andreas streim

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Schlagwort: Linux

Ubuntu wird auch immer mehr Windows

Früher konnte man ein Linux-System – ja, auch ein Desktop-System – problemlos wochenlang ohne Neustart laufen lassen. Und heute? Gefühlt bei jeder zweiten Software-Aktualisierung kommt hinterher dieses Bildchen:

Bitte neustarten

Ganz ehrlich, das nervt ein bisschen. Woran liegt das denn eigentlich? Ist das System instabiler geworden? Gibt man sich weniger Mühe, auf den Neustart zu verzichten, weil die User das eh gewohnt sind?

Oh, Ubuntu!

Ich bin ja nun seit einigen Jahren überzeugter Linux-Nutzer auf dem Desktop. Zumindest im Privatleben. Seit Anfang an ist Ubuntu die Distribution meiner Wahl, ich hatte darüber ja bereits gebloggt.

Aber manchmal kann einen das System schon zum Wahnsinn treiben. Und, pardon, wer nicht Zeit und Lust hat und vielleicht auch ein bisschen Basiswissen, um sich in die Innereien des Computers zu vertiefen, der ist dann ganz schön aufgeschmissen.

Mein Problem in jüngster Zeit: Der Rechner bootet einfach langsam. Beziehungsweise bis zum Login-Bildschirm ist alles gut und zügig. Aber sobald ich dort mein Passwort eingegeben habe, wird alles quälend langsam. Erst ist der Bildschirm eine ganze Weile leer. Dann erscheinen zwar die Icons, aber das ganze System ist unglaublich träge und nimmt praktisch keine Aktionen an. Währenddessen leuchtet die Festplatten-Anzeige ununterbrochen, die Harddisk ist dauerhaft am Rödeln.

Woran liegt es?

Mit

sudo iotop -ao

kann man sehen, wer alles heftige Diskoperationen auslöst.

Zwei Kandidaten sind dabei:

  • dropbox
  • gnome-settings-daemon

Beide haben für mehrere Minuten mehr als 98% Disknutzung. Kein Wunder, dass da sonst nichts vorangeht.

Ich habe mein Problem dann mit Blick auf den gnome-settings-daemon in den Griff bekommen – und dank dieser Erklärung hier.

Hintergrund ist offenbar, dass das Verzeichnis .thumbnails, in dem die kleinen Bildvorschauen von Desktop und Dateimanager abgelegt werden, sehr groß werden kann. Bei mir waren es 665MB. Der gnome-settings-daemon schaut bei jedem Start nach, ob da nicht vielleicht ein paar alte drinliegen, die er löschen könnte. Und offensichtlich macht er das nicht sehr effizient. Und das dauert dann Minute um Minute.

Abhilfe: Verzeichnis mit einem Script aufräumen oder einfach mal löschen.

Schwupps, alles bootet wieder hübsch schnell.

Und die Dropbox könnte man mit einem kleinen Script ja erst starten, wenn man ein paar Minuten eingeloggt ist. Aber darauf habe ich jetzt erstmal verzichtet, weil die Geschwindigkeit bereits wieder ausreichend ist.

Das Schlimme ist: Dieses Problem mit dem großen .thumbnails-Ordner und dem langsamen Boot ist bereits zwei Jahre bekannt. Geändert hat sich offenbar noch nichts.

Linux ist gut für Babys

Leider bekommt man die besten Ideen ja immer dann, wenn man sie nicht mehr braucht. Sohn ist mit 18 Monaten dafür ja jetzt zu alt – aber vielleicht gibt’s ja auch gescriptete Einschlafhilfen für höhere Alter?

Go Linux

Linux ist nicht nur besser als Windows, es ist mindestens so leicht zu installieren und zu verstehen und es macht nicht nur mehr Spaß – es ist auch ökologischer.

Leben ohne Microsoft

Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich der Linux-Distribution Ubuntu eine 3+ als Note gegeben und mich vor einem Komplettumstieg von Microsoft Windows auf Linux noch etwas geziert. Kurz darauf habe ich es dann doch getan – und heute ist mal ein guter Tag, Bilanz zu ziehen.

Für mich funktioniert das Leben ohne Microsoft – zumindest fast.

ubuntu

Mein damals geäußertes größtes Problem, nämlich der nicht funktionierende Zugriff auf einen Exchange2007-Server hat sich dadurch in Luft aufgelöst, dass die dortigen Emails, Adressen und Kalendereinträge inzwischen von Google verwaltet werden. Ich weiß, ich weiß, die große Datenkrake, aber dazu vielleicht ein andermal mehr. Auf jeden Fall ist seitdem der Zugriff durch Ubuntu (und durch mein Handy, das G1, auch) problemlos.

Die Banking-Software Starmoney ist durch Moneyplex ersetzt, eine kommerzielle Lösung, die sich vom Funktionsumfang her nicht verstecken muss. Sogar mein HBCI-Chipkartenleser wurde erkannt.

Die Fotoverwaltung Imatch unter Windows hat leider kein gänzlich adäquates Pendant auf Linux-Seite gefunden. Programme wie F-Spot sind zwar ganz nett, aber sie unterstützen bestimmte Funktionen nicht, etwa echte IPTC-Felder lesen und(!) schreiben. Ich benutze jetzt Mapivi – und bin damit zufrieden.

Was weiter ohne jede Konkurrenz ist, ist DxOptics Pro, ein Programm, das Fotodateien professionell aufpeppt, und zwar je nach benutztem Kameramodell und Objektiv. Das Programm läuft bei mir in einer virtuellen Windows-Maschine (via Virtualbox), neben dem jährlichen Programm zur Steuererklärung. Ehrlich gesagt laufen beide Programme dort besser als früher auf einem echten, reinen Windows-PC.

Ansonsten gibt es alles, was ich brauche, unter Ubuntu. Zum Beispiel Cinerella für den Videoschnitt; nach ein paar Berührungsängsten habe ich mich im dritten Versich mit dem etwas unkonventionellen Programm angefreundet. Mehr und mehr ist das sowieso nur noch Firefox als Webbrowser, in dem alles stattfindet (von Mail über Kalender bis zu Evernote für die Notizensammlung). Welches Betriebssystem der Rechner hat wird da nebensächlich.

Also, es braucht weder Microsoft noch Apple, damit ein Computer ordentlich funktioniert. Und man muss nicht einmal viel Geld ausgeben, um die nötige Software zu installieren.

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