andreas streim

buchstaben, wörter, sätze & mehr

Schlagwort: Werbung

Transparente Werbung

Man muss der Berliner Morgenpost ja schon eine transparente Werbekampagne bescheinigen.

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Die Macht der Medien

…oder: Ich möchte gerne glauben, dass mein Tweet

dazu geführt hat, dass es jetzt hier so aussieht:

Bugawerbung

Da ist zwar noch Luft nach oben, aber ein Fortschritt ist eindeutig zu erkennen.

Halt! Stopp! Mindestlohn!

Also wenn Werbeplakate so funktionieren würden wie Suchmaschinenoptimierung für Webseiten in den 90er Jahren, Verdi und die NGG würden so richtig abräumen. Satte vier mal steht das Wort „Mindestlohn“ auf diesem Großplakat unweit des Regierungsviertels an der Spree.

Mindestlohnwerbung

Trotzdem, ich kann mir nicht helfen. Mein erster Gedanke war „Verkehrssicherheitskampagne“. Und als bei mir irgenddwas Klick gemacht hat und ich Gewerkschaft assoziiert hatte, fiel mir nur „GdP – Gewerkschaft der Polizei“ ein. Aber warum werben die hier so offensiv um Mitglieder.

Der Denkfehler ist vermutlich, dass eigentlich niemand bei so einer Polizeikelle positive Assoziationen hat, also selbst wenn die grün und nicht rot zeigt. Dass dann noch das Plakat irgendein Kunstwerk darunter verdrängt hat, von dem jetzt noch drei geköpfte Gestalten übrig sind, die auch irgendwie eher bedrohlich als sympathisch rüberkommen, hilft da dann auch nicht mehr wirklich weiter.

Von wegen Print ist tot

Ich hatte ja kürzlich schon vom Trend geblogt, dass (Internet-)Start-ups mit ganz klassischer gedruckter Werbung um Kundschaft buhlen. Wenn man darauf erst mal achtet hat man den Eindruck, halb Berlin ist mit Hinweisen auf Nachbarschafts-Communities, Lieferdienste, Selfstorage-Lösungen oder Paketzustellboxen vollgekleistert. Oder wohnen wir einfach nur in einer Ecke, die irgendein Marketingstratege als besonders empfänglich für solche Hinweise ausgemacht hat?

Klebezettelwerbung

Klebezettelwerbung

Klebezettelwerbung

Vielleicht sollte ich morgen Abend statt dem täglichen Blogbeitrag doch einen Businessplan für ein Start-up aufschreiben, dass zielgerichtete Werbemaßnahmen in die analoge Welt trägt. Also früher, zu Studienzeiten, nannten wir das Plakate kleben, aber heute muss einem dafür schon was hipperes einfallen. Oder wie wäre es mit zielgruppengenauer Ansprache auf der Straße? Erst den Passanten anhauen und nach ein paar Kenndaten fragen (Alter, Wohnsituation, Einkommen etc.) und dann aus der Vielzahl der Werbe-Flyer genau den richtigen herausziehen und überreichen, der auf diesen Kunden passt. Und ihm beim Gehen ein Schildchen auf den Rücken kleben, damit man ihn beim nächsten Mal gleich ohne Fragen korrekt bewerben kann. So ein analoges Cookie, das sollte man sich gleich patentieren lassen. Ich glaube, da geht der Trend hin – Onlinewerbung filtert ja bald sogar Apple weg.

Das mit der Print-Krise ist nicht so einfach

Michael Kroker hat in seinem Blog mit der täglichen Statistik rund um IT und die digitale Welt vorgestern einen Beitrag darüber geschrieben, warum die Print-Krise noch länger andauern dürfte. Im Kern stellt er dabei die von den Lesern/Nutzern aufgewendete Zeit für verschiedene Medien den jeweiligen Umsatz-Anteilen der Anzeigenetats gegenüber.

Kroker kommt zum Schluss:

Obwohl Konsumenten nur noch vier Prozent ihrer Mediennutzungszeit mit der Lektüre von gedruckten Zeitungen und Zeitschriften verbringen, entfallen auf sie immer noch 18 Prozent des Werbemarktes. Dies stellt also eine Überbewertung dar.

Das finde ich tatsächlich eine spannende Frage. Müssten die Etats „richtig bewertet“ exakt die Nutzungszeit widerspiegeln? Also so wie sich die Aufmerksamkeits-Zeit auf die verschiedenen Medien verteilt, so müssten die Budgetverwalter das Geld auch verteilen? Vielleicht, vielleicht aber auch eher nicht.

Wenn ich mir mal so eine Website anschaue, zum Beispiel von einer ordentlichen Regionalzeitung, dann kann man da schon ein paar Werbungen auf der Seite sehen:

Onlinewerbung

Aber mal ehrlich, welche davon bleibt in Erinnerung? Und wenn ich das mit einer Anzeige im Printbereich vergleiche, wo nicht alles blitzert und blubbert und blaggert – vielleicht bleibt bei den Print-Lesern in kürzerer Zeit mehr hängen als bei langer Zeit online? Und das spricht jetzt meines Erachtens nicht gegen Online und Online-Werbung, nur gegen die viel zu oft viel zu schlecht gemachte Online-Werbung. Gegen zu viel, zu oft, zu aufdringlich.

Und dazu kommt noch etwas. Für viele Surfer sieht die Seite gar nicht so aus, wie ich eben gezeigt habe, sondern so:

Onlinewerbung

Das wäre jetzt so ein Test für „finden Sie die 10 Unterschiede“. Gesehen? Im zweiten Fall wird keine Werbung angezeigt. Der installierte Adblocker zeigt die Inhalte, aber nicht die lästige Werbung. Die einen halten das für geschäftsschädigend, die anderen für legitimen Selbstschutz gegen Werbeverbrecher, die kein Maß und keinen Anstand kennen. Wo immer man sich auch verortet: Es ist möglich, online zu werben, aber nicht gesehen zu werden.

Die Grundthese des am Anfang zitierten Blogartikels stimmt sicher – die Verschiebungen sind noch nicht am Ende, auch was eine weitere Verschiebung vom klassischen Web hin zu Mobile bedeutet. Wo genau aber eine „Überbewertung“ ist oder wann etwas richtig bewertet ist, das dürfte etwa so schwer zu entscheiden sein wie auf dem Aktienmarkt, wo es ja auch eine feine Sache wäre, wenn man genau wüsste, wann eine Aktie den „richtigen“ Preis hat. Aber genau weil das jeder anders sieht und andere Zukunftserwartungen hat, funktioniert aber der Markt überhaupt.

Mein erstes Twitter Ad

Ich bin ja ein großer Anhänger der Theorie, dass man Dinge, die man beim ersten Durchlesen nicht versteht, doch einfach mal ausprobieren sollte. Genau aus dem Grund habe ich gestern Abend mal ein Twitter Ad geschaltet.

Vorab: Ich finde schon die Seite analytics.twitter.com grandios – so viele Insights zum „Erfolg“ des eigenen Twitters so schön aufgemacht, chapeau! Ein bisschen ernüchternd daran fand ich allerdings, dass von den 620 plus X Followern eigentlich immer nur so 40 bis 60 den eigenen Tweet überhaupt zu Gesicht bekommen. Klar, kein Wunder, durch die eigene Timeline scrollt so viel Inhalt am Tag und da kaum jemand 24 Stunden mitliest, rutscht einfach viel ungesehen durch. Noch ernüchternder war, dass die Interakationsrate immer so bei 1 Prozent liegt, d.h. praktisch niemand klickt Links an, liked einen Tweet oder Retweetet ihn.

Aber dem kann man jetzt, gegen Geld, ja zumindest ein bisschen mit Twitter Ads abhelfen. Ich habe dazu einen Tweet geschrieben, der auf eine aktuelle Presseinformation meines Arbeitgebers BITKOM verweist.

Und dann habe ich eine Ad-Kampagne gestartet, deren Ziel „Websiteklicks oder Conversions“ war. Angezeigt zu den Schlüsselwörtern Schule, Bildung und Jugend an Nutzer in Deutschland. Und dann habe ich die Kampagne für zwei Tage mit jeweils maximal 5 Euro Einsatz gestartet. Das Ergebnis? Der gesponserte Tweet hat 2.790 Impressionen erreicht und 333 (zu bezahlende Interaktionen) wie Anklicken der angehängten Grafik, Klick auf den Link zur Pressemitteilung oder favorisieren des Tweets oder Retweeten. Gleichzeit hat der Tweet über diese Interaktionen, also vermutlich die Retweets, auch als nicht-gesponsorter Tweet deutlich mehr Leser erreicht als das bei mir gemeinhin der Fall ist. Insgesamt 1.065 Impressionen und 69 Interaktionen für den Tweet sind die Folge – eine Interaktionsrate von 6,5 Prozent, die ebenfalls deutlich über meinen üblichen Werten liegt. twitterad_ergebnis Was aber mindestens ebenso interessant für mich ist: So eine Kampagne macht einfach Spaß. Die Einrichtung ist einfach und gut erklärt – und die Tools, um sich den Erfolg anzusehen, funktionieren einfach prima. Aber wahrscheinlich bin ich nur deshalb ein bisschen begeistert, weil ich Visualisierung von Daten grundsätzlich einfach klasse finde.

Ad Words – retro style

Wenn man eine Website hat, dann gibt es nur noch ein Problem: Wie bekommt man die Leute dazu, dorthin zu surfen?

Man kann Massenemails schreiben, man kann Ad Words bei Google kaufen, man kann klassische Werbung schalten. Oder man nimmt ein Stück Kreide.

2013-04-20 17.20.56

Und geht damit rum. Und schreibt die Webadresse überall auf die Straße, auf Treppen, an Wände. Und, mal ehrlich, wer würde die Adresse nicht eintippen und zumindest mal schauen, um was es da geht? Also ich kann da nicht wegschauen. Und weiß jetzt, was sich dahinter verbirgt.

Wer es jetzt noch schafft, mit Kreide den passenden QR-Code auf die Straße zu zeichnen, der hat auch die Generation Smartphone & Tablet auf seine Seite gezogen.

Liebe Zeitung, so wird das nichts

Die Zeitungen in Deutschland buhlen um Leser. Angesichts sinkender Auflagen sicher keine schlechte Idee. Aktuell werden aus diesem Grund Image-Anzeigen geschaltet unter dem Motto „Die Zeitungen. Eine schlauere Welt ist machbar“.

Erstmal eine gute Idee. Ich bin da sicher nicht neutral, schließlich arbeite ich für eine Tageszeitung, aber ich glaube wirklich daran, dass die tägliche Lektüre einer Tageszeitung die meisten Menschen schlauer macht bzw. machen würde. Und die – mich – leicht nervende werbige Sprache des Textes: geschenkt. Es ist eben Werbung, gemacht von einer Werbeagentur.

Schön finde ich auch, dass man sich nicht allein auf das gedruckte Wort beschränkt hat, sondern gleich im ersten Satz ePaper und iPad-Apps mit ins Boot holt. Der leichte Nervfaktor, dass zwar die meisten Verlage auch Apps für Android, mein bevorzugtes System, im Angebot haben, Werber aber offenbar nichts jenseits des Apple-Horizontes kennen, soll mal außen vor bleiben.

Richtig dämlich Wenig zielführend finde ich dann aber den Ansatz, die eigene Qualität gleich mal wieder gegen das böse, dumme, schlechte Internet abzugrenzen.

Weil die Zeitung glaubt, dass uns eine 140 Zeichen lange Twitter-Meldung nicht die Ursachen der Finanzkrise erklären kann.

Jaja, diese doofe, kurzatmige, oberflächliche Twitter. Hat von den Anzeigenmachern und -abnehmern schon mal jemand da reingeschaut? Praktisch jede Zeitungsredaktion hierzulande twittert doch selbst. Wieso eigentlich? Und wenn man mal so ein bisschen auf Twitter schaut, dann wird einem auffallen, dass da ganz, ganz oft Links getwittert werden. Wenn man da draufklickt, landet man bei großen Fotos oder langen Texten. Viel länger als 140 Zeichen.

Wie man so eine herablassende Art gegenüber dem Medium, das durch die Umbrüche in den arabischen Ländern im vergangenen Jahr wirklich im Mainstream angekommen ist, hervorbringen kann, erschließt sich mir nicht.

Vor allem ist das Argument gefährlich. Denn man könnte auch fragen, ob ein 100-Zeilen-Tageszeitungs-Artikel denn diese Anforderung, „die Ursachen der Finanzkrise“ zu erklären, erfüllen kann. Ich behaupte mal: Nein. Und ein 25-Zeilen-Kommentar durchdringt das Thema in all seinen Facetten? Kaum.

Aber ein guter Artikel kann aufzeigen, wo die Finanzkrise auf die Menschen in der Region durchschlägt. Und ein kluger Kommentar kann sich ein Detail herausgreifen und einordnen. So wie ein Tweet ein O-Ton vom Ort des Geschehens sein kann oder der Link auf einen spannenden Artikel in einer US-Regionalzeitung, auf den man sonst nie, nie, nie gestoßen wäre.

Ich mag Zeitungen. Ob sie gedruckt sind oder digital erscheinen. Ich halte Journalismus für ungemein wichtig, egal welchen Verbreitungskanal er für seine Geschichten und Rechercheergebnisse wählt. Und deshalb mag ich es nicht, wenn „die Zeitungen“ ihre Bedeutung dadurch erklären, dass sie sich vom dummen, bösen Internet abgrenzen. Liebe Zeitung, ich befürchte, so wird das nichts mit der Zukunft. Ich persönlich finde im Netz – und auch bei Twitter – viel mehr als nur „wer, wie, was?“, sondern eine Menge „wieso, weshalb, warum“? Und es gibt genügend gedruckte Texte, die bei „wer, wie, was?“ stehenbleiben.

P.S.

Nur mal als ein Beispiel, was dieses Twitter so kann, liebe Zeitung: Ein Jahresrückblick mit ganz vielen 140-Zeichen-Meldungen.

Green IT mal anders

Wer sich schon mal ausgerechnet hat, was so ein aufgemotzter Desktop-PC mit Drucker und Monitor im Dauerbetrieb an Energie schluckt, der weiß, warum Green IT ein echtes Modethema ist. Vor allem wenn man den Energieverbrauch mal hochrechnet – oder sich so ein durchschnittliches Unternehmen anschaut.

Energieeffizienz kann man natürlich durch entsprechende Komponenten erreichen, das ist aber aufwendig und kostet Geld. Ein großer Elektronikmark hat deshalb einen ganz anderen Weg entdeckt, der der Kundschaft angespriesen wird:

Energieeffizient durch Ein-/Ausschalter

Darauf muss man erstmal kommen: Wenn die Technik ausgeschaltet ist, verbraucht sie am wenigsten Strom. (Nur leider macht sie dann auch sonst nicht viel.)

Karhofstadthaus

Die Agenturen tickern heute wieder, dass der Warenhauskonzern Metro (u.a. Kaufhof) Interesse am insolventen Konkurrenten Karstadt habe.

Und ich hätte schwören können, die gehören längst zusammen, zumindest teilen sie sich eine Werbeagentur oder ihre Werbeagenturen teilen sich die Ideen. Wirbt doch Karstadt im Radio damit, man kenne sich mit Weihnachtsgeschenken seit 1881 aus, Kaufhof buhlt um die Gunst der Kunden, weil man seit 130 Jahren mit Weihnachtsgeschenken zugange sei.

So richtig überzeugend dürften beides die Deutschen ohnehin nicht finden, denn anno dazumal gab’s ja nun wirklich noch keine Flachbildschirme und Spielekonsole und die Mode, nun ja, will man in diesem Jahr zumindest auch noch nicht wiederhaben. Schwere Zeiten für Karhofstadthaus auf jeden Fall.

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