Eben über Facebook einen Hinweis auf einen Artikel im „Tagesspiegel“ bekommen. Fängt ja verheißungsvoll an:

An Berliner Schulen soll das Sprachangebot ausgebaut werden, das hat sich Rot-Rot-Grün vorgenommen.

Endlich, kann man da nur sagen. Mein Sohn hat in der 2. Klasse jetzt eine (kostenpflichtige) Englisch-AG. Eine Stunde in der Woche. Das ist super und macht ihm Spaß, aber, nun ja, Englisch „lernen“ tut man da eher weniger und es ist halt doch etwas anderes als richtiger Unterricht. Vom Umfang her, von der Ernsthaftigkeit, vom Lehrpersonal und, ja, auch vom Zeitpunkt des Lernens – am Nachmittag während der Freizeitangebote ist halt alles ein bisschen anders.

Aber dann geht der „Tagesspiegel“-Artikel ja weiter. Und da steht dann:

In der Koalitionsvereinbarung werden explizit Arabisch, Türkisch, Kurdisch und „osteuropäische Sprachen“ genannt, die gefördert werden sollen.

Genau, die Weltsprachen Türkisch, Kurdisch und „osteuropäische Sprachen“. Bei Arabisch könnte man ja noch streiten.

Aber es geht ja auch gar nicht darum, das Sprachenlernen für die Schülerinnen und Schüler zu verbessern. Es geht um was anderes:

„Wir beobachten in unserem Weddinger Kiez oft eine doppelte Halbsprachigkeit, die Kinder können also weder gut Deutsch noch gut Arabisch“, sagt die Schulleiterin der Erika-Mann-Schule, Birgit Habermann. „Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, die Kenntnisse der Kinder in ihrer Muttersprache zu stärken, und die Familien erleben es als eine Form der Wertschätzung.“

Das ist irgendwie ja prima. Oder ganz nett. Auf jeden Fall total korrekt. Nur wäre es vielleicht schon eine Idee, dass sich Schulen nebenbei auf einen Bildungsauftrag besinnen. Ich persönlich fände es übrigens als eine ziemliche „Form der Wertschätzung“ wenn an den Grundschulen ab Klasse 1 Medienkompetenz und Englisch im normalen Unterricht vermittelt würden. Oder kurz:

Medienkompetenz und Informatik müssen in der Schule verpflichtend unterrichtet werden, damit wir unsere Kinder mit den Kulturtechnologien vertraut machen, die unser Leben heute prägen. Unsere Kinder sollten Englisch als Lingua Franca der digitalen Welt ab der 1. Klasse lernen – und danach lieber eine Programmiersprache als Latein.