Die Kakerlake unter den Gesetzen

Videokonferenzen haben ja lange Zeit ein Schattendasein geführt. Galten irgendwie ein bisschen nerdig. Haben eh nie richtig funktioniert. Und überhaupt: Wofür braucht man die denn, entweder schnell per Telefon oder doch Face-to-Face treffen. Durch das erzwungene “social distancing” konnten sie jetzt in einer ziemlichen Breite belegen, dass sie a) doch leidlich funktionieren, b) man viel besser miteinander sprechen kann, als nur am Telefon und c) das eigentlich auch eine gute Sache sein kann, wenn der Corona-Spuk irgendwann mal wieder vorbei ist.

Der einzige Streit, den es noch gibt, ist dann ob Slack, Skype, Zoom oder Microsoft Teams das Mittel der Wahl ist. Außer man ist deutscher Datenschützer, dann kommt natürlich keines davon in Frage. Krise hin oder her und selbst wenn Bundestag und Landesparlamente handstreichartig Grundrechte außer Kraft setzen können und selbst Gottesdienste verboten sind - die Datenschutz-Grundverordnung ist unantastbar. Sie ist sozusagen die Kakerlake unter den geltenden Gesetzen und wird, da bin ich mir sicher, sogar einen Atomkrieg überstehen.

Wer da sicher(er) gehen will (vermutlich gibt es da auch einen Haken, den ich noch nicht gefunden habe), der kann sich ja für den Eigengebrauch “jists meet” installieren. Wir haben damit heute einen Geburtstags-Kaffee mit zeitweise drei Gästen in unserer Wohnung (respektive: dem Notebook auf dem Esstisch) beherbergt. Das Ganze lässt sich auf dem eigenen Server installieren und die Daten bleiben damit zumindest dort, wo der steht. Für zehn, 50 oder 100 Teilnehmer dürfte in den meisten Fällen der eigene Server aber deutlich zu unterdimensioniert sein.

Dieser Text ist als Einleitung zur Ausgabe #98 meines wöchentlichen Newsletters “Undisruptable Technology” erschienen, den man kostenlos hier abonnieren kann.

Tags
#Digitalisierung #Datenschutz #DSGVO #Videokonferenz
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