andreas streim

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Schlagwort: Handy

Nie mehr Automaten, nie mehr Kleingeld

Seit gestern bin ich Touch&Travel-Nutzer. Und ich muss sagen, ich bin ziemlich begeistert. Ich nutze ja seit Jahren Smartphones und „Apps“, lange bevor Apple den Begriff in den allgemeinen Sprachgebrauch überführt hat. Aber endlich scheint die Zeit gekommen, dass die Software wirklich tut, was man von ihr erwartet – und das alltägliche Leben erleichtert.

Touch&Travel ist im Prinzip nichts anderes als der Fahrausweis für Tram, Bus, S-Bahn und Bahn auf dem Handy. Statt Kleingeld aus der Geldbörse zu fingern (das nie da ist, wenn man es braucht), sich am Automaten anzustellen (der immer von touristischen Reisegruppen belagert wird) und genau dann dran zu sein, wenn die S-Bahn schon in den Bahnhof rollt, kauft man sein Ticket bequem am eigenen Handy.

Beim Einsteigen wählt man die Haltestelle, die per GPS schon ziemlich genau vorgeschlagen wird. Und wenn man aussteigt, meldet man sich ab – das Programm berechnet dann den Fahrpreis. Fährt man mehrfach am Tag, so erkennt die Software, wenn ein Tagesticket günstiger wäre und kauft das – sozusagen rückwirkend. Eine feine Sache für Gelegenheitsfahrer und Monatskarten-Nichtbesitzer.

Ein bisschen verwirrend ist die Frage nach dem Geltungsbereich in Berlin. Während es auf der Website ausdrücklich heißt, es sei nur der Tarifbereich AB abgedeckt – was Potsdam (liegt im Bereich C) ausschließen würde – ist bei Ansicht des Streckennetzes die Brandenburger Landeshauptstadt mit dabei:

Allerdings wird sie hier in den Tarifbereich B verlegt.

Was tun? Einfach ausprobieren. Das Ergebnis ist nach dem Abmelden am S-Bahnhof Babelsberg der Hinweis, der Fahrpreis könne kurzfristig nicht berechnet werden. Das lässt Schlimmes befürchten – doch am Ende wird für die Fahrt vom S-Bahnhof Bornholmer Stra0e 3 Euro abgebucht, der Preis einer normalen ABC-Fahrkarte.

Bei der Rückfahrt melde ich mich am Bahnhof Zoo an und an der Tramhaltestelle Björnsonstraße wieder ab und es wird sofort der reguläre AB-Preis von 2,30 Euro angezeigt.

Gleich bei meinem ersten Test bin ich übrigens kontrolliert worden, in der U-Bahn. Erstmal Schrecksekunde, denn als ich die App öffnen wollte gab es natürlich keinen Netzempfang und für lange, lange Sekunden dreht sich nur der „Bitte Warten“-Kreis auf dem Display des Handys. Dann der Hinweis: „Kein Netz“. Aber den Button „Kontrolle“ kann man dennoch wählen – und es wird ein neckischer QR-Code angezeigt, den der Kontrolleur dann wohl irgendwie einlesen muss. Müsste. Denn in meiner U-Bahn schaute er nur kurz und leicht irritiert auf das Handy und winkte dann lächelnd ab. Auch gut.

Was aber definitiv für die App noch fehlt: Die Möglichkeit, mehr als ein Ticket zu kaufen. Wenn wir zu zweit fahren, dann würde ich gerne einfach beide Tickets über die Touch&Travel-App kaufen, nicht nur meins. Denn so muss man ja doch wieder am Automaten anstehen, Kleingeld suchen…

Ich fühl‘ mich so mobil

Ich habe schon Apps auf meinen PDA und mein Handy geladen, als man bei Apple – sofern man überhaupt wusste, was das sein soll – allenfalls an Mac dachte. An schicke PCs halt, nicht mehr. iPhone? Gab’s nicht. Damals waren die Dinger von Palm oder Sony Ericsson. Und ich habe viel Geld in die Geräte investiert. Und viel Spaß damit gehabt.

Aber ehrlich gesagt: Dass das Zeug massenkompatibel sein soll, das konnte ich mir nicht vorstellen. Viel zu frickelig. Im Internet surfen ging, ja (laaaangsam!). Aber der Bildschirm war so klein, dass es eher eine Demonstration war, was technisch möglich ist, und weniger realen Nutzen hatte.

Inzwischen bin ich mir sicher, dass diese ganzen Studien, dass die mobile Web- und Appnutzung das stationäre Internet via PC abhängen wird, recht behalten werden. Wenn wir uns heute Gedanken darüber machen, einen Internetauftritt zu modernisieren, dann klingt das irgendwie sehr nach 90er Jahre. Mobil, das ist einfach geworden, praktisch und bequem.

Zum Beispiel ein Bahnticket via Handy kaufen. Habe ich vor ein paar Monaten zum ersten Mal gemacht. Am Münchener Flughafen habe ich auch nach der dritten Runde die Fahrkartenautomaten des Schienenunternehmens nicht gefunden. Kann gar nicht sein, ich weiß, aber ich schaffe das. Ich muss mich dazu nicht mal anstrengen. Aber ich wusste, dass die S-Bahn gleich losfährt und ich sonst meinen Anschlusszug nach Prien verpassen würde. Also bin ich ans Gleis runter und habe dort, in den wenigen Minuten bis die S-Bahn losging, via Bahn-App auf meinem Android-Handy das Ticket gekauft.

Ein paar Klicks, eine Pin. Fertig. Und die Schaffnerin konnte tatsächlich den komischen Barcode mit ihrem Gerät auslesen und feststellen: bezahlt. Technik die begeistert.

Oder die letzte Bastion der Totholz-Benutzer, der Internetausdrucker: der Brief. Spätestens gegen Ende Mai, wenn die Steuererklärung weggebracht werden muss, fehlt sie, die Briefmarke. Man muss an einer Postfiliale vorbei, mindestens den dort stehenden Briefmarkenautomaten füttern (der das Rückgeld penetrant in wertlosen 5-Cent-Marken gibt, die man danach eh wegschmeißt oder verliert, da müssten Verbraucherschützer mal aktiv werden) und dann das Kuvert frankieren und in den Postkasten werfen. Anders geht’s nicht.

Dachte ich. Denn die Deutsche Post ist innovativer als ich dachte. Man kann Briefmarken im Internet kaufen, per Paypal(!) bezahlen, ausdrucken und aufkleben. Fertig.

Aber es geht noch besser. Mobil. Mit einer App fürs Handy. Damit kann man (zu Apothekenpreisen, zugegeben, aber dafür immer und überall) einen Brief frankieren, indem man das Porto per SMS kauft und per Hand einen Code auf den Umschlag schreibt. Nie wieder Automaten- oder Filialzwang! Und man kann in der App sogar den nächsten Briefkasten suchen und die Leerungszeiten anzeigen lassen.

Und jetzt die Sparkassen. Die wollen an ihre Kunden künftig EC-Karten mit einem Funkchip (NFC-Chip) ausgeben, der berührungsloses Bezahlen ermöglicht. Das klingt innovativ, ist es aber nicht wirklich. Eher ist es der – am Ende womöglich hilflose – Versuch, Google auf Distanz zu halten. Denn Google startet in den USA gerade den Dienst Wallet, durch den das Handy künftig Brieftasche mit EC- und Kreditkarte ersetzen könnte. Im Handy dazu nötig: ein NFC-Chip.

Meine Einschätzung: In zehn Jahren werden wir ganz normal mit dem Handy an der Kasse bezahlen – und uns nur noch vage an Plastikkarten erinnern. So wie meine Erinnerung an Briefmarkenbögen langsam verblasst. Und wann ich zum letzten Mal am Schalter ein Bahnticket gekauft habe, das auf diesem Kartonzeugs ausgedruckt worden ist.

Ich arbeite in einer Branche, die bei diesen Veränderungen auch eher staunend zuschaut. Tageszeitungen werden – allen technischen Weiterentwicklungen zum Trotz – ähnlich produziert und ausgeliefert wie vor einigen Jahrzehnten. Und es gibt nicht wenige Kollegen die meinen, es werde das gedurckte Nachrichtenangebot immer geben, die Dot-Com-Euphorie sei ja schließlich auch vergangen. Ich denke, eigentlich müsste man sich weniger Gedanken darüber machen, wie die Leute heute anders als auf Papier ihre Zeitung lesen wollen/können, sondern wo sie in fünf oder zehn Jahren stehen werden. Und in diese Richtung müsste der schwerfällige Tanker „Medien“ dann steuern. Sonst hetzt er im Zickzackkurs immer nur den schnittigen und schnellen Entwicklungen hinterher.

Niemand braucht ein Handy

Mein Kollege Ralf Schuler hat in seinem Blog jüngst einen kleinen Text gegen den iPad-Wahn geschrieben. Darin heißt es:

Und so stehe ich denn ratlos in der U-Bahn und frage mich: Warum fällt mir nichts ein, was ich jetzt mit einem iPad erledigen könnte? Leide ich unter digitaler Dysfunktion oder bin am Ende gar ein „lately adopter“? Was ist schiefgelaufen in meiner Kindheit, dass ich Dinge immer erst kaufe, wenn ich sie brauche und nicht auf Vorrat?

Auch wenn mich das iPad sowas von überhaupt nicht reizt und mir Apple-Produkte wegen der Apple-Geschäftspolitik immer unsympathischer werden und ich deshalb nicht erwäge, mir welche zu kaufen, muss ich da doch widersprechen. Ich habe zum Beispiel vor einer Woche die Wahl des Bundespräsidenten fast ausschließlich am Handy mit Twitter verfolgt. Den Suchbegriff „#bpw“ eingegeben und schon konnte ich in der S-Bahn, auf dem Weg zu einem hübschen Café, mal eben nebenbei im Café und auf dem Weg zurück verfolgen, wie sich die Kür hinzog. Und zu Hause das Finale im Fernsehen anschauen.

Das Tolle daran: Ich habe nicht nur die harten Fakten bekommen, sondern wurde auch unterhalten. Etwa mit Meinungen wie „Kurze Durchsage: Die kleine Linke möchte aus dem Schmollparadies abgeholt werden. #bpw“ Oder anderen originellen Beiträgen. Oder diese. So wie eine Zeitung nicht nur aus Nachrichten besteht, sondern dazwischen Reportagen, Kommentare oder Glossen stehen, so ist bei Twitter eben nicht alles nur Geplauder und auch nicht reiner Fakt. Die Mischung macht es.

Mag sein, dass man das nicht braucht, wie Ralf Schuler wohl sagen würde. Aber warum eigentlich nicht? Als es die ersten Handys zu kaufen waren, fand ich die auch prima. Von unterwegs, von überall, telefonieren? Ist doch eine feine Sache. Und da musste ich mir anhören, dass kein Mensch sowas braucht, dass das viel zu teuer ist. Etc. pp. Und heute? Fällt mir spontan niemand mehr ein, der kein Mobiltelefon hat. Außer meiner Großmutter.

So mag es sein, dass manchem in der U-Bahn nichts einfällt, was er mit einem Smartphone oder einem iPad jetzt treiben könnte. Das beduetet aber nicht, dass es Smartphone- und iPad-Besitzer ebenso geht, sie aber nur in irgendeinen Kaufrausch verfallen sind. Sondern dass sie vielleicht etwas wissen, was man selbst noch nicht weiß.

Und in zehn Jahren hat dann eigentlich jeder ein Smartphone oder was iPad-ähnliches dabei. Wetten? Außer meiner Großmutter.

I am an Android

Okay, heute war also Google-Tag. Nicht ganz so inszeniert, wie wenn Apple mal wieder eine neue Generation seines iPhone vorstellt. Die Bilder aus Mountain View von der Pressekonferenz sahen eher so aus, wie wenn der Landesverband einer mittelgroßen Krankenkasse zum Journalistentalk lädt. Aber das ist an sich ja noch nicht schlimm.

Schlimmer war, dass so ziemlich alles, was Google da von ihrem neuen Handy „Nexus One“ gezeigt hat, bereits durchgesickert war. Überraschungsmoment: Null. Ein technisch ordentliches Mobiltelefon, das Rechenleistung für eine Menge Gimmicks hat, und eine aufpolierte Version des Betriebssystems Android. Wobei das ja möglicherweise auch noch gereicht hätte, eine gute Weiterentwicklung des Bestehenden.

Kopfschütteln bei mir löste dann aber das hier aus:

Sorry, the Nexus One phone is not available in your country.

steht auf der offiziellen Nexus-One-Seite. In den meisten Ländern der Erde, inklusive Deutschland, gibt es das ach so tolle Gerät, das von Google „Superphone“ getaufte Multimedia-Gadget gar nicht.

Angesichts des Entwicklungstempos auf dem Markt wage ich aber zu bezweifeln, dass der aktuelle Nexus-Hype lange genug anhält, bis zum Frühjahr oder gar noch länger, damit das Ding für einen Preis um die 400 Euro ohne Vertrag hierzulande noch ein Renner wird. Mein Interesse ist zumindest erstmal rapide erlahmt. Man kann bei so einer Ernüchterung nochmal überlegen, ob man so ein Teil überhaupt braucht (natürlich nicht).

Dabei muss ich sagen: Ich finde Android prima. Ich habe ein G1 von T-Mobile und bin extrem zufrieden. Es ist das beste Handy, das ich je hatte. Weder mein Sony Ericsson P800 noch der Palm Treo 650 noch mein XDA mit Windows Mobile kamen nur in die Nähe dieses Geräts. Es kann eigentlich alles, was ich will – und sogar noch ein bisschen mehr. Und ich kann Programme dafür schreiben und einfach installieren, wenn ich mag. Das ist noch dazu einfach. Auch wenn das Teil ruhig ein bisschen flotter sein dürfte und vor allem mehr Speicherplatz für Anwendungen bieten könnte. Und natürlich als Modem für den Notebook dienen.

Das iPhone ist für mich aus vielerlei Gründen keine Alternative. Ich komme mit der Bildschirmtastatur nicht zurecht, ich mag die Hardwaretasten des G1 (auch deshalb wäre das Nexus wohl nix für mich). Ich benutze auf meinem PC Linux (Ubuntu) und will kein Handy, das zur Aktivierung iTunes und damit Windows oder Mac OS benötigt. Da fühle ich mich gegängelt. Ebenso davon, dass ich einzig und allein Programme installieren darf, die Apple zuvor freigegeben hat.

Deshalb ärgere ich mich derzeit auch immer, wenn Verlage in einer „iPhone App“ die Zukunft für die Verbreitung von Medieninhalten sehen. Das wäre so, als wenn man Webinhalte nur noch für Rechner mit Mac OS zugänglich machen wollte. Kann ja eine Strategie sein, schließt aber eine Menge Leute aus. Ich wage nur mal die These, dass es für viele Verlagsmanager schon eine ganz schön schwere Hürde war, „dieses iPhone-Dings“ zur Kenntnis zu nehmen, von Android & Co. haben die vermutlich noch nie gehört. Was ein Fehler sein könnte – wenn man sich die Zukunftsaussichten ansieht.

Und ich weiß auch nicht, ob es so eine kluge Medienstrategie ist, sich auf Gedeih und Verderb an ein Unternehmen zu binden, das mit einem Tastendruck die Anwendung wieder verschwinden lassen kann. Aber es wäre ja nicht das erste Mal, dass Medienhäuser kräftig daneben liegen, wenn es um neue Medien geht.

Ich werde wohl erst dann zu einem neuen Android-Handy greifen, wenn entweder mein G1 den Geist aufgibt oder aber eines auftaucht, dass neben Leistungsverbesserungen weiter eine Hardwaretastatur und eine verbesserte Akkulaufzeit bietet.

Bis dahin bin ich eins: Mit Android und dem G1 sehr zufrieden.

© 2018 andreas streim

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