Der Polizeipräsident hat Post

Heute hat mir “der Polizeipräsident in Berlin” geschrieben. Jedes mal frage ich mich, warum das eigentlich “in” heißt und nicht “von” und ob wenn zum Beispiel der Polizeipräsident von Münster mal Urlaub in Berlin macht der nicht auch schreiben kann, “der Polizeipräsident in Berlin”. Aber das sind so Dinge, über die wundert man sich allenfalls mal in einem Songtext von “Element of Crime”, wenn man genug über oberirdisch fahrende U-Bahnen sinniert hat.

Auf jeden Fall dachte ich, wenn der Polizeipräsident mir schreibt (und 10 Euro von mir haben will), dann bezahle ich das natürlich als gesetzestreuer Bürger gleich, aber eine Antwort will ich ihm dann doch nicht schuldig bleiben. Und da ich mal schätze, dass er selbst sehr beschäftigt ist und meinen Brief eh nicht lesen wird, dann kann ich ihn doch auch hier mal posten:

Sehr geehrte Damen und Herren,

sehr geehrter Herr Polizeipräsident,

mit Schreiben vom 17.7.2017 haben Sie mir mit Aktenzeichen 58.xxxxxxxxx.0 eine Schriftliche Verwarnung mit Verwarnungsgeld zugestellt, weil ich in Höhe der Ibsenstraße gegenüber Hausnummer 53 im Bereich eines Parkscheinautomaten ohne gültigen Parkschein geparkt habe.

Ich habe die fällige Summe von 10 Euro soeben überwiesen, da der Tatbestand zweifellos erfüllt war, wie ich gerade nachgeprüft habe.

Dennoch erlauben Sie mir, meinem Unverständnis Ausdruck zu verleihen. Ich habe nämlich dort ohne Parkschein geparkt, weil ich in der Hausnummer 53 wohne und einen entsprechenden Anwohnerparkausweis besitze, für den ich ebenfalls eine Gebühr bezahlt habe. Dieser Anwohnerparkausweis ist allerdings, wie ich durch Ihr Schreiben bemerkt habe, abgelaufen.

Nennen Sie mich naiv, aber ich fände es im Umgang einer Verwaltung mit ihren Bürgern eigentlich eine tolle Sache, wenn man in einem solchen Fall nicht eine “Verwarnung mit Verwarnungsgeld” erhalten würde, sondern schlicht einen netten Hinweis hinter dem Scheibenwischer: “Ihr Anwohnerparkausweis ist abgelaufen - haben Sie vermutlich noch nicht bemerkt. Kümmern Sie sich doch rasch um einen neuen, ansonsten müssten wir demnächst ein Verwarnungsgeld erheben. Nix für Ungut, ihr freundliches Ordnungsamt.”

Klar, das kostet tatsächlich 30 Sekunden Zeit und man muss solche Zettelchen mitführen - und man kann damit als Verwaltung keine 10 Euro verdienen. Leuchtet mir ein. Trotzdem würde ich das gerne mal als Anregung einbringen. Einfach mal einen Hinweis geben statt verwarnen, würde wahrscheinlich genauso gut funktionieren.

Über eine kurze Antwort auf mein Schreiben, gerne auf formlos und ohne Angabe eines Aktenzeichens, würde ich mich sehr freuen.

Mit besten Grüßen,

Andreas Streim

Tags
#Anwohnerparkausweis #Polizeipräsident #Verwarnung
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