andreas streim

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Twitter verstehen (Folge 23)

Manchmal schwemmt es komische Sachen in die eigene Timeline bei Twitter. Zum Beispiel solche automatisch erzeugten Tweets von irgendwelchen Tools:

Twittergejammere

I’ve been following you for a while but you don’t follow me back. (Found out with Tweepdash.com)

Ja, was soll man dazu sagen? Stimmt. Und das ist ungefähr so schlau wie morgens zum Zeitungskiosk zu gehen und dem Verkäufer dort mitzuteilen „Ich kaufe jetzt seit sechs Wochen jeden Tag diese Zeitung hier bei Ihnen, aber Sie sind noch nie zu mir gekommen und haben einen meiner selbstgeschriebenen und eigenverlegten Gedichtbände erstanden. Und auch niemand vom Verlag dieser Zeitung.“

Bei Twitter folgt man Leuten, weil man an deren Informationen – Tweets – interessiert ist. Ich folge dort Menschen, deren Positionen ich überhaupt nicht teile, aber über deren Neuigkeiten ich mich informieren möchte. Ein „Follow“ bei Twitter ist noch viel weniger als bei Facebook & Co. ein Hinweis, dass ich mit der Person irgendwie verbunden bin, wir auf eine Weise „befreundet“ sind oder ähnliches.

Deshalb ist es auch kein Zeichen von Unhöflichkeit, wenn ich nicht zurückfolge, sondern eine Frage der Timeline-Hygiene. Auf der anderen Seite ist diese Form von Twitter-Gejammere mit solch automatisierten Nachrichten eher nicht dazu geeignet, dass ich jetzt mehr Lust habe, dem Account zu folgen. Ich hoffe mal das Tool, das den Sinn von Twitter auch nicht wirklich verinnerlicht hat, ist zumindest so ordentlich programmiert, dass es jetzt nicht regelmäßig herumplärrt und mich anschreit.

In dem Fall gibt es noch eine andere Twitter-Funktion. Die nennt sich „Block“ und soll ein andermal erklärt werden.

Gestatten, tendenz. @astreim tendenz.

Heute war ich auf dem 9. Nationalen IT-Gipfel. Eine spannende Veranstaltung für alle, die sich für die Digitalisierung unserer Gesellschaft interessieren. Aber darum soll es hier nicht gehen, sowas steht zum Beispiel hier.

IT-Gipfel 2015

Während der Veranstaltung habe ich einen Tweet verfasst, der wohl mein bisher erfolgreichster gewesen ist:

Weiterlesen

Ihr ohne Twitter tut mir leid

Gestern war dieses Musikspektakel im Fernsehen. Eurovision Song Contest. Anscheinend war die Quote ja nicht so dolle, aber allein in Deutschland haben 8 Millionen Leute zugeschaut. Und die tun mir echt leid. Also die, die das geschaut haben, ohne nebenbei Twitter zu lesen.

Twitter führt ja hierzulande immer noch ein, für mich völlig unverständliches Nischnedasein. Wenn man sagt, man twittert oder liest auf Twitter erntet man allzu oft fragende Blicke oder hochgezogene Augenbraue. Facebook, ja. Xing oder LinkedIn, wenn’s sein muss. Aber Twitter? Kenn ich nicht. Bringt mir nix. Brauch ich nicht.

Dabei kann schon an normalen Tagen der morgendliche Blick über die inzwischen ja gut eingerichtete eigene Timeline die Durchsicht mehrerer Tageszeitungen und Newsletter ersetzen. Zumindest in bestimmten Themenbereichen weiß man danach, ob und wenn ja was los ist. Und nicht selten das, was übermorgen dann in der gedruckten Qualitätspresse als große Geschichte steht.

Aber an Abenden wie dem ESC frage ich mich nicht nur, warum man sowas anschaut, wenn man nicht gleichzeitig Twitter liest, ich frage mich vor allem, wie man das dann aushält. Twitter bringt es auf den Punkt, was der Moderator sich gar nicht mehr zu sagen traut. Twitter ist lustig. Und Twitter ist nicht zuletzt auch intelligent.

Nee, ganz ehrlich, wer das und die mindestens 397 weiteren lustigen und/oder geistreichen Bemerkungen nicht nenbei lesen konnte oder wollte, der tut mir leid.

Mein erstes Twitter Ad

Ich bin ja ein großer Anhänger der Theorie, dass man Dinge, die man beim ersten Durchlesen nicht versteht, doch einfach mal ausprobieren sollte. Genau aus dem Grund habe ich gestern Abend mal ein Twitter Ad geschaltet.

Vorab: Ich finde schon die Seite analytics.twitter.com grandios – so viele Insights zum „Erfolg“ des eigenen Twitters so schön aufgemacht, chapeau! Ein bisschen ernüchternd daran fand ich allerdings, dass von den 620 plus X Followern eigentlich immer nur so 40 bis 60 den eigenen Tweet überhaupt zu Gesicht bekommen. Klar, kein Wunder, durch die eigene Timeline scrollt so viel Inhalt am Tag und da kaum jemand 24 Stunden mitliest, rutscht einfach viel ungesehen durch. Noch ernüchternder war, dass die Interakationsrate immer so bei 1 Prozent liegt, d.h. praktisch niemand klickt Links an, liked einen Tweet oder Retweetet ihn.

Aber dem kann man jetzt, gegen Geld, ja zumindest ein bisschen mit Twitter Ads abhelfen. Ich habe dazu einen Tweet geschrieben, der auf eine aktuelle Presseinformation meines Arbeitgebers BITKOM verweist.

Und dann habe ich eine Ad-Kampagne gestartet, deren Ziel „Websiteklicks oder Conversions“ war. Angezeigt zu den Schlüsselwörtern Schule, Bildung und Jugend an Nutzer in Deutschland. Und dann habe ich die Kampagne für zwei Tage mit jeweils maximal 5 Euro Einsatz gestartet. Das Ergebnis? Der gesponserte Tweet hat 2.790 Impressionen erreicht und 333 (zu bezahlende Interaktionen) wie Anklicken der angehängten Grafik, Klick auf den Link zur Pressemitteilung oder favorisieren des Tweets oder Retweeten. Gleichzeit hat der Tweet über diese Interaktionen, also vermutlich die Retweets, auch als nicht-gesponsorter Tweet deutlich mehr Leser erreicht als das bei mir gemeinhin der Fall ist. Insgesamt 1.065 Impressionen und 69 Interaktionen für den Tweet sind die Folge – eine Interaktionsrate von 6,5 Prozent, die ebenfalls deutlich über meinen üblichen Werten liegt. twitterad_ergebnis Was aber mindestens ebenso interessant für mich ist: So eine Kampagne macht einfach Spaß. Die Einrichtung ist einfach und gut erklärt – und die Tools, um sich den Erfolg anzusehen, funktionieren einfach prima. Aber wahrscheinlich bin ich nur deshalb ein bisschen begeistert, weil ich Visualisierung von Daten grundsätzlich einfach klasse finde.

Wunschlos glücklich

Twitter hat es erkannt – ich bin wunschlos glücklich.

Twitter schlägt mir was vor

Bin ich wichtig?

Am Samstag hat mir Twitter eine Mail geschickt:

Twitter glaubt, dass Dein Account eventuell von einer Website oder einer Anwendung kompromittiert wurde, die nicht mit Twitter in Verbindung steht. Wir haben Dein Passwort zurückgesetzt, um andere daran zu hindern, auf Deinen Account zuzugreifen

Hintergrund ist, dass Hacker offenbar 250.000 Passwörter von Twitter entwendet haben. 250.000 sind bei mehr als 500 Millionen Nutzern weltweit eigentlich nicht allzu viel. Ich habe also mein Passwort geändert und mich gefreut, dass ich – wie man es immer empfiehlt – für jeden Online-Dienst ein eigenes Passwort nutze. Nix passiert.

Und jetzt lese ich:

According to an analysis by Amsterdam-based social analytics company PeerReach, the compromised accounts appear to have included influential journalists, government figures, and tech figures

Wow, gehöre ich dazu – oder bin ich nur zufällig in diese illustre Gesellschaft von @nytimes, @reuters, @cnn, and @foxnews geraten?

Dieses 140-Zeichen-Ding

Weil es gerade so gut zu meinem Text „Liebe Zeitung, so wird das nichts“ passt, hier eine hübsche, wenn auch etwas ältere Studie zu Twitter.

Und, ja, Eilmeldungen erklären nicht die Hintergründe der Finanzkrise. Aber sie erzählen uns vielleicht, dass Bank XY gerade pleite ist. Und das ist ja auch was.

Liebe Zeitung, so wird das nichts

Die Zeitungen in Deutschland buhlen um Leser. Angesichts sinkender Auflagen sicher keine schlechte Idee. Aktuell werden aus diesem Grund Image-Anzeigen geschaltet unter dem Motto „Die Zeitungen. Eine schlauere Welt ist machbar“.

Erstmal eine gute Idee. Ich bin da sicher nicht neutral, schließlich arbeite ich für eine Tageszeitung, aber ich glaube wirklich daran, dass die tägliche Lektüre einer Tageszeitung die meisten Menschen schlauer macht bzw. machen würde. Und die – mich – leicht nervende werbige Sprache des Textes: geschenkt. Es ist eben Werbung, gemacht von einer Werbeagentur.

Schön finde ich auch, dass man sich nicht allein auf das gedruckte Wort beschränkt hat, sondern gleich im ersten Satz ePaper und iPad-Apps mit ins Boot holt. Der leichte Nervfaktor, dass zwar die meisten Verlage auch Apps für Android, mein bevorzugtes System, im Angebot haben, Werber aber offenbar nichts jenseits des Apple-Horizontes kennen, soll mal außen vor bleiben.

Richtig dämlich Wenig zielführend finde ich dann aber den Ansatz, die eigene Qualität gleich mal wieder gegen das böse, dumme, schlechte Internet abzugrenzen.

Weil die Zeitung glaubt, dass uns eine 140 Zeichen lange Twitter-Meldung nicht die Ursachen der Finanzkrise erklären kann.

Jaja, diese doofe, kurzatmige, oberflächliche Twitter. Hat von den Anzeigenmachern und -abnehmern schon mal jemand da reingeschaut? Praktisch jede Zeitungsredaktion hierzulande twittert doch selbst. Wieso eigentlich? Und wenn man mal so ein bisschen auf Twitter schaut, dann wird einem auffallen, dass da ganz, ganz oft Links getwittert werden. Wenn man da draufklickt, landet man bei großen Fotos oder langen Texten. Viel länger als 140 Zeichen.

Wie man so eine herablassende Art gegenüber dem Medium, das durch die Umbrüche in den arabischen Ländern im vergangenen Jahr wirklich im Mainstream angekommen ist, hervorbringen kann, erschließt sich mir nicht.

Vor allem ist das Argument gefährlich. Denn man könnte auch fragen, ob ein 100-Zeilen-Tageszeitungs-Artikel denn diese Anforderung, „die Ursachen der Finanzkrise“ zu erklären, erfüllen kann. Ich behaupte mal: Nein. Und ein 25-Zeilen-Kommentar durchdringt das Thema in all seinen Facetten? Kaum.

Aber ein guter Artikel kann aufzeigen, wo die Finanzkrise auf die Menschen in der Region durchschlägt. Und ein kluger Kommentar kann sich ein Detail herausgreifen und einordnen. So wie ein Tweet ein O-Ton vom Ort des Geschehens sein kann oder der Link auf einen spannenden Artikel in einer US-Regionalzeitung, auf den man sonst nie, nie, nie gestoßen wäre.

Ich mag Zeitungen. Ob sie gedruckt sind oder digital erscheinen. Ich halte Journalismus für ungemein wichtig, egal welchen Verbreitungskanal er für seine Geschichten und Rechercheergebnisse wählt. Und deshalb mag ich es nicht, wenn „die Zeitungen“ ihre Bedeutung dadurch erklären, dass sie sich vom dummen, bösen Internet abgrenzen. Liebe Zeitung, ich befürchte, so wird das nichts mit der Zukunft. Ich persönlich finde im Netz – und auch bei Twitter – viel mehr als nur „wer, wie, was?“, sondern eine Menge „wieso, weshalb, warum“? Und es gibt genügend gedruckte Texte, die bei „wer, wie, was?“ stehenbleiben.

P.S.

Nur mal als ein Beispiel, was dieses Twitter so kann, liebe Zeitung: Ein Jahresrückblick mit ganz vielen 140-Zeichen-Meldungen.

Wenn Journalisten Python statt Artikel schreiben

Ich bin seit zwölf Jahren hauptberuflich Journalist, fast ausschließlich bei einer Tageszeitung in der Print-Redaktion. Seit geschätzten 25 Jahren bin ich aber auch Hobby-Programmierer. Basic, Pascal, C, Java, Python – was sich eben gerade eignet oder es zur jeweiligen Zeit auf dem jeweiligen System überhaupt gab. Und seit inzwischen auch einigen Jahren blogge ich, twittere ich, treibe ich mich an den digitalen Orten rum, die heute unter „Social Media“ zusammengefasst werden.

Insofern verwundert es kaum, dass ich mit großem Interesse verfolge, was der „Guardian“ so treibt. Wie Printprodukt und digitale Welt verwoben werden, wie im Netz experimentiert wird – mit offenen Schnittstellen zu den eigenen Artikeln, Datenvisualisierung oder zuletzt mit dem @GuardianTagBot auf Twitter.

Der @GuardianTagBot beantwortet an ihn gerichete Fragen mit Artikeln aus dem Online-Angebot des „Guardian“. Wenn man also twittert „@GuardianTagBot How is the situation in Bangkok“ dann bekommt man per Twitter eine Antwort, die einen Link auf eine Seite enthält, auf der der TagBot relevante Suchergebnisse zusammengefasst hat. (Das @GuardianTagBot in der eigenen Nachricht ist nötig, damit sich der kleine digitale Helfer überhaupt angesprochen fühlt.)

Im Prinzip nutzt der TagBot nur die Suchfunktion auf der „Guardian“-Seite und die interne Verschlagwortung der Texte. Und er versucht aus umganssprachlich gestellten Fragen die relevanten Suchbegriffe herauszufiltern.

Einem Journalisten mit ein paar Programmierkenntnissen stellt sich da die Frage: Kann man das nicht auch machen?

Man kann. Der @brandenbot beantwortet deutschsprachige Fragen, vorzugsweise mit Bezug zum Bundesland Brandenburg, unter Rückgriff auf die Online-Ausgabe der größten Brandenburger Tageszeitung, der „Märkischen Allgemeinen“ (die nicht zufällig mein Arbeitgeber ist, aber der @brandenbot ist dennoch ein reines Freizeit-Projekt).

Hinter dem @brandenbot verbirgt sich ein kleines Pyhton-Skript von etwa 200 Zeilen, das eigentlich nur folgendes tut:

  • auf Twitter horchen, ob eine Frage an ihn gestellt wird
  • aus der Frage die relevanten Suchworte identifizieren
  • eine Suchabfrage starten und die komplette Rückmelde-Seite auslesen
  • den Seiteninhalt auswerten, bestimmte Suchergebnisse (wie dpa-Tagesvorschauen) verwerfen, doppelte Einträge ausfiltern und das Ergebnis neu zusammensetzen
  • weil pro Seite nur 20 Ergebnisse ausgegeben werden, gleich noch – sofern vorhanden – die zweite Ergebnisseite auswerten
  • eine neue HTML-Seite in einer für Mobilgeräte lesbaren Form erzeugen, die neben kurzen Anrissen den Link auf den Volltext bei der „Märkischen Allgemeinen“ enthält, und auf einen Server hochladen
  • per Twitter den Fragesteller über den Link zur Ergebnisseite informieren

Nach ca. einem Tag Arbeit kann der @brandenbot Fragen beantworten wie

@brandenbot Wann ist Richfest im Potsdamer Landtag?

@brandenbot Wie haben FC Bayern München und Nürnberg gespielt?

oder

@brandenbot Gibt es Wölfe in Brandenburg?

Die ersten Ergebnisse sind in diesen Beispielen bereits aussagekräftig. Da der @brandenbot nicht auf Schlagworte o.ä. zurückgreifen kann, sondern sich auf eine Volltextsuche stützt, wird bei einer Frage nach „Merkel“ auch ein Text weit oben angezeigt, der einen Fußballschiedsrichter namens „Merkel“ enthält, neben sehr vielen Treffern zur Bundeskanzlerin.

Man muss den @brandenbot übrigens nicht mit vollständigen Sätzen füttern. Gerne beantwortet er auch klassische Suchanfragen wie „@brandenbot Dienstwagen Brandenburg Platzeck“.

Probieren Sie den @brandenbot doch einfach mal aus und stellen Sie ihm eine Frage (und schreiben Sie mir Ihre Meinung in die Kommentare hier) – aber vergessen Sie nicht, dass es sich nur um eine Spielerei handelt um zu zeigen, mit wie wenig Aufwand solche Aufgaben eigentlich zu lösen sind.

Update 4.11.2011:

Der @brandenbot beantwortet jetzt auch Mails, die an brandenbot [ät] streim.de gerichtet sind. Die Frage muss in der Betreffzeile stehen, zum Beispiel „Was ist mit dem Referendum in Griechenland?“. Der Text der Mail kann leer sein, er wird ignoriert.

Der @brandenbot schickt dann an binnen 3 bis 5 Minuten eine Antwort an die Email-Adresse, von der die Frage kommt.

Mein Rat: Benutzt Twitter

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