andreas streim

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Schlagwort: Fußball

Turniermannschaft

Was ich eigentlich noch vom Wochenende schreiben wollte:

Fußball ist ja schon ein komischer Sport. Man kann mit zwei Siegen und drei Niederlagen in einem Turnier von acht Mannschaften Zweiter werden.

Oder: Wenn Kinder schon so spielen wie die deutsche Nationalmannschaft in den 1990er Jahren.

Und plötzlich Soccer-Dad

Den Stürmer auf dem Weg Richtung Tor sehen, die Luft anhalten und hoffen, dass er schießt. Jetzt. Jetzt endlich. Sehen, wie der Ball sich ins linke Ecke senkt, während der Torhüter hilflos mit den Armen fuchtelt und dann der erlösende Ruf: Tooor. Das Gefühl kennt wohl jeder, der sich für Fußball interessiert. Eine ganz neue Dimension bekommt das Spiel, wenn der Stürmer auf dem Platz der eigene Sohn ist, der erst ein paar Monate vorher den entschiedenen Wunsch geäußert hat: „Ich will im Fußballverein spielen.“

Gut, die Nachmittage in der Kita waren zuletzt auch vor allem für das Kicken mit den Kita-Kumpels reserviert gewesen. Und warum eigentlich nicht Fußball? Mannschaftssport, draußen, man muss neben Fußballschuhen und Schienbeinschonern nichts in Ausrüstung investieren und so übermäßig sportlich ist Sohnemann ja auch nicht, kann doch nichts schaden. Die erste Hürde ist, einen Verein zu finden. „Für die Altersgruppe gibt es eine Warteliste. Vielleicht in einem Jahr.“ So eine Antwort hilft einem fußballbegeisterten 5-Jährigen nicht weiter. Also die Suche im Umkreis ausweiten – und in Weißensee ist es entspannter als in Pankow. Das erste Probetraining – und danach die unerwartete Erkenntnis beim freundlichen Abschied: Training ist dann Dienstag und Donnerstag um 17.30 Uhr. Wie, zwei mal die Woche? Ja, klar. Und samstags sind Punktspiele. Oder ein Hallenturnier. Oder… Zu spät für einen Rückzieher bei den leuchtenden Augen des Nachwuchs. Das lässt sich bestimmt irgendwie einrichten. Und von den 20 trainierenden Kindern werden ja auch nur 10 zu den Spielen mitgenommen, und da gehört der eigene Sohn zu Beginn natürlich noch nicht dazu.

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Nikolaus 2015

Nicht ganz so besinnlich, aber mindestens so erwartungsfroh entgegengefiebert wie dem gefüllten Stiefel am Morgen wurde an diesem Nikolaus:

Medaille vom Nikolausturnier 2015 SV Blau-Gelb Berlin

Aber damit niemand denkt, bei uns geht es nicht besinnlich zu. Die Kinder haben schon mal den Baum geschmückt. In Ermangelung einer Tanne haben sie halt genommen, was da ist, Stilrichtung karibische Weihnacht.

Geschmückter Baum "Karibische Weihnachten"

Dann lesen Sie doch unseren Liveticker…

Das Internet spielt eine immer größere Rolle in unserem Leben. Also nicht nur weil man dank der dauernden Vernetzung in dienstlichen Meetings auch mal private Sachen online shoppen kann oder so, sondern auch weil alles künftig mit allem kommuniziert – bzw. kommunizieren kann. Das Auto vor der Tür mit der Smartphone-App, die Kaffeemaschine mit dem Wecker, die Fabrik mit der Zulieferer-Maschine usw. usf. Dazu kommt, dass wir an fast jedem Ort der Welt sofort ein neues Buch (elektronisch) kaufen und lesen können. Und Fernsehen kommt nicht mehr über Antenne oder Satellit, sondern aus der selben Dose wie das Internet. Also zumindest in anderen Ländern, in den USA etwa wird der Streaming-Dienst Netflix zu Spitzenzeiten inzwischen für 37% des Internet-Traffics verantwortlich gemacht.

In Deutschland sieht es dagegen aus, dass wir mit dieser Zukunft an verschiedenen Stellen ziemliche Probleme haben. Und nicht mal das mit dem Fernsehen übers Netz klappt so richtig. Das ZDF zum Beispiel, dem ich quartalsweise GEZ-Gebühren (anteilig) in einer Höhe in den Rachen werfe, dass man davon locker auch ein paar Bezahldienste abonnieren könnte, hat sich zum Beispiel in den Kopf gesetzt, dass man zwar königliche Hochzeiten übertragen oder alte Serien auf einem seiner zahlreichen Spartensender zeigen kann, aber die Frauen-Fußball-WM, die bietet man komplett nur als Livestream im Internet an. Was ja schon schlimm ist, wenn dann nicht auch noch…

Klar, bei uns? Alles paletti. Muss an ihnen liegen. Erinnert mich an die Antwort von Programmierern auf Fehlertickets im Bugreport: Fehler abgelehnt, „bei mir läuft alles“. In der Regel sind das Firmen, die dann bald pleite sind. Aber, ups, hier isses ja das ZDF.

Aber immerhin, kurz danach, Einsicht:

Das mit diesem Internet ist ja auch komisch. Intern läuft es, aber die Zuschauer sehen nix? Wie soll das denn jemand vorher überprüfen, hmmm? Machen wir doch bei unseren „echten“ TV-Sendungen auch nicht, dass da irgendjemand vielleicht mal reinschaut, ob das Signal in der Welt genauso aussieht wie das Bild aus dem Studio. Äh, doch? Das wird so gemacht? Aber naja, gut, das ist ja auch Fernsehen und nicht dieses Internet. Und am Internet ist halt auch toll, dass man immer Alternativen hat:

Also ich finde das super. Man freut sich schon auf Einblendungen in der TV-Übertragung, wenn mal das Bild ausfällt: „Leider nix zu sehen, lesen Sie alles über das WM-Finale morgen (oder übermorgen) in ihrer Tageszeitung.“

Wir haben dann erstmal auf die Männer-Quali-Spiele bei RTL umgeschaltet, bis dann irgendwann der ZDF-Livestream lief. Mein Sohn, der leider noch nicht lesen kann, fand den Ticker eher weniger spannend. Aber er weiß jetzt zumindest, was das ZDF ist. Die, die kein Fußball zeigen können.

Und warum ich das eigentlich aufschreibe, denn so wichtig war die – übrigens spannende – Partie, die 2:0 für Kolumbien gegen Frankreich endete, ja auch nicht. Es zeigt eben doch, welche Rolle „das Internet“ in vielen Bereichen, Behörden, Unternehmen noch hat. Das sitzen ein paar Hanseln und machen den Kram, wird schon laufen, und wenn nicht… Fallback haben wir nicht, das lösen wir dann am lebenden Objekt. Zuschauer? Sind doch diese Internet-Schmarotzer, die schicken wir so lange auf unsere anderen Websites, gibt’s wenigstens da Traffic. Und für diese Haltung ist das ZDF mit dieser Frauen-Fußball-WM an diesem Abend ein perfektes Beispiel.

Während anderswo die Leute auf Netflix ihr Abendprogramm mit zwei Klicks auswählen und es per Internet gesendet wird, lesen wir in Deutschland Liveticker. Immerhin online. Wir sind also nicht komplett abgehängt, sondern nur so 5 bis 10 Jahre zurück. Ungefähr.

© 2018 andreas streim

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