Digitalisierung tötet (Folge 237)

Und schuld an unserem Ableben, der Verwahrlosung unserer Kinder und dem gesellschaftlichen Zusammenbruch trägt natürlich die digitale Technik. Smartphones und Tablets sind teufelszeug. Das hat jetzt gerade mal wieder dpa herausgefunden, zum Beispiel hier nachzulesen.

Das liest sich dann ungefähr so:

„Wir Kinder- und Jugendärzte sind von deutlichen gesundheitlichen und psychologischen Beeinträchtigungen überzeugt, sehen diese täglich in unseren Praxen“, berichtet Till Reckert vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. „Wir warnen auch vor den Folgen, die die Kinder erleiden müssen von Eltern, denen ihr Smartphone wichtiger ist als der Kontakt zum eigenen Kind“, sagt Reckert.

Vorschlag zur Güte: Ja, in den Praxen von Kinder- und Jugendärzten sitzen überwiegend kranke Kinder und Jugendliche. Und, ja, man sollte Kinder nicht einfach so lange mit Smartphone und Tablet spielen lassen, wie sie wollen. Ob 20 Minuten Tablet Spiele wie etwa “Peterssons Erfindungen” wirklich schlimmer sind als 20 Minuten RTL II, das wage ich zu bezweifeln.

Nur noch Kopfschütteln bleibt aber, wenn es in dem Text weiter heißt:

Die von dem Ulmer Psychiater und Gehirnforscher Manfred Spitzer nachgewiesenen negativen Folgen für die Gehirn - und Lernentwicklung bestätigten sich in ihrer ärztlichen Praxis, hieß es

Herr Spitzer hat vor allem steile Thesen populärwissenschaftlich aufgeschrieben. Wem das als Beweis reicht, der war auch nicht auf der Suche nach Für und Wider, sondern auf der Suche nach Bestätitgung für seine Vorurteile. Was zu Spitzers Thesen zu sagen ist, hat der damalige Bitkom-Präsident Prof. Dieter Kempf schon vor fast drei Jahren in der FAZ unter dem Titel “Analoge Ignoranz spielt mit den Ängsten der Menschen” aufgschrieben.

spitzer_FAZ

Der Kronzeuge Spitzer hat übrigens vor knapp zehn Jahren über den Fernseher geschrieben. “Fernsehen macht dick, dumm, gewalttätig.“ Vermutlich gilt schon dieser Satz als medizinischer Beweis für die Gefahren des Televisonskonsums.

Schön auch eine Konklusio des Textes:

„Wenn Kinder dauerhaft mit elektronischen Medien beschäftigt sind, dann besteht die Gefahr, dass solche Erfahrungen zu kurz kommen und Kinder in ihrer Entwicklung beeinträchtigt werden“, sagt Kinderexpertin Susanne Rieschel vom Elternratgeber „SCHAU HIN!“

Genau. So wie Kinder nicht dauerhaft nur Lesen sollten und selbst dauerhaftes nur Fußball spielen auf dem Bolzplatz könnte der Gesamtentwicklung abträglich sein. Aber gut, dass wir mal wieder darüber geredet haben.

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