Marianne Fritzen

Eben noch vor dem Schlafengehen kurz die Social-Media-Kanäle abgesurft. Dort finde ich den unscheinbaren Hinweis, dass Marianne Fritzen gestorben ist.  Marianne Fritzen ist eine Ikone des Akw-Widerstandes, ihr Name verbunden mit dem Wendland. Ein langes, lesenswertes Portrait dazu gibt es bei der “taz”.

Eine persönliche Erinnerung habe ich auch an Marianne Fritzen. 1999 hatte ich als Volontär bei der “Märkischen Allgemeinen” begonnen und eine unserer Stationen war das Ressort “Die Märkische”. Dort durften wir uns an langen Stücken au sprobieren, zum Beispiel eine Reportage im Führerhaus eines Binnenschiffers schreiben, der über brandenburgische Gewässer schippert. Und man konnte eigene Themen vorschlagen, die, das waren Zeiten, eigentlich immer mit einem “mach das mal” quittiert wurden.

Und so habe ich im Ende Oktober, Angang November einen Text über den Anti-Atom-Widerstand im Wendland recherchiert und geschrieben. Natürlich bin ich hingefahren und habe im Vorfeld einen Interviewtermin mit jemandem von der Bürgerinitiative vor Ort ausgemacht. Ich fühlte mich wahnsinnig gut informiert und schlau und habe mich, nun ja, schlecht vorbereitet. Und dann war ich bei Marianne Fritzen zu Hause und habe mir von ihr erzählen lassen und viel zu wenig und viel zu blödes Zeug gefragt.

Der Traum von einer Republik

Ich glaube, ich war auch schlicht beeindruckt von dieser über 70-jährigen Frau, von ihrer Power, von ihrer Klarheit in den Positionen und Äußerungen. Vermutlich fand sie mich ziemlich uninteressant, mal wieder einer dieser Zeitungs-Leute, die so wenig wissen und so viel meinen. Aber sie hat mich das nicht spüren lassen.

Wie lange war ich da? Vielleicht eine Stunde. Ich habe danach einen Text geschrieben, der ganz ok war, wie ich finde, aber mit Abstand betrachtet schon ziemlich verschenkt. Das Thema. Die Person. Die Möglichkeiten. Aber na gut, wir waren damals ja noch Volontäre, um was zu lernen. Und das habe ich. Ich habe mich danach redlich bemüht, nie zu denken, man wisse schon alles und brauche nur ein paar Zitate und eine Person, die die Handlung trägt.

Ich wünsche Marianne Fritzen und allen, die sie gekannt haben und ihr nahestanden, alles erdenklich Gute.

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#MAZ #Wendland
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