Reservierungspflicht für Kinder

Die Bahn ist ja eigentlich das wohl kinderfreundlichste Verkehrsmittel. Platz zum hin und her laufen, immer wieder spannende Aufenthalte an Bahnhöfen, Steckdosen für die Tablet-Versorgung und nicht zuletzt der konkurrenzlos günstige Preis. Fliegen hat dagegen den immensen Vorteil, dass die Zeit schneller rumgeht dass eine Reise von Berlin nach München nicht in Nerverei, Streit und Tränen endet, sondern einfach schnell vorbei ist. Dafür ist es teurer. Und bei Air Berlin eigentlich sogar noch teurer.

Die Airline mit dem Berlin im Namen hat nämlich eigentlich eine Reservierungspflicht für Kinder eingeführt.

Heute Morgen wollte am Check-In-Schalter für den Flug nach München, Mama, Kind und Kind. Mit 2 und fast 6 Jahren noch nicht so ganz ausgewachsen. Nach längerem starren Blick auf den Computermonitor reicht die Dame die drei Bordkarten rüber. “Ich würde ihnen empfehlen, künftig Plätze zu reservieren”, meint sie. Nun ja, das wäre natürlich möglicherweise eine Idee, aber mit Kindern checkt man ungern früher ein als nötig, da die gerne kurzfristig mal krank werden, und die Sitzplatzreservierung bei der Buchung kostet für 3 Personen hin und zurück ja eine nicht unerhebliche Summe. Air Berlin ist zwar familienfreundlich, hat aber ein etwas merkwürdiges Verständnis von “Familie”:

Damit die ganze Familie zusammen sitzen kann, ist die Sitzplatzreservierung für Familien (maximal 2 Erwachsene ab 12 Jahren und mindestens 1 Kind unter 2 Jahren) kostenlos. Sie können Ihre Sitzplätze bis 48 Stunden vor Abflug im Buchungsprozess, nachfolgend unter “Meine Buchung” oder telefonisch über unser Service-Center reservieren ».

Oder anders gesagt: Kinder ab 2 Jahren können bei Air Berlin irgendwo sitzen. Aber nicht unbedingt neben Mama bzw. Papa.

Und so war auf den Bordkarten, die die Dame rüberreichte, die Plätze 3A und 3B notiert sowie 6A. Der hilfreiche Kommentar: “Sie können ja im Flugzeug die Sterwardess ansprechen, ob der Herr auf 3C vielleicht mit ihnen tauschen will.” Vielleicht ist gut. Aber klar, sie kann ihn ja nicht einfach umbuchen. Wahrscheinlich hat er 3C ja als Glückszahl reserviert (und C ist halt Gang, A Fenster).

Im Flugzeug war die Stewardess von der Idee, da was zu unternehmen aber nicht begeistert. Man könne den Herrn ja dann selber ansprechen, ob er tauschen wolle. So sieht Kundenorientierung bei einer Airline mit hin und wieder zu lesenden Berichten über finanzielle Turbulenzen halt aus. Eigentlich wäre es ja lustig gewesen zu sagen, “ach nein, dann setz ich mich halt mal da hinten hin, da hab ich meine Ruhe”. Und zu sehen, was dann passiert.

Aber zu einen tut man sowas seinen eigenen Kindern nicht an, die für Buchtungsspezialitäten deutscher Airlines noch nicht so richtig Verständnis entwickelt haben, und außerdem könnte das vielleicht sogar eine klitzekleine Verletzung der Aufsichtspflicht sein, denn über drei Reihen hinweg kann man nicht so gut übersehen, was 2- und 5-Jährige so treiben.

Der Herr auf 3C sah das zum Glück genauso, auch wenn er nicht wirklich gerne Gang gegen Fenster tauschte.

Aber man fragt sich trotzdem warum ein Buchungssystem, das mit einer Vielzahl von Daten wie auch dem Alter der Reisenden gefüttert wird, nicht schlau genug ist zu wissen, dass drei Menschen mit diesen Altersmerkmalen vermutlich aus gutem Grund und vielleicht auch wegen ein paar lästiger Regeln und Pflichten nebeneinander sitzen müssen. Und das entsprechend hinterlegt. Falls hier jemand mitliest: Ich würde das mal als Features-Request hinterlegen wollen.

Tags
#Air Berlin #Kundenservice #Reservierungspflicht
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