Ja, ergänzungsfuttermittel pferd ich habe wirklich Post vom Polizeipräsidenten bekommen. Aber, nein, es ist keine Antwort auf meine Mail – über die ich hier gebloggt habe -, sondern er möchte nochmal 10 Euro haben. Weil ich ohne Parktticket vor meiner Wohnung stand. Die Geschichte habe ich ja an der anderen Stelle schon erzählt. Aber jetzt wundert mich nicht mehr, dass ich nie ein Knöllchen hinter dem Scheibenwischer hatte.

Es drängt sich mir der Verdacht auf, dass das vielleicht ja eine bewusste Entscheidung war, damit man vielleicht in den kommenden Tagen und Wochen noch mehr Strafzettel ausstellen kann – ich meine, die Ordnungsamts-Statistik muss ja stimmen. Auf jeden Fall ist es schon ein großer Zufall, dass bislang zwei Strafzettel vom Wind oder vom Regen dahingerafft wurden und nie bei mir ankamen. Mal sehen, vielleicht kommen ja noch mehr Zahlungsaufforderungen. Es gibt da doch dieses Lied, „It smells like Abzocke“, oder so ähnlich, ich muss das mal nachschauen, ob ich mich beim Titel nicht getäuscht habe.

Auf jeden Fall hat der Polizeipräsident von und zu über und in Berlin von mir heute nochmal Post bekommen. Ich fände es ja knorke, wenn er mal antworten würde. Aber der Mann ist sicher sehr beschäftigt, diese Briefe für die er jeweils 10 Euro bekommt, zu schreiben. Da bleibt nicht viel Zeit für Bürgerkontakt.

Das habe ich geschrieben:

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Polizeipräsident, ich habe mich gefreut, als ich einen Brief von Ihnen in meiner Post fand. Ich dachte es wäre vielleicht die Antwort auf meine Mail vom 24.7.2017 zum Az. 58.xx.xxxxxxx.0 (vgl. https://www.streim.de/2017/07/24/der-polizeipraesident-hat-post/). Leider handelt es sich um eine erneute „schriftliche Verwarnung mit Verwarnungsgeld“, weil ich mit meinem Auto vor dem Haus Ibsenstr. 53 geparkt habe, ohne einen Parkschein gezogen zu haben. Das ist in der Sache korrekt, da ich Besitzer eines Anwohnerparkausweises bin und nicht bemerkt hatte, dass mein Ausweis abgelaufen war. In der Sache gilt das, was ich damals geschrieben habe: Nennen Sie mich naiv, aber ich fände es im Umgang einer Verwaltung mit ihren Bürgern eigentlich eine tolle Sache, wenn man in einem solchen Fall nicht eine „Verwarnung mit Verwarnungsgeld“ erhalten würde, sondern schlicht einen netten Hinweis hinter dem Scheibenwischer: „Ihr Anwohnerparkausweis ist abgelaufen – haben Sie vermutlich noch nicht bemerkt. Kümmern Sie sich doch rasch um einen neuen, ansonsten müssten wir demnächst ein Verwarnungsgeld erheben. Nix für Ungut, ihr freundliches Ordnungsamt.“ Ich hatte mich nach dem ersten Brief, der ja ein paar Wochen nach dem Verwarnungsgrund bei mir Eintrudelte ehrlich gesagt gewundert, wie das denn sein kann. Normalerweise findet man doch hinter seinem Scheibenwischer in so einem Fall einen kleinen Zettel, liebevoll „Knöllchen“ genannt. Dann hätte ich schon früher einen neuen Anwohnerparkausweis beantragen können. Ein dummes Versehen, der Wind, der Regen, habe ich gedacht. Nun könnte man möglicherweise auf die Idee kommen, dass das gar kein so blöder Zufall war. Denn jemand mit einem Anwohnerparkausweis, der abgelaufen ist, wie oft kann man dem denn wohl einen Strafzettel ausstellen und die Statistik des Ordnungsamtes aufbessern, wenn der nicht sofort merkt, was los ist. Sondern erst Wochen später, wenn der Brief mit der „schriftlichen Verwarnung“ zugestellt wird. Nein, denke ich mir, sowas würde jemand der „Ordnung“ im Namen trägt sicher nicht machen. Niemals. Auf der anderen Seite denke ich aber ja auch, eine Verwaltung könnte ihre Bürger einfach freundlich erinnern, ganz ohne Verwarnung. Insofern: Vielleicht sollte ich nicht so sehr an das Gute im Menschen glauben? Sollte in den kommenden Tagen ein weiterer Brief in meiner Post sein, der von mir 10 Euro möchte, für das selbe Vergehen, für das ich nie ein Knöllchen bekommen habe, dann, ja dann, muss ich nochmal scharf nachdenken. Über eine Antwort auf meine Schreiben würde ich mich im Übrigen sehr freuen. Mit besten Grüßen Andreas Streim