andreas streim

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Schlagwort: Kinder

Turniermannschaft

Was ich eigentlich noch vom Wochenende schreiben wollte:

Fußball ist ja schon ein komischer Sport. Man kann mit zwei Siegen und drei Niederlagen in einem Turnier von acht Mannschaften Zweiter werden.

Oder: Wenn Kinder schon so spielen wie die deutsche Nationalmannschaft in den 1990er Jahren.

Hier spricht ihre Polizei

Ich finde es ja super, wenn sich die Polizei um einen kümmert. Zum Beispiel hingen vor einiger Zeit bei uns unten an der Haustür so Hinweiszettel, wie wir Dieben das Leben schwer machen können. Etwa indem wir die Tür abschließen oder auf verdächtige Personen achten. Aber, hey, das ist das Kerngeschäft der Polizei – Verbrechen verhindern und nicht nur immer hinterherlaufen und versuchen, wenn es schon zu spät ist alles noch aufzuklären.

Deshalb finde ich ja auch den Ansatz der Polizei aus Hagen sympathisch, die Leute mal davor zu warnen, blind & blöd Bilder ihrer Kinder ins Internet zu pusten:

Die Polizei warnt

Das Dumme ist nur, dass die uniformierten Damen und Herren offenbar mehr von unverschlossenen Türen verstehen als von diesem Internet.

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Und plötzlich Soccer-Dad

Den Stürmer auf dem Weg Richtung Tor sehen, die Luft anhalten und hoffen, dass er schießt. Jetzt. Jetzt endlich. Sehen, wie der Ball sich ins linke Ecke senkt, während der Torhüter hilflos mit den Armen fuchtelt und dann der erlösende Ruf: Tooor. Das Gefühl kennt wohl jeder, der sich für Fußball interessiert. Eine ganz neue Dimension bekommt das Spiel, wenn der Stürmer auf dem Platz der eigene Sohn ist, der erst ein paar Monate vorher den entschiedenen Wunsch geäußert hat: „Ich will im Fußballverein spielen.“

Gut, die Nachmittage in der Kita waren zuletzt auch vor allem für das Kicken mit den Kita-Kumpels reserviert gewesen. Und warum eigentlich nicht Fußball? Mannschaftssport, draußen, man muss neben Fußballschuhen und Schienbeinschonern nichts in Ausrüstung investieren und so übermäßig sportlich ist Sohnemann ja auch nicht, kann doch nichts schaden. Die erste Hürde ist, einen Verein zu finden. „Für die Altersgruppe gibt es eine Warteliste. Vielleicht in einem Jahr.“ So eine Antwort hilft einem fußballbegeisterten 5-Jährigen nicht weiter. Also die Suche im Umkreis ausweiten – und in Weißensee ist es entspannter als in Pankow. Das erste Probetraining – und danach die unerwartete Erkenntnis beim freundlichen Abschied: Training ist dann Dienstag und Donnerstag um 17.30 Uhr. Wie, zwei mal die Woche? Ja, klar. Und samstags sind Punktspiele. Oder ein Hallenturnier. Oder… Zu spät für einen Rückzieher bei den leuchtenden Augen des Nachwuchs. Das lässt sich bestimmt irgendwie einrichten. Und von den 20 trainierenden Kindern werden ja auch nur 10 zu den Spielen mitgenommen, und da gehört der eigene Sohn zu Beginn natürlich noch nicht dazu.

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Mit den Kindern auf Fotosafari

Heute Vormittag wollte ich bei dem schönen Wetter mit den Kindern mal kurz rausgehen – weil ich aber ein angeschlagenes Knie habe schieden übliche Aktivitäten wie Fußball oder ein Spaziergang zum Spielplatz aus. Wir sind deshalb quer über die Straße in den Garten gegangen und haben eine Fotosafari gemacht.

Was man dazu braucht? Eine inzwischen ziemlich alte Digitalkamera, die dank ihrer klobigen Bauweise aber ganz gut für Kinder geeignet ist.

Digitalkamera

Jedes Kind darf 10 Minuten damit rumfotografieren, wie und was es will. Mit den Tieren – siehe: Safari – vor der Linse war das eher nix, die Schmetterlinge wollten sich nicht hinsetzen und die Vögel waren zu hoch in der Luft. Aber es gibt auch viele schöne Sachen, die man so aufnehmen kann. Für das erste bzw. zweite mal richtig rumknipsen finde ich das Ergebnis eigentlich wirklich spannend.

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Urlaub auch mal ohne Ahorn Hotel

Sehr geehrtes Management des Ahorn Hotel Birkenhof****,

Sie haben mir heute geschrieben, dass Sie sich auf mich freuen, nachdem Sie mir vor einigen Wochen Ihr neues Hotel vorgestellt hätten. Ich muss gestehen, ich kann mich nicht an die Vorstellung des Ahorn Hotel Birkenhof**** erinnern. Auch nicht, dass ich in jüngster Zeit in irgendeinem Best Western Hotel abgestiegen bin, bewusst. Und auch nicht daran, wie Sie wohl an meine Adresse gekommen sind.

Aber es wird schon alles seine Richtigkeit haben. Denn mir geht es ja nicht um das Warum Ihres Briefes, sondern um den Inhalt. Denn da empfehlen Sie mir „Urlaub auch mal ohne Kinder – ab November 2015 [16+]“. Das ist eine ziemlich dumme Idee.

Brief vom Ahorn Hotel Birkenhof****

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228=444

Ich schreibe ja hier nicht allzu viel über die Familie und die Kinder, aus Gründen. Aber gestern war ich dann doch ziemlich baff. Sohn1 (noch nicht ganz 6) hat im Moment so einen Mathe-Flash. Es muss ständig gerechnet werden, Aufgaben gestellt, addieren, subtrahieren. Hauptsache Zahlen.

Eine schöne Beschäftigung ist es, beim Spazierengehen durch die Stadt Autokennzeichen zu addieren. Also wenn da das Auto A-BC 749 steht, dann heißt es „7 plus 4 plus 9 ist 21“. Oder DE-F 10. „Das ist einfach. 1 plus 0 ist 1.“ Damit kann man sich schon die Zeit vertreiben. Auch unser eigenes Kennzeichen B-XX 228 wurde schon oft durchgerechnet, klar.

Gestern also auf dem Weg zur Kita steht da ein Auto. GH-IJ 444. Und Sohnemann mit einem Blick? „Schau mal Papa, wie unser Kennzeichen. Wie unser Kennzeichen? Papa wundert sich. Kommt aus einer anderen Stadt. Völlig andere Buchstaben. Und, naja 228 und 444 sehen für mich jetzt nicht so ähnlich aus. Mein Zögern und meine fehlende Begeisterung führen zu einem leicht genervten: „Ist doch wie unser Kennzeichen. Siehst Du das nicht?“

Ehrlich gesagt, nein. „Na, bei uns 12 und das sind auch 12.“ 2+2+8=4+4+4.

Die Welt kann so einfach sein, wenn man mit dem richtigen Blick durch sie hindurch geht. Oder so kompliziert, wenn man die einfachen Dinge gar nicht mehr sieht, wie Papa.

Das elektronische Buch

Ich bin ein Freund elektronischer Gadgets, wie in diesem Blog inzwischen durchaus deutlich geworden sein dürfte. Bei meinem Sohn bin ich da eher zurückhaltend. Ja, er darf mit mir zusammen das Tablet für bestimmte Dinge nutzen, aber elektronisches Spielzeug finde ich, zumindest für Kleinere, meist überflüssig. Eine Ausnahme stellt für mich der tiptoi von Ravensburger dar.

tiptoi

Die Idee: Man kauft einmal einen dicken, knubbeligen orangen Stift. Auf ihn kann man aus dem Internet kostenlos Sprachdateien für tiptoi-Bücher herunterladen. Die gedruckten Bücher muss man gesondert kaufen. Dann kann man sich mit dem Stift zum Beispiel die Abläufe auf einem Flughafen „vorlesen“ lassen. Wobei eben nicht wie bei einem Hörbuch etwas linear vorgelesen wird, sondern das Kind kann die Bilder selbst erkunden.

Es gibt Geräusche von startenden Flugzeugen, quengelnde Kinder, die Geschichte der Frau, die verschlafen hat und jetzt zum Flughafen hetzen muss – alles hüsbsch gemacht. Beim „Bauernhof“-Buch muss man Tiergeräusche erkennen und das jeweilige Tier dann antippen, im Flughafen spielt der Stift „ich sehe was, was Du nicht siehst“ mit dem Kind. Das Ganze funktioniert wohl so, dass im Stift vorne eine Kamera integriert ist und auf den Buchseiten unsichtbare Muster, die durch die Kamera erkannt werden. Das geht ziemlich zuverlässig.

Eine wirklich tolle Sache. Nur fehlt häufig etwas die Abwechslung, es gibt ca. 10 verschiedene Rätsel bei den Spielen, die dann jeweils in neuer Reihenfolge abgefragt werden. Etwas mehr Aufwand hätte der Nutzungsdauer der Geschichten gut getan.

Und noch ein Manko: Manchmal sind die Erklärungen bzw. die gesprochenen Texte so ganz und gar nicht kindgerecht. Da ist plötzlich und unvermittelt von „Befeuerung der Landebahn“ die Rede oder ähnlichem. Da wäre eine Überarbeitung nicht schlecht.

Mit Kind muss man Taxis meiden

Ich fahre gerne Taxi. Es ist eine Dienstleistung, für die ich gerne bereit bin, Geld auszugeben – und bei der ich, da ich weiß, dass die Verdienste für die Fahrer in der Regel nicht sehr hoch sind, gerne auch ordentlich Trinkgeld gebe. Allerdings glaube ich zunehmend, dass es der Taxibranche – zumindest in Berlin – schlicht wirtschaftlich zu gut geht. Ich ertappe mich dabei, mir zu wünschen, dass es noch ein bisschen enger, knapper und schlimmer wird, damit vielleicht der Kunde und der Service doch mal in den Fokus kommt. Warum?

Seit fast genau drei Jahren ist mir das Taxifahren nämlich verleidet. Denn seitdem will ich öfter nicht mehr alleine oder wollen wir zu zweit fahren, sondern wir möchten gerne einen dritten Fahrgast mitnehmen. Mit Geburtstdatum 2009. Und wer daran denkt, ein Baby oder Kleinkind mitzunehmen, der kann sich auf etwas gefasst machen.

Zum Beispiel wenn man telefonisch ein Taxi für einen Zeitpunkt bestellt und bittet, ein Fahrzeug mit einem Kindersitz für einen fast Dreijährigen zu bekommen. „Also mit einer Sitzerhöhung“, ist dann die Antwort. Dann entspinnt sich in der Regel ein länglicher Dialog, in dem man erläutert, dass eine Sitzerhöhung zwar vielleicht für die Fahrer praktisch ist, aber leider dem Kind eher wenig Schutz bieten. Kann man zum Beispiel hier in der VCD-Broschüre (PDF) nachlesen und ich würde ja erwarten, dass Dienstleister in ihrem Kerngeschäft über ein paar Kenntnisse verfügen. Auch rechtlicher Art.

Irgendwo während dieses Dialogs fällt dann ein Satz in der Art von „wenn Sie meinen, aber wir machen das seit Jahren so“. Allerdings, so viel sei positiv eingeräumt, bekommt man dann sein Auto mit der gewünschten Ausstattung zur Wohnung geschickt. Und die Fahrer sind meist extrem zuvorkommend und freundlich, gerade die mit Kindersitzen.

Schwieriger wird es, wenn man am Bahnhof oder am Flughafen ankommt. Abgesehen davon, dass es hierzulande ohnehin keine Warteschlangenkultur gibt und ein Auf-Das-Fahrzeug-Zustürmen-Chaos gibt, gibt es auch niemanden, der die Warteschlange organisiert. Den man also bitten könnte, ein Taxi mit einem Kindersitz zu rufen, auf das man ja gerne ein paar Minuten warten würde. Die anderen Fahrer? Zucken mit der Schulter.

Oder erklären einem, wie heute Abend am Hauptbahnhof, dass man doch eine Sitzerhöhung habe – und auf die Erklärung, dass der Kleine zwar für sein Alter groß sei, aber noch lange, lange nicht groß genug für eine Sitzerhöhung, bekommt man gesagt: „Die meisten Eltern sind froh, wenn man sie mitnimmt.“ Die Eltern sind also froh, dass ein Taxifahrer sie befördert, auch ohne passenden Sitz. Meine Gegenfrage: „Wieso sind die froh, es geht doch hier um eine Dienstleistung, für die man bezahlt?“ Antwort: „Zur Dienstleistung gehört es dann auch, dass man es mit den Gesetzen und Regeln nicht so genau nimmt.“

Aber man kann ja auch an den Hauptbahnhof per Handy ein Taxi bestellen. Nach dem obligatorischen Dialog über den Sinn und Unsinn von Kindersitzen wird die Bestellung auch unwirsch aufgenommen. Dann kommt eine SMS. Wagen Nr xyz kommt in einer Minute. Und kommt nicht. Und kommt nicht. Und kommt nicht. Nochmal angerufen – nein, eine Bestellung liegt nicht vor, worum geht es denn? Wir sind dann mit der S-Bahn gefahren. Mit einem übermüdeten fast Dreijährigen.

Den Stellenwert von Kindern kann man ja auch gut an einer Smartphone-App wie myTaxi ablesen. Da kann man unter „Bestellotionen“ eine ganze Menge angeben. Etwa dass es ein Umwelttaxi sein soll, dass man Kleintiere mitnehmen will oder dass man ein 5-Sterne-Taxi möchte. Aber eine voreingestellte Option zum Thema Kindersitze? Fehlanzeige. Und man ist versucht, den geringen Stellenwert von Kindern in dieser Gesellschaft zu beklagen – etwas, was man sich als werdender Vater vorgenommen hat, nie tun zu wollen. Aber das wird einem echt verdammt schwer gemacht.

© 2018 andreas streim

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