Der Räuber ist immer der Kunde

Wir müssen einer traurigen Wahrheit ins Gesicht schauen: Wir fühlen uns im Supermarkt zwar vielleicht als Kunde, wir sind aber in Wirklichkeit nur potenzielle Diebe und Verbrecher. Eingangsschleusen, Begrüßungsplakate die einem ankündigen, im Falle des Warendiebstahls auch eine Fangprämie bezahlen zu müssen oder die Hinweise kurz vor dem Ausgang, dass alle Produkte vor dem Klauen “auch unsichtbar” geschützt sind, sind dafür nur einige sichtbare Zeichen.

Die kann man ignorieren oder sich daran gewöhnen. Schwieriger ist es, wenn bestimmte Produkte so verkauft werden, dass keine Freude aufkommt, sondern vor allem Nerv. Zum Beispiel bei Rasierklingen. Darüber schrieb ich ja vor einigen Jahren schon mal. Oder wenn man wirklich so behandelt wird, als ob man was klauen wolle.

Heute an der Kasse bei “Netto”. Dass an solchen Kassen oft große Spiegel hängen, damit das Verkaufspersonal in den Wagen schauen kann (jeder Kunde ein potenzieller Verbrecher, eben) - geschenkt. Dass sich Verkäuferin oder Verkäufer von ihrem Sitz erheben und noch ein bisschen Recken, um genauer zu schauen - auch geschenkt. Aber heute? “Können Sie den Wagen ein bisschen vor fahren?” Tut man, klar. Ganz automatisch. Wir sind ja obrigkeitshörig, irgendwie. “Mal ganz um die Ecke, damit ich reinschauen kann.” Bitte? Macht man im ersten Moment auch. Aber dann? Was soll das denn?

Von mir aus werden wir überwacht und kontrolliert, aber doch bitte so, dass man es nicht ständig merkt. Irgendwann wird man noch die Taschen nach außen kehren müssen und sich von den Kassiererinnen oder Kassierern (dann anstellen bitte je nach Geschlecht) abtasten lassen müssen. Denn merke: Der Räuber ist immer der Kunde.

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#Diebstahl #Kasse #Kunde #Supermarkt
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