Alarmstufe Rot für das Internet

Wer sich ein bisschen für Digitalthemen interessiert, die oder der hat in dieser Woche eine ganze Menge gelernt darüber, was Logfiles sind. Und wie sie angelegt werden. Oder besser nicht. Und dass in ganz, ganz vielen Anwendungen auch von riesigen Tech-Konzernen im Vergleich winzig kleine Softwarepakete benutzt werden, die von unbezahlten freiwilligen Programmiererinnen und Programmieren entwickelt werden. Oder: Ein Fehler in einer den meisten Menschen unbekannten Software Log4j hat dazu geführt, dass ein Drittel aller Webserver weltweit angreifbar sind.

226 mal Digital

Da ist sie also, die Ampel-Koalition. Und der neue Koalitionsvertrag. Gleich mal nachschauen, was da zum Thema “Digital” drinsteht. Die Suchfunktion meckert, der Begriff werde 226 mal gefunden und ich möge meine Suche doch bitte eingrenzen. Das kann man ja vielleicht schon mal als gutes Zeichen verbuchen - an der Quantität mangelt es nicht. Auf der anderen Seite wurde das Digital-Thema bei der mit viel Pathos zelebrierten Vorstellung des Koalitionsvertrags am Mittwoch-Nachmittag praktisch komplett ausgespart.

Karriere als Influencer-Manager

Ich weiß nicht, wie oft ich mich an dieser Stelle noch melden kann, oder ob mich meine neue Karriere als Influencer-Manager bald so einspannt, dass ich für diesen kleinen Newsletter keine Zeit mehr finde. Oder anders: Wie Kinder früher alles ausprobieren wollten, was sie woanders sehen, wollen sie das heute auch noch. Und jetzt sehen sie halt YouTuber, die maximal erfolgreich andere an ihren Minecraft-Spielen teilhaben lassen. Und wollen das auch mal machen.

Lieferdatum unbestimmt

Man liest ja überall von diesen Lieferkettenproblemen - und vergisst es dann wieder, bis es einen selbst betrifft. Als am Morgen der Multifunktionsdrucker nicht druckt, sondern im Display ein “Druckkopf nicht erkannt oder defekt” anzeigt. Nachdem die ersten 25 Google-Treffer mit Abhilfe-Tipps ergebnislos geblieben sind, bleibt nur eins: die Suche nach einem passenden Ersatzteil. Das gibt es für den acht Jahre alte Drucker auch. Kostenpunkt 199 Euro. Also so knapp die Hälfte des Neupreises und wahrscheinlich das x-fache des Zeitwerts (beim Auto würde man sagen: wirtschaftlicher Totalschaden).

Digital Nägel in die Wand schlagen

Ich habe schon ein paar mal erwähnt, dass ich der Meinung bin, jede/r sollte programmieren können. Zumindest so ein bisschen. So wie man vielleicht keinen Tisch schreinern kann, aber doch einen Nagel in die Wand hämmern, ohne einen Handwerker zu rufen. Und warum? Weil man damit einfach das eine oder andere Alltagsproblem lösen kann. Nehmen wir mal an, da gibt es einen Digitaltag mit rund 1.400 Veranstaltungen. Und am Ende stellt man sich die Frage: Wie wie viele Stunden Programm waren das jetzt eigentlich?

Die Kakerlake unter den Gesetzen

Videokonferenzen haben ja lange Zeit ein Schattendasein geführt. Galten irgendwie ein bisschen nerdig. Haben eh nie richtig funktioniert. Und überhaupt: Wofür braucht man die denn, entweder schnell per Telefon oder doch Face-to-Face treffen. Durch das erzwungene “social distancing” konnten sie jetzt in einer ziemlichen Breite belegen, dass sie a) doch leidlich funktionieren, b) man viel besser miteinander sprechen kann, als nur am Telefon und c) das eigentlich auch eine gute Sache sein kann, wenn der Corona-Spuk irgendwann mal wieder vorbei ist.

Ups, they did it again

Ich veröffentliche ja wöchentlich einen Newsletter zu Digitalthemen, den ich auch mit ein paar Worten einleite. Das sind die von heute: Ich hatte eigentlich gedacht, ich schreibe als Einleitung für diese Ausgabe von “Undisruptable Technology” eine launige Erfahrung mit dem doch sehr speziellen Support von PayPal aus dieser Woche auf. Passt ja gut zum Thema. Und dann kam der Mittwoch dieser Woche, an dem sich kurz nachdem die ganze Welt betroffen der Befreiung des KZ Auschwitz vor 75 Jahren gedacht hat, erstmals seit 1945 wieder demokratische Parteien mit Faschisten zusammengetan haben, um den Regierungschef eines Bundeslandes zu stellen.

Wer Weiterleiten! schreit wird nicht weitergeleitet

Unser Sohn hat seit Weihnachten ein Smartphone. Ich kann jetzt sagen, die Inkubationszeit bis zur ersten WhatsApp-Gruppe mit Freunden liegt bei knapp vier Wochen. Und dann noch ein paar Tage, bis er beim Abendessen erzählt, dass dieser Coronavirus ja total gefährlich sei. Ein Kumpel habe in der Gruppe ein Video gepostet, in dem ein Mann erklärt, wie tödlich das Ding ist, dass uns Politik und Medien nicht die Wahrheit sagen und jeder das Video unbedingt sofort weiterleiten soll.

Wenn das PDF von Hand gescribbelt wird

Am Samstag gehe ich ins Fußballstadion. Nicht in Berlin, sondern zu Berlin, in Wolfsburg. Und was hat das mit Digitalisierung zu tun? Ich habe natürlich online Tickets gekauft. Erster Aha-Effekt: Nachdem man sich durch alles durchgeklickt hat, gibt es die einzige Versandoption per Post. Das ist a) teuer und b) drei Tage vor dem Event doch ein bisschen risikobehaftet. Und kann das sein? Keine elektronischen Tickets im Jahr 2020? Des Rätsels Lösung: Man bekommt E-Tickets nur angeboten, wenn man sich als Kunde registriert.

Wer schützt die Taxis vor der Innovation?

Es gibt Worte, die klingen einfach schon so wunderbar deutsch und analog. Zum Beispiel “Personenbeförderungsgesetz” und “Rückkehrpflicht”. Die regelt, dass Autos, die über Fahrdienste wie Uber oder Free Now gebucht werden, nach jeder Fahrt leer zum Betriebssitz zurückfahren müssen, wenn sie keinen direkten Folgeauftrag haben oder auf der Rückfahrt bekommen. Sie dürfen also nicht einfach an der nächsten Kreuzung warten, bis eine Anfrage reinkommt, das ist den Taxis vorbehalten. Und so hat auch das Taxigewerbe das Alleinstellungsmerkmal, die Rückkehrpflicht super zu finden und beibehalten zu wollen.
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