andreas streim

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Schlagwort: Digitalisierung

Bitte, bitte ein Fax

Als der Bitkom zur CeBIT in diesem Jahr eine Studie zum Stand der Digitalisierung in den deutschen Unternehmen durchgeführt hat, fand ich persönlich ja ein Ergebnis zum Thema Fax besonders überraschend:

Einer aktuellen Umfrage im Auftrag des Bitkom zufolge nutzen acht von zehn deutschen Unternehmen (79 Prozent) häufig das Faxgerät zur internen oder externen Kommunikation, nur halb so viele (40 Prozent) setzen Online- oder Videokonferenzen ein und sogar nur 15 Prozent Soziale Netzwerke.

Also, ich meine, ich habe ja auch noch eine Faxnummer. Wenn da jemand was hinfaxt landet es im Computer. Wo sonst? Also man könnte auch direkt eine Mail schicken und das machen eigentlich auch alle. Ich glaube, privat habe ich seit zwei Jahren kein Fax mehr bekommen. Mindestens.

Aber ich weiß jetzt endlich auch, woher die Liebe vieler Unternehmer zur Faxkommunikation kommt. Es ist die Erinnerung an diesen Gassenhauer „Schick mir ein Fax (Bitte Bitte)“ aus den 80er Jahren, den dankenswerterweise radio eins ausgegraben hat:

Bitte ein Fax

Und das geht so:

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Digitalisierung ist keine Privatsache

Gibt es eigentlich noch irgendwelche Stellenanzeigen, in denen nicht IT-Kenntnisse der einen oder anderen Art verlangt werden? Also von Jobs, die man vielleicht auch haben möchte? Und kann man eigentlich noch verstehen, wie unsere Welt funktioniert, wenn man nicht Grundkenntnisse rund um Computer und Informatik hat?

Wenn man sowas sagt, bekommt man gerne auch zu hören: Nö, man braucht keine solchen Kenntnisse, man muss ein Auto auch nicht reparieren oder bauen können, um es fahren zu dürfen. Stimmt, das Blöde ist nur: Selbst um Autos zu verstehen wird man künftig weniger was von Mechanik verstehen und Schraubenschlüssel benutzen können müssen, sondern auch dafür ist bald IT-Wissen unerlässlich. Tesla spielt zum Beispiel ein Software-Update auf seine Modelle ein, wodurch diese einen Autopiloten erhalten. Nochmal: Man muss kein neues Auto kaufen, in eine Werkstatt fahren oder sowas, nein, die Software verändert die Fähigkeiten des Fahrzeugs, genau wie beim Smartphone.

Nur ein Beispiel dafür, dass unsere Wirtschaft und Gesellschaft sich rasant digitalisiert. Nur um unsere Schulen, da soll diese Digitalisierung bitteschön einen großen Bogen machen. Da sieht dann „Computer in der Schule“ immer noch so aus:

Computer in der Schule Weiterlesen

Medienmänner, die auf Social Media starren*

Die Medien und die Digitalisierung. Geht dieses Internet irgendwann wieder weg? Warum sollen wir da unsere Inhalte präsentieren, die wir gedruckt doch verkaufen wollen? Und was soll dieses ganze Twitter, Facebook und Gedöhns? Für all das hab ich keine Zeit. Das war die Stimmungslage zu der Zeit, als ich noch Tageszeitungsredakteur war, bei vielen Kollegen. Und in der Führungsetage erklärte man zwar schon, dass diese Sozialen Medien halt auch das Zeitungsgeschäft verändern würden (ein „leider“ wurde immer leise mitgedacht), aber be- oder genutzt hat das ganze Zeug keiner von denen, die sich als Vordenker und Leitfiguren verstanden.

Funfact: Der Herausgeber dieser Zeitung hat lange Zeit seine Kolumnen mit der Hand geschrieben, die dann seine Sekretärin ins Redaktionssystem eingeben musste, was dazu führte, dass diese Kommentare immer länger und länger wurden. Per Hand auf Zeile schreiben, das ist halt nicht so einfach. Aber Digitalisierung von oben verordnet, nun ja, also eher nicht. Weniger fun, aber auch fact am Rande: Heute gibt er durchgeknallte rechtspopulistische Parolen oder einfach nur dumme Beleidigungen als Landtagsabgeordneter der AfD von sich. Und ist statt auf sein Wissen über das britische Königshaus und Preussen stolz auf sein „unfreundliches Gesicht“.

Aber zurück zum Digitalen und den Medien. Thomas Knüwer hat sich bei „Indiskretion Ehrensache“ die Mühe gemacht mal nachzusehen, welche Führungskräfte großer deutscher Medien denn so unterwegs sind, bei Social Media. Das Ergebnis ist weniger überraschend als ernüchternd.

Knüwer stellt dann fest:

Und wenn jetzt jemand kommentiert (was fast immer bei solchen Themen der Fall ist), diese Hochrangigen hätten ja Besseres zu tun als zu twittern, so muss doch entgegnet werden, dass einerseits sich der Sinn vieler Dienste erst erschließt, wenn man sie genutzt hat, egal ob es um die Wirkung der Vernetzung bei Facebook ist, das Magenumdrehen beim Nutzen von Oculus Rift oder die Beschleunigung eines Tesla. Und andererseits es recht unwahrscheinlich ist, dass jemand im Gegenzug Wissen über Datenbanken oder Programmiersprachen mitbringt.

Und da ist mir ein Auszug aus einem Interview eingefallen, das Madsack-Geschäftsführer Thomas Düffert erst kürzlich seinem eigenen Mitarbeitermagazin gegeben hat.

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Bloß keine schlauen Kinder

Manchmal hat man den Eindruck, dass Bildungspolitiker in Deutschland ihre Hauptaufgabe darin sehen, dass wir hierzulande bloß keine zu schlauen Kinder bekommen. Da gibt es eine überwältigende Mehrheit von Eltern, Schülern und sogar Lehrern, die sich vehement für ein Pflichtfach Informatik einsetzen, aber nur zwei oder drei Bundesländer, in denen sowas ähnliches Realität ist. Und jetzt? Jetzt schafft Baden-Württemberg Informatik ab – und ersetzt das Fach durch fächerübergreifende Medienbildung.

Jetzt gehört fächerübergreifende Medienbildung sicher zur Kernaufgabe der Schule, aber eben nicht auf Kosten der Informatik. Denn während es bei der einen Sache in erster Linie um Anwenderkompetenzen geht, müssen wir unseren Kindern auch Grundlagen der IT beibringen, die ihnen sozusagen (erste) Anbieterkompetenzen vermitteln. Wir brauchen nicht nur junge Menschen, die ihre Privatsphären-Einstellungen in Sozialen Netzwerken verstehen oder ihr Smartphone bedienen können, sondern wir brauchen junge Menschen, die Ideen für neue Apps haben und die wissen, wie man eine App oder Webanwendung erstellt. Ja, es geht bei Informatik nicht alleine um Programmieren, aber es geht eben auch um Programmieren. Denn in der Digitalen Welt wird künftig gelten: Program or be Programmed.

Das Problem ist: Wenn das Thema in der klassischen Bildungspolitik bleibt, dann sind die Veränderungszyklen irgendwo im zweistelligen Jahresbereich und wenn das Thema App und Plattform-Ökonomie den üblichen Weg in den Lehrplan geschafft hat, dann dürfte da draußen in der realen Welt und von den Start-ups im Silicon Valley ganz zu schweigen, schon was ganz anderes Thema sein. So wie man heute froh sein muss, dass es in fast allen Schulen Internetanschlüsse und irgendwelche Computerräume gibt. Mobile? Tablet? E-Book-Reader? Fehlanzeige. Da reden wir in 10 Jahren drüber.

Ich schaue ein wenig mit Schrecken darauf wie das wohl wird, wenn der erste Sohn in die Schule kommt. In der Kita ist Lernen noch komplett analog (außer einem Lern“computer“, auf dem ein merkwürdiges, aber sehr begehrtes Spiel läuft) und in der Verwaltung ist das Höchste der Gefühle, dass die Leitung einen Dreizeiler als Word-Dokument abspeichert und an eine Mailingliste schickt. Ja, zugegeben, hier wäre bei einer Teamfortbildung vielleicht das Thema Medienkompetenz gar nicht so schlecht. Und ehrlich gesagt würde es auch bei den Kindern gar nicht wirklich schaden, denn natürlich spielen fast alle mehr oder weniger oft auf Smartphones und Tablets der Eltern irgendwelche Sachen und man wundert sich, wie schnell sie sich das Bedienungsgrundzüge aneignen.

Aber in Berliner Schulen gilt ja eine funktionierende Toilette bereits als Luxus-Ausstattungsmerkmal. Auf Digitales und Digitalisierung mag ich da gar nicht hoffen. Ich befürchte, dass das individuell den Kindern, die wir heute in die Schule schicken, auf die Füße fallen wird, wenn sie sich die notwendigen Fähigkeiten nicht anderswo, etwa im Elternhaus, aneignen können. Und das hat dann auch Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft. Denn ohne Digitale Souveränität wird es in Zukunft ganz schön schwer sein, in irgendwelchen Industrien und Wirtschaftsbereichen, vom Automobilbau bis zur Luftfahrt, von der Touristik bis zur Landwirtschaft, noch ganz oben mitzuspielen und für entsprechenden Wohlstand hierzulande zu sorgen. Davon werden dann wieder alle betroffen sein, Schulen ebenso wie Rentner, Beamte ebenso wie dann vielleicht nicht mehr Berufstätige. Denn wie gestern Bundeskanzlerin Angela Merkel doch recht treffend festgestellt hat: „Many jobs will disappear because they can be replaced by machines. But I’m convinced that many more jobs will be created through the value of data.“

Letztlich heißt das: Die Digitalisierung der Schulen, die Anpassung der Lehrpläne, muss Chefsache werden. Nur so können die sich gegenseitig ausbremsenden Länder und die Zersplitterung der Bildungslandschaft (wer will digitale Lernmaterialien entwickeln für 16 verschiedene Bundesländer mit unterschiedlichen Zielen, Konzepten, Plänen etc.?) überwunden werden. Notwendig wäre dafür vermutlich ein Konsens unter den Parteien, dass es hier um eine zentrale Zukunftsfrage geht. Wir bräuchten sozusagen partei- und ressortübergreifende Medienkompetenz. Aber das ist dann vermutlich noch schwieriger zu erreichen als dichte Fenster in Berliner Grundschulen.

Time to say goodbye, Jim Knopf

„Papa, was ist ein Lokomotivführer?“ „Äh, also das ist, naja, früher, da musste noch ein Mensch vorne in der Lok stehen und Knöpfe drücken…“

Wieder ein Kindheits-Traumberuf weniger. Und die Augsburger Puppenkiste mit Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer wird dann auch nur noch mit elterlichen Erklärungen verstanden. Noch ist es nicht so weit, aber eigentlich steht ja fest, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis auch der Beruf ausstirbt.

Die GDL mit ihren Dauer-Streiks dürfte das Innovationstempo beim Thema selbstfahrende Züge dabei höchstens noch etwas beschleunigt haben. Aber wenn es uns inzwischen sogar gelingt, selbstfahrende Autos auf die deutlich komplexeren Straßen mit ihrem viel schlechter vorherzusagenden Verkehrssituationen loszulassen, dann ist das mit den Automatik-Zügen wirklich nur eine Frage der Zeit.

Jeder zweite Deutsche kann sich dabei übrigens heute schon vorstellen, in einem vom Computer gelenkten Zug einzusteigen, wie eine repräsentative Umfrage des Digitalverbands BITKOM gerade gezeigt hat. Nur am Rande: Ein Hauptgrund für diese Offenheit ist die ausgeprägte Streik-Unlust der Digitaltechnik. Aber auch die Hoffnung auf sichereren Verkehr und höhere Pünktlichkeit spielen eine Rolle.

Auf der anderen Seite: Ritter gibt es ja auch nicht mehr, Prinzessinnen nur sehr selten (und die, die eine sind, finden das oft gar nicht so toll) und Astronaut wird auch nur eine allerkleinste Minderheit. So it’s time to say goodbye, Jim Knopf. Mit ein bisschen Glück schaffst Du es noch bis zur Rente. Und dann übernimmt die Digitaltechnik.

Das Digitale zu Tuende

Netzpolitik.org hat einen Entwurf zur „Digitalen Agenda“ der Bundesregierung veröffentlicht. Beschlossen werden soll das Papier am 20. August im Kabinett.

Bei tagesschau.de hat Marie-Kristin Boese bereits vorgestern eine längere erste Analyse aufgeschrieben.

Ihr Fazit:

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