andreas streim

buchstaben, wörter, sätze & mehr

Das mit dem Handel wird nix mehr

Es gibt Tage, an denen würde man gerne etwas kaufen und sofort mit nach Hause nehmen. Das kann viele Gründe haben. Zum Beispiel weil der Sohn sich in den Kopf gesetzt hat, dass er eine Uhr im Kinderzimmer haben möchte, an der Wand. Und zwar um zu versuchen, so lange im Bett wach zu liegen, bis das Spiel der Frauenfußball-Weltmeisterschaft um 22 Uhr anfängt. Aber der Grund ist jetzt eigentlich nicht so wichtig. Nur dass wir diese Uhr am Samstag kaufen und haben wollen und nicht erst am Dienstag oder Mittwoch. Naja, immerhin wohnen wir ja in einer großen Stadt. Das ist ein Vorteil, schließlich gibt’s ja hier viele Geschäfte. Aber das ist auch ein Nachteil, denn die Stadt ist halt groß und die Wege sind weit. Aber fahren wir halt die paar Stationen mit der U-Bahn zum Alexanderplatz, da ist ein großer, schöner Kaufhof und das Warenhaus zeichnet sich doch dadurch aus, dass man dort alles bekommt. Unter einem Dach.

Man bekommt auch eine ganze Menge, zum Beispiel sündhaft teure Chronometer für jede Gelegenheit oder in der Spielwarenabteilung ganze Regalmeter in Prinzessin Lillyfee oder Captain Sharky. Aber keine einzige Wanduhr. Lapidare Auskunft: Führen wir nicht. In nahegelegenen Elektromärkten zeigt sich, dass die Idee eine Uhr für die Wand zu kaufen ungefähr so naheliegend ist wie ein Röhrenradio aufzutun. Uhren für die Wand, so meine These, sind ein Auslaufmodell. Die Digitalisierung wird diese Produkte verdrängen, die Zeitanzeige ist ein Nebenprodukt von Smartphone, Smartwatch & Co. Und bald wird uns unser persönlicher digitaler Assistent eh abnehmen, noch auf die Uhr zu schauen, und uns einfach erinnern, was wir als nächstes tun müssen wollten.

Und wenn man so ein simples Ding wie Wanduhr für Kinderzimmer haben will, dann steht man in so einem Konsumtempel, der sich gerne selbst nach den US-Vorbildern Mall nennen würden, wie dem „Alexa“ echt ziemlich blöd da. Wo könnte es sowas geben? Welche Produktkategorie auf der Hinweistafel (Kinder? Freizeit? Elektrogeräte?) könnte nur in die Nähe einer Lösung führen?

Die Lösung kommt dann durch Hunger des Kindes, dem Wunsch nach Heimweg und dem Vorhandensein der Amazon-App auf dem Smartphone. Dort führt die simple Eingabe „Uhr Wand Kinderzimmer“ zu einer ganzen Reihe von Treffern, aus denen man die ganzen schlecht bewerteten („Uhrwerk viel zu laut“) einfach aussortieren kann und noch genug Auswahl hat.

Bilanz: gut 2 1/2 Stunden durch die Stadt gelaufen, ergebnislos. Nicht mal zehn Minuten gesurft und geklickt, Uhr gefunden und gekauft. Der Online-Handel hat mal wieder den stationären Handel geschlagen, und die zwei, drei Tage Lieferzeit überbrücken wir mit dem Ausleihen unserer Küchenuhr ans Kinderzimmer, für die Nächte.

3 Kommentare

  1. Wanduhren gibt es bei Ikea oder andere möbelhäuser. Der Einzelhandel ist nur so gut wie das Personal und das muss billig sein. Wenn man 8,50€ bekommt fürs Regale füllen. Macht man auch nur das. Warum den Verkäufer noch schulen, wenn Kunde sich schon schlau macht?? Billige Produkte erwarten mehr Arbeit beim Kunden und wenns nur die Professionell Weiterleitung an ein anders Geschäft ist.

    • Naja, die Idee des Kaufhaus war es ja mal, alles unter einem Dach anzubieten. Und die Uhren bei ikea ticken zu laut (war zumindest früher so). Und das Sortiment ist ja nun keine Frage des Personals.

  2. Sowas ähnliches habe ich mit einem dringend benötigten micky maus netzstecker hinter mir. Nur das ich den Verkäufern das Ding auf meinem Smartphone mit amazon app gezeigt habe. Bekommen habe ich es erst in einem kleinen Computerladen ausserhalb der Innenstadt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

© 2018 andreas streim

Theme von Anders NorénHoch ↑