andreas streim

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Schlagwort: Bahn

Time to say goodbye, Jim Knopf

„Papa, was ist ein Lokomotivführer?“ „Äh, also das ist, naja, früher, da musste noch ein Mensch vorne in der Lok stehen und Knöpfe drücken…“

Wieder ein Kindheits-Traumberuf weniger. Und die Augsburger Puppenkiste mit Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer wird dann auch nur noch mit elterlichen Erklärungen verstanden. Noch ist es nicht so weit, aber eigentlich steht ja fest, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis auch der Beruf ausstirbt.

Die GDL mit ihren Dauer-Streiks dürfte das Innovationstempo beim Thema selbstfahrende Züge dabei höchstens noch etwas beschleunigt haben. Aber wenn es uns inzwischen sogar gelingt, selbstfahrende Autos auf die deutlich komplexeren Straßen mit ihrem viel schlechter vorherzusagenden Verkehrssituationen loszulassen, dann ist das mit den Automatik-Zügen wirklich nur eine Frage der Zeit.

Jeder zweite Deutsche kann sich dabei übrigens heute schon vorstellen, in einem vom Computer gelenkten Zug einzusteigen, wie eine repräsentative Umfrage des Digitalverbands BITKOM gerade gezeigt hat. Nur am Rande: Ein Hauptgrund für diese Offenheit ist die ausgeprägte Streik-Unlust der Digitaltechnik. Aber auch die Hoffnung auf sichereren Verkehr und höhere Pünktlichkeit spielen eine Rolle.

Auf der anderen Seite: Ritter gibt es ja auch nicht mehr, Prinzessinnen nur sehr selten (und die, die eine sind, finden das oft gar nicht so toll) und Astronaut wird auch nur eine allerkleinste Minderheit. So it’s time to say goodbye, Jim Knopf. Mit ein bisschen Glück schaffst Du es noch bis zur Rente. Und dann übernimmt die Digitaltechnik.

Ach, Bochum. Ach, Bahn.

Bochum ist keine Weltstadt. Nicht London, nicht Paris – und sicherlich auch nicht Berlin. Auch wenn es mit Sicherheit das beste Lied über die Stadt gibt. Aber man muss sagen, am Bochumer Hauptbahnhof fahren schon eine ganze Menge Züge. Ja, liebe Deutsche Bahn, da ist echt was los.

Was natürlich schön ist. Weil die Leute gut nach Bochum kommen – und auch wieder weg. Weil das der Bahn Geld in die Kasse spült. Und überhaupt, weil Mobilität auf Schienen ja ganz prima ist.

Nur leider hat das mit den vielen Zügen niemand bei der Bahnhofsgestaltung gewusst. Oder er hat es kurzfristig wieder vergessen. Und deshalb hängt in der – lächerlich kleinen, ziemlich ungemütlichen – Bahnhofshalle genau eine Anzeigentafel. Auf der Platz ist für gerade mal neun Züge. Neun.

Bochum Hbf

Wer also um 14.35 Uhr mit seinem Zug von Bochum nach Berlin fahren will und mal nachschauen möchte, auf welchem Gleis der Zug fährt und wie das denn heute womöglich mit Verspätung ist, der erfährt darüber noch um 14.20 Uhr… nix. Nada. Niente.

Er bekommt Reisehinweise für den Weg in die Welstadt Wanne-Eickel. Aber eben nicht nach Berlin.

Also, liebe Bahn, reißt ein bisschen was von der hässlichen Werbung an der Wand runter und hängt einfach noch eine zweite Anzeigentafel daneben. Schwupps, schon gibt’s Infos zu 18 Zügen (habe ich euch mal schnell vorgerechnet). Oder macht’s wie an Flughäfen und hängt zusätzlich zur Anzeigentafel einfach ein paar Monitore in die Gänge, auf die passen dann locker 15 oder 20 Abfahrten.

Und wenn ihr schon dabei seid: Bitte überlegt euch doch mal, wie man Lautsprecherdurchsagen über das ganze Gleis hörbar macht. Und warum man auf den Gleisen in Bochum im Abschnitt E gar keine Chance hat, die Anzeigentafel für das Gleis zu sehen.

Und ganz grundsätzlich: Sorgt doch mal dafür, dass man die Wagennummern auf den ICEs richtig groß sehen kann, auch bei Sonnenlicht. Kommt in West- und Mitteleuropa halt ab und an mal vor.

Das alles kann doch nicht so schwer sein, im 21. Jahrhundert. Und wenn ihr’s nicht hinbekommt, fragt doch mal bei Firmen nach, die sich mit sowas auskennen. Die gibt es ganz bestimmt.

Nie mehr Automaten, nie mehr Kleingeld

Seit gestern bin ich Touch&Travel-Nutzer. Und ich muss sagen, ich bin ziemlich begeistert. Ich nutze ja seit Jahren Smartphones und „Apps“, lange bevor Apple den Begriff in den allgemeinen Sprachgebrauch überführt hat. Aber endlich scheint die Zeit gekommen, dass die Software wirklich tut, was man von ihr erwartet – und das alltägliche Leben erleichtert.

Touch&Travel ist im Prinzip nichts anderes als der Fahrausweis für Tram, Bus, S-Bahn und Bahn auf dem Handy. Statt Kleingeld aus der Geldbörse zu fingern (das nie da ist, wenn man es braucht), sich am Automaten anzustellen (der immer von touristischen Reisegruppen belagert wird) und genau dann dran zu sein, wenn die S-Bahn schon in den Bahnhof rollt, kauft man sein Ticket bequem am eigenen Handy.

Beim Einsteigen wählt man die Haltestelle, die per GPS schon ziemlich genau vorgeschlagen wird. Und wenn man aussteigt, meldet man sich ab – das Programm berechnet dann den Fahrpreis. Fährt man mehrfach am Tag, so erkennt die Software, wenn ein Tagesticket günstiger wäre und kauft das – sozusagen rückwirkend. Eine feine Sache für Gelegenheitsfahrer und Monatskarten-Nichtbesitzer.

Ein bisschen verwirrend ist die Frage nach dem Geltungsbereich in Berlin. Während es auf der Website ausdrücklich heißt, es sei nur der Tarifbereich AB abgedeckt – was Potsdam (liegt im Bereich C) ausschließen würde – ist bei Ansicht des Streckennetzes die Brandenburger Landeshauptstadt mit dabei:

Allerdings wird sie hier in den Tarifbereich B verlegt.

Was tun? Einfach ausprobieren. Das Ergebnis ist nach dem Abmelden am S-Bahnhof Babelsberg der Hinweis, der Fahrpreis könne kurzfristig nicht berechnet werden. Das lässt Schlimmes befürchten – doch am Ende wird für die Fahrt vom S-Bahnhof Bornholmer Stra0e 3 Euro abgebucht, der Preis einer normalen ABC-Fahrkarte.

Bei der Rückfahrt melde ich mich am Bahnhof Zoo an und an der Tramhaltestelle Björnsonstraße wieder ab und es wird sofort der reguläre AB-Preis von 2,30 Euro angezeigt.

Gleich bei meinem ersten Test bin ich übrigens kontrolliert worden, in der U-Bahn. Erstmal Schrecksekunde, denn als ich die App öffnen wollte gab es natürlich keinen Netzempfang und für lange, lange Sekunden dreht sich nur der „Bitte Warten“-Kreis auf dem Display des Handys. Dann der Hinweis: „Kein Netz“. Aber den Button „Kontrolle“ kann man dennoch wählen – und es wird ein neckischer QR-Code angezeigt, den der Kontrolleur dann wohl irgendwie einlesen muss. Müsste. Denn in meiner U-Bahn schaute er nur kurz und leicht irritiert auf das Handy und winkte dann lächelnd ab. Auch gut.

Was aber definitiv für die App noch fehlt: Die Möglichkeit, mehr als ein Ticket zu kaufen. Wenn wir zu zweit fahren, dann würde ich gerne einfach beide Tickets über die Touch&Travel-App kaufen, nicht nur meins. Denn so muss man ja doch wieder am Automaten anstehen, Kleingeld suchen…

Ich fühl‘ mich so mobil

Ich habe schon Apps auf meinen PDA und mein Handy geladen, als man bei Apple – sofern man überhaupt wusste, was das sein soll – allenfalls an Mac dachte. An schicke PCs halt, nicht mehr. iPhone? Gab’s nicht. Damals waren die Dinger von Palm oder Sony Ericsson. Und ich habe viel Geld in die Geräte investiert. Und viel Spaß damit gehabt.

Aber ehrlich gesagt: Dass das Zeug massenkompatibel sein soll, das konnte ich mir nicht vorstellen. Viel zu frickelig. Im Internet surfen ging, ja (laaaangsam!). Aber der Bildschirm war so klein, dass es eher eine Demonstration war, was technisch möglich ist, und weniger realen Nutzen hatte.

Inzwischen bin ich mir sicher, dass diese ganzen Studien, dass die mobile Web- und Appnutzung das stationäre Internet via PC abhängen wird, recht behalten werden. Wenn wir uns heute Gedanken darüber machen, einen Internetauftritt zu modernisieren, dann klingt das irgendwie sehr nach 90er Jahre. Mobil, das ist einfach geworden, praktisch und bequem.

Zum Beispiel ein Bahnticket via Handy kaufen. Habe ich vor ein paar Monaten zum ersten Mal gemacht. Am Münchener Flughafen habe ich auch nach der dritten Runde die Fahrkartenautomaten des Schienenunternehmens nicht gefunden. Kann gar nicht sein, ich weiß, aber ich schaffe das. Ich muss mich dazu nicht mal anstrengen. Aber ich wusste, dass die S-Bahn gleich losfährt und ich sonst meinen Anschlusszug nach Prien verpassen würde. Also bin ich ans Gleis runter und habe dort, in den wenigen Minuten bis die S-Bahn losging, via Bahn-App auf meinem Android-Handy das Ticket gekauft.

Ein paar Klicks, eine Pin. Fertig. Und die Schaffnerin konnte tatsächlich den komischen Barcode mit ihrem Gerät auslesen und feststellen: bezahlt. Technik die begeistert.

Oder die letzte Bastion der Totholz-Benutzer, der Internetausdrucker: der Brief. Spätestens gegen Ende Mai, wenn die Steuererklärung weggebracht werden muss, fehlt sie, die Briefmarke. Man muss an einer Postfiliale vorbei, mindestens den dort stehenden Briefmarkenautomaten füttern (der das Rückgeld penetrant in wertlosen 5-Cent-Marken gibt, die man danach eh wegschmeißt oder verliert, da müssten Verbraucherschützer mal aktiv werden) und dann das Kuvert frankieren und in den Postkasten werfen. Anders geht’s nicht.

Dachte ich. Denn die Deutsche Post ist innovativer als ich dachte. Man kann Briefmarken im Internet kaufen, per Paypal(!) bezahlen, ausdrucken und aufkleben. Fertig.

Aber es geht noch besser. Mobil. Mit einer App fürs Handy. Damit kann man (zu Apothekenpreisen, zugegeben, aber dafür immer und überall) einen Brief frankieren, indem man das Porto per SMS kauft und per Hand einen Code auf den Umschlag schreibt. Nie wieder Automaten- oder Filialzwang! Und man kann in der App sogar den nächsten Briefkasten suchen und die Leerungszeiten anzeigen lassen.

Und jetzt die Sparkassen. Die wollen an ihre Kunden künftig EC-Karten mit einem Funkchip (NFC-Chip) ausgeben, der berührungsloses Bezahlen ermöglicht. Das klingt innovativ, ist es aber nicht wirklich. Eher ist es der – am Ende womöglich hilflose – Versuch, Google auf Distanz zu halten. Denn Google startet in den USA gerade den Dienst Wallet, durch den das Handy künftig Brieftasche mit EC- und Kreditkarte ersetzen könnte. Im Handy dazu nötig: ein NFC-Chip.

Meine Einschätzung: In zehn Jahren werden wir ganz normal mit dem Handy an der Kasse bezahlen – und uns nur noch vage an Plastikkarten erinnern. So wie meine Erinnerung an Briefmarkenbögen langsam verblasst. Und wann ich zum letzten Mal am Schalter ein Bahnticket gekauft habe, das auf diesem Kartonzeugs ausgedruckt worden ist.

Ich arbeite in einer Branche, die bei diesen Veränderungen auch eher staunend zuschaut. Tageszeitungen werden – allen technischen Weiterentwicklungen zum Trotz – ähnlich produziert und ausgeliefert wie vor einigen Jahrzehnten. Und es gibt nicht wenige Kollegen die meinen, es werde das gedurckte Nachrichtenangebot immer geben, die Dot-Com-Euphorie sei ja schließlich auch vergangen. Ich denke, eigentlich müsste man sich weniger Gedanken darüber machen, wie die Leute heute anders als auf Papier ihre Zeitung lesen wollen/können, sondern wo sie in fünf oder zehn Jahren stehen werden. Und in diese Richtung müsste der schwerfällige Tanker „Medien“ dann steuern. Sonst hetzt er im Zickzackkurs immer nur den schnittigen und schnellen Entwicklungen hinterher.

Die Bahn twittert – mir

Ok, das ganze Netz ist voll davon, dass die Deutsche Bahn AG künftig ihren Kunden über Twitter helfen will.

Und wenig überraschend, gibt es auch schon vor dem Start jede Menge Häme.

Ich hatte auch eine Frage, wirklich gerade aufgekommen, aber auch so als Test. Und nach knapp 45 Minuten eine Antwort. Wenn auch keine, wie erhofft, doch zumindest eine klare Aussage. Das hätte ich nicht erwartet.

Und deshalb von mir erstmal Daumen hoch für das Bahn-Projekt. Aber spätestens im anstehenden Klimaanlagenausfall-Sommer dürfte @db_bahn arg ins Schwitzen kommen, befürchte ich.

Die Deppen von der Bahn

Bahnchef Rüdiger Grube hat heute mal einen ICE von Deutschland nach London geschickt, um den Briten zu zeigen, zu was deutsche Bahningenieure fähig sind. Bei solchen Meldungen würde ich mir wünschen, dass der oberste Bahner mal sein Unternehmen unter Normalbedingungen in Augenschein nehmen würde. Zum Beispiel als Reisender mit einem Kleinkind.

Und dann auch nicht im ICE, der – in der Regel – über ein wirklich hübsches Kleinkindabteil verfügt, das diesen Namen verdient. Da ist ein Klettergerüst integriert worden und wirklich etwas Platz, damit die Kleinen rumlaufen können. Was ja irgendwie auch dem Nervenkostüm der kinderlosen Bahnfahrer zugute kommt.

Wehe aber, man fährt mit dem IC. Dort gibt es laut Buchungssystem der Deutschen Bahn auch ein Kleinkindabteil. Auf der Fahrt von Berlin nach Bochum entpuppt sich dieses jedoch als ganz normales Sechser-Abteil, wie alle daneben auf. Auf der Rückfahrt sind zumindest zwei Sitze durch Klappsitze ersetzt worden, so dass etwas mehr Platz entsteht. Wobei das für den Bewegungsdrang eines 14 Monate alten Kindes auch nicht wirklich ausreicht.

So löblich also erstmal, dass es Kleinkindabteile gibt, so schlecht die Ausführung. Und nachgedacht haben die Deppen die Ingenieure der Bahn dann offenbar auch nicht weiter. Jeder normal denkende Mensch würde sich zum Beispiel die Frage stellen, wo denn die zwei bis drei Kleinkinder, die in so einem Abteil sitzen, ihre Kinderwägen abstellen sollen. Die Bahn hat exakt einen Abstellplatz vorgesehen. Ein zweiter Wagen sorgt dafür, dass Reisende mit größeren Koffern den Gang nicht mehr passieren können. Der dritte Wagen…?

„Da denkt keiner nach“, räumt sogar die Schaffnerin auf Nachfrage ein – und ist selbst sichtlich unglücklich mit der Situation.

Das Nicht-Nachdenken geht aber noch weiter. Jetzt könnte man ja glauben, dass zumindest das WC um die Ecke eine Wickelmöglichkeit bietet. Doch abgesehen davon, dass es auf beiden Strecken „defekt“ war, laut Auskunft der Zugbegleiter gibt es keine Wickelmöglichkeit im IC. Im Bistrowagen gebe es ein Behinderten-WC, das größer sei, da könne man vielleicht auf dem Boden wickeln, so eine Idee. Dieses hygienische Himmelfahrtskommando wird aber schon dadurch ausgeschlossen, dass auf beiden Fahrten der Bistro-Wagen „aus technischen Gründen“ leider entfallen muss.

Mein Vorschlag zur Güte: Grube und die verantwortlichen Bahn-Planer fahren mit dem IC von Hamburg nach Oberammergau und zurück – und gehen dann an die Umstrukturierung der Züge. Aufklappbare Wickelbretter sollten sich ja mit deutscher ICE-Baumeisterkunst in eine Toilette anbringen lassen und neben dem Kleinkindanbteil wird sich doch die ohnehin immer defekte Toilette rausschlagen lassen und so Abstellfläche für Kinderwagen schaffen.

© 2018 andreas streim

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