Dumm, dümmer, am dümmsten

Oh, gestern ging es bei “Hart aber fair” darum, dass uns Smartphones blöd machen. Ich hab mir das nicht angeschaut, weil ich von dem Kronzeugen der Smartphone-Verblödung - dem Hirnforscher Manfred Spitzer, der auch dabei war - mal gelernt habe, dass Fernsehen uns fett, böse und - Überraschung - blöd macht.

Hart aber fair

Ja, das kann man schon merkwürdig finden. Erst macht uns das Fernsehen “dick, dumm, gewalttätig” (Zitat Spitzer). Irgendwie will es nicht so recht klappen. Dann kommen Computer und dann kommt halt die Warnung, Computer machen uns… dumm. Und irgendwie hat das auch nicht geklappt, also sind es jetzt die Smartphones. Die uns doof machen. Man muss wohl Hirnforscher sein oder Programmplaner um das nicht irgendwann blöd zu finden.

Heute böses Smartphone, morgen böse VR

Ich schätze mal, spätestens 2018, eher 2017 wird eine “Hart aber fair” (oder Nachfolgesendung) - Ausgabe mit dem Titel “Virtual Reality - macht uns die Flucht in fremde Welten dumm und krank?” ausgestrahlt. Oder auf Netflix & Co. gestreamt, ich möchte mich da beim Verbreitungsweg nicht festlegen.

Ich habe kurz gezuckt, ob ich mir den Beitrag doch noch anschauen soll, aber die knappe Zusammenfassung der Reaktionen im Netz hat mir gezeigt, dass das verschwendete Lebenszeit ist. Wofür dieses Internet nicht alles gut ist.

Die analoge Ignoranz

Wer fünf Minuten Zeit hat, der kann ja stattdessen diesen Beitrag über “Analoge Ignoranz” lesen, der bei der letzten Debatte von und mit Manfred Spitzer, als der zufälligerweise zuletzt ein Buch auf den Markt geworfen hatte, in der “FAZ” erschienen ist. Das gilt immer noch, egal ob für Fernsehen, Computer oder Smartphones. Im Zweifelsfall auch für exzessives Fußballspielen oder Hallenmikado.

Richtig ist: Computer machen nicht per se dumm oder schlau, genauso wenig wie Fernseher, Zeitungen oder Bücher. Auch Literatur kann verdummen, und nicht jede Zeitschrift macht ihre Leser klüger. Es kommt auf den Inhalt und die Nutzung an - wie beim Computer. In der Schule muss deshalb unbedingt Medienkompetenz vermittelt werden. Schon wer einen Ausbildungsplatz sucht, wird es ohne solche Kenntnisse schwer haben. Was heißt das praktisch? Es geht eben nicht darum, den Kindern das „Googeln“ als vermeintlich schnelle und einfache Alternative zum Nachschlagen im Lexikon beizubringen, sondern ihnen die Funktionsweise einer Suchmaschine zu erklären. Spitzer bezweifelt, dass „Medienkompetenz überhaupt zu irgendetwas gut ist“. Wer dem folgt, will die Schüler dumm halten, damit sie nicht dumm werden. Er wird damit genau jene Entwicklung erzeugen, die er so lautstark kritisiert.

Ich wünsche mir, dass meine Kinder neue Technologien nutzen. Dass sie ihre Vorteile und ihre Grenzen erkennen. Ja, Smartphones, Tablets & Co. üben eine große Anziehungskraft aus, gerade auf Kinder. Aber wenn ich bei uns zu Hause frage, ob jemand mit dem Tablet spielen will oder wir raus wollen, Fußball kicken - dann gewinnt immer der Fußball. Und das, obwohl ich selbst viel am Computer sitze und mein Smartphone sicher intensiv nutze.Und deshalb glaube ich, dass die angstmachenden, populistischen Verallgemeinerungen von Spitzer & Co., die bei der Technologie die Schuld sehen, daneben liegen. Es geht nicht um Technik, es geht um den Umgang damit.

Tags
#Manfred Spitzer #Medien #Smartphone
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