andreas streim

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Schlagwort: Datenschutz

E-Mail mit Briefmarke

Die Deutsche Post will mit einer „sicheren E-Mail“ das Briefgeheimnis ins Internet bringen, wie sie sagt. Worum es geht, habe ich hier beschrieben und auch kommentiert.

Und in der Wochenendausgabe habe ich mir Gedanken gemacht, dass die Pläne eine echte Herausforderung für die Programmierer sein könnten…

Der neue Ausweis kommt

Irgendwie ist es wohl an vielen Bundesbürgern bislang vorbeigegangen, aber in weniger als einem halben Jahr gibt es neue Personalausweise in Deutschland. Kreditkartengroß und mit einem Funkchip ausgestattet – vor allem aber als Identitätsnachweis im Internet gedacht. Doch anders als bei der Einführung des maschinenlesbaren Ausweises hält sich die Fundamentalkritik im Rahmen.

Constanze Kurz vom Chaos Computer Club hat mir für meinen MAZ-Artikel unter anderem gesagt:

Die Technik sei zwar „ganz gut gemacht“, aber es werde verschleiert, dass „der Bürger zum Sicherheitsrisiko wird“. Er muss dafür sorgen, dass er sich ein wirklich sicheres Lesegerät für den PC kauft und nicht einfach das billigste. Und er muss sich mit der eher umständlichen Software herumschlagen.

Ihr Fazit:

Keine freiwilligen Funktionen freischalten. Und sie selbst wird ohnehin den Chip deaktivieren. „Eine Sache von drei Minuten“ sei das, sagt sie – und dann ist die Plastikkarte nicht anderes mehr als der heutige Ausweis. Nur kleiner.

Und in meinem Kommentar bin ich auch eher skeptisch, ob das Projekt ein Erfolg wird, nicht nur angesichts von Uralt-EDV in vielen Behörden, die plötzlich mit der Online-Welt kommunizieren sollte. Etwa auf der Kfz-Zulassungsstelle.

Googlegate

Oha, sowohl das „Heute Journal“ als auch die „Tagesthemen“ haben heute Google (mal wieder) einen längeren Beitrag gewidmet. Beim „Heute Journal“ war es sogar die erste Nachricht.

Die Botschaft für den unbedarften Zuschauer: Der Internetriese, der ohnehin alles wissen will (heute journal: „Die Welt ist Google nicht genug“), macht nicht nur Fotos von deutschen Städten, sondern hat sich auch heimlich in private Wlan-Netzwerke eingehackt und dort Daten mitgeschnitten. Unsere Verbraucherschutzministerin findet, das geht überhaupt nicht.

Wow, ein echter Datenschutzskandal. Telekom, Bahn etc. hoch zwei. Oder drei.

Nicht so ganz doll rübergebracht haben die Journalistenkollegen allerdings, dass Google a) nur für Sekundenbruchteile Daten wie Urls oder sogar (Teile von) Emails gesehen und gespeichert hat, weil das Fahrzeug am Haus vorbei gefahren ist und dabei in rasanter Geschwindigkeit die Empfangskanäle gewechselt hat. Und b) waren davon nicht etwa alle privaten Wlan-Netzwerke betroffen, sondern nur solche, die unverschlüsselt senden.

Das schreibt Google übrigens selbst schön auf:

However, we will typically have collected only fragments of payload data because: our cars are on the move; someone would need to be using the network as a car passed by; and our in-car WiFi equipment automatically changes channels roughly five times a second. In addition, we did not collect information traveling over secure, password-protected WiFi networks.

Wer aber ein unverschlüsseltes Wlan betreibt und nicht weiß, was er da tut, für den ist Google mit Sicherheit das kleinste Problem. Man hätte vielleicht dem Zuschauer erklären können, dass praktisch jeder, der sich mit einem Laptop vor eine solche Wohnung stellt, nicht nur Fragmente, sondern die gesamte Kommunikation mitlesen und aufzeichnen kann. Hätte man gar nicht für recherchieren müssen, Wikipedia hätte genügt.

Also: meine Mails bleiben weiter bei Googlemail, weil der Dienst wenigstens schnell und stabil ist. Und ich will endlich Streetview für Deutschland haben, weil das eine mega praktische Sache ist. Und ich wünsche mir, dass unsere Verbraucherschutzministerin nicht immer, wenn jemand „Google!“ ruft, losrennt und ein Gesetz ankündigt, sondern lieber mal was gegen die Dinge macht, wo tatsächliche Datensammelwut herrscht. Zum Beispiel gegen Elena.

By all means necessary

Die Nachricht alleine verstört einen – man muss es leider sagen – gar nicht mehr besonders. Regelmäßig, in immer kürzeren Abständen, gibt es diese Meldungen, die sich meist nur in den Randspalten der Zeitungen wiederfinden, wer wem jetzt mal wieder welche Daten der eigenen Bürger übermittelt.

Mit dieser hier habe ich mich dann doch mal näher beschäftigt

weil ich mich gefragt habe, in welcher bundesdeutschen Datei eigentlich Informationen über das Sexualleben von Bürgern gespeichert werden. Und Informationen über Gewerkschaftszugehörigkeit sollen angeblich auch mit übermittelt werden, gibt’s da auch eine Zentraldatei? Und wofür sollen solche Informationen nutze sein?

Auf jeden Fall gibt es – in diesem Fall: der Linken sei dank – dazu eine ganz interessante Bundestagsdrucksache mit der Antwort der Bundesregierung auf einige der Fragen, die ich mir gestellt habe.

Darin heißt es zum Beispiel:

Klar, einmal braucht man die Informationen, um Gewerkschaftsfunktionäre beschützen zu können. Klingt logisch recht weit hergeholt. Mich würde ja doch mal interessieren, wie viele Gewerkschaftsfunktionäre unter den Terroristen dieser Welt, die man so kennt, waren.

Sehr schön auch das:

„Es kann nicht von vornherein ausgeschlossen werden“. Tja, wenn das das neue Kriterium ist, dann sollte man aber wirklich noch viel, viel mehr Daten über die Bürger anhäufen. Essgewohnheiten, Lieblingsfarben, Musikgeschmack (manche Musik ist ja an sich schon Terror, nicht?), Body-Mass-Index und so weiter und so fort. Oder wollen wir etwa, es geht schließlich um die nationale Sicherheit!, ausschließen, dass solche Daten mal irgendwann wichtig werden?

Vielleicht sollten die Anfragen-Beantworter mal einen kleinen Betriebsausflug in eine Bundesbehörde machen. Sie sind ja nicht die ersten, die die Bedeutung von Daten für irgendwas nicht „von vornherein ausschließen“ wollten.

Aber dann stellen Dieter Dehm, Wolfgang Gehrcke und Ulla Jelpke die Frage, die mich auch am meisten interessieren würde:

Und das ist die Antwort:

Tja, doch dann fragt man sich, wo werden die Daten, wenn man sie denn zufällig mal erhält, gespeichert? Im Freitextfeld des Datensatzes? Oder gibt’s da vielleicht doch eine entsprechende Rubrik? Weil ich frage mich schon, wie solche Datensätze an die USA übertragen werden – ich würde ja eher auf einen strukturieren Datensatz tippen als auf ein ungeordentes Freitext-Dossier, allein schon der Sprachunterschiede wegen. Also so richtig beruhigt bin ich nach der Antwort ja nicht.

Und das ändert sich auch nicht, wenn ich die Antwort auf die Frage, wie lange die Daten, die an die USA übermittelt werden, denn gespeichert bleiben:

Wenn ich diese ausweichende Antwort mal in umgangssprachliches Deutsch rückübersetze: Die Daten bleiben so lange gespeichert, bis der „Krieg gegen den Terror“ gewonnen ist. Nun ja, oder bis es die Datenspeicher zu Staub zerbröselt hat. Was wahrscheinlicher ist, darf sich jeder gerne selbst ausmalen.

Aber da wir ja in einem Rechtsstaat leben, liegt die Frage nahe, ob man denn wenigstens mal in den USA fragen kann, was denn da so gespeichert wurde. Könnte man ja in so einem Vertrag festlegen, nach dem Motto „wenn ihr was von uns haben wollt, dann müsst ihr aber…“

Geht leider nicht, heißt es, weil es sich um ein Abkommen zwischen Staaten handelt, da kann der Einzelne nicht dazwischenfunken. Aber der Bürger darf gerne um Hilfe fragen? Wen? Na den Bock, der jetzt Gärtner ist:

Ich bin mir sicher, so ein Begehren wäre extrem erfolgsversprechend. Doch, doch. Ich glaube ja auch sonst alles, was in der Antwort steht.

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