandersetzen muss und vor allem dann, wenn es kein Geld kostet.

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#Berlin #Bildung #Kita #Kita Villa Schabernack #Unterschriften
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