andreas streim

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Schlagwort: Brandenburg

Remake of Westworld

Es gibt wahrscheinlich nur wenige Filme die mich so beeindruckt haben wie „Westworld“. Ein 70er-Jahre-Streifen mit Yul Brynner, den ich in ziemlich jungen Jahren, vermutlich noch auf einem s/w-Fernseher, so genau weiß ich das nicht mehr, zum ersten Mal gesehen habe. Und der mir Albträume beschert hat. Dieser gnadenlose Androiden-Revolverheld, der den armen echten Helden jagt…

Die Story ist simpel: In einer fernen Welt gibt es einen Freizeitpark, wo Leute ihren Urlaub in „Themendörfern“ verbringen können – etwa in einem Mittelalterdorf oder eben in einer Westernstadt. Computergesteuerte Androiden geben das Kanonenfutter für die zahlende Kundschaft. Bis einer den Spieß umdreht.

Und daran musste ich bei diesen Nachrichten vom Freizeitpark „Tropical Islands“ sofort denken, komme aber jetzt erst zum Bloggen. Da heißt es:

Der Geschäftsführer der Anlage, Ole Bested Hensing, der erst vergangen Dienstag seinen Rückzug aus dem Unternehmen angekündigt hatte, sagte dem Blatt: „Der Plan ist, dass wir das größte Themen-Resort Deutschlands bauen.“ Hensing wechselt demnächst nach Baden-Württemberg zu den Stadtwerken Konstanz (MAZ berichtete).

Nach Angaben des scheidenden Geschäftsführers will der Eigentümer von Tropical Islands, der aus Malaysia stammende Tanjong-Konzern, mit Unterstützung von Finanzinvestoren rund um die ehemalige, riesige Montagehalle des Luftschiffbauers Cargolifter eine große Ferienanlage errichten. Sie soll aus vier eigenständigen Ferien-Resorts bestehen: Westerndorf, Mittelalterdorf, Tropendorf und 50er-Jahre-Dorf. Angestrebt ist ein Angebot von 12 000 Betten. Drei Millionen Übernachtungen erhofft sich das Unternehmen pro Jahr.

Na dann mal viel Vergnügen, und hier schon mal der Trailer zum Remake von Westworld:

Stadt, Land, Tier

Wie viele Jahre bin ich jetzt bei der „Märkischen Allgemeinen“ im Wirtschaftsressort? Und jedes Jahr haben die Kollegen mindestens einmal über die Brala geschrieben. Und zwar über die Landesbauernversammlung, die auf der „Brandenburgischen Landwirtschaftsausstellung“ in Paaren/Glien stattfindet.

Und heute habe ich es zum ersten Mal geschafft, selbst dorthin zu fahren. Mit dem Sohn – dank der brückentagsbegründeten Kitaschließung. Einen Blick ins Zelt, wo gerade die Landesbauernversammlung stattfand, habe ich auch erhascht, aber es erschien mir doch eher das Langweiligste des gesamten Angebots zu sein.

Viel spannender war zum Beispiel das hier:

Und ich wusste bis heute nicht, dass Kaninchen über Hürden springen und das ein richtiger kleiner Sport ist. Und was für ulkige Begriffe es gibt („gutes Fundament“) um zu beschreiben, warum eine Kuh schöner ist als die andere und einen Preis verdient. Und und und.

Und vor allem: Wir waren ja an diesem Freitag so kurz vor 10 auf der Brala. Da war es noch angenehm leer. Am Nachmittag war da die Hölle los – und ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es da Samstag und Sonntag zugeht.

Journalistisch frage ich mich, ob wir im direkten Vergleich „Grüne Woche“ – Brala nicht der ersten zu viel Aufmerksamkeit und Platz im MAZ-Mantel schenken. Sollte man im nächsten Jahr vielleicht mal diskutieren. Zeitung sollte schließlich da sein, wo die Leser sind.

Nachrichten aus der Vergangenheit

Vor langer, ja, ziemlich langer Zeit habe ich mir mal einen Google Alert angelegt – Suchwort: „Cargolifter“. Die Älteren von uns erinnern sich vielleicht. Die Firma wollte in der Halle in Brand (Dahme-Spreewald), in der man ein Tropenbad besuchen kann, riesige Luftschiffe bauen, die noch riesigere Lasten über unwegsames Gelände schleppen sollten. Das Ganze wurde dann eine Pleite, die Brandenburgs inzwischen verblassten Ruf vom „Land der gescheiterten Großprojekte“ zementierte.

Noch heute bekomme ich über den Alert Infos zum Thema. Etwa wenn US-Amerikaner mal wieder so etwas ähnliches bauen wollen. Aber auch, wenn irgendwie ein alter Text per SEO-Management an die Oberfläche des Suchmaschinenmeers gespült wurde. Und manchmal muss man dann schmunzeln, etwa wenn es heißt

Cargolifter wehrt sich gegen Pleite-Vorwürfe | Archiv – Berliner Zeitung
Der Luftschiffbauer Cargolifter will Anzeige gegen unbekannt erstatten. Der Grund sind Berichte über Zweifel über die Machbarkeit des risikoreichen. www.berliner-zeitung.de/…/cargolifter-wehrt-sich-gegen-pleite

Nee, nee, ist ja wie heute. Die Presse mit ihren Gerüchten. Wie kann man nur sowas behaupten, eine kerngesunde AG, Pleite gehen? Nie und nimmer.

Ach, das waren noch Zeiten.

Turbogebremst

Der „Zentraldienst der Polizei“ des Landes Brandenburg hat mir geschrieben, genauer gesagt: die Zentrale Bußgeldstelle. Nicht schön, der Inhalt. Und teuer. Aber, tja, man kann sich ja nur selbst dafür schelten.

Der Umschlag ist aber dafür originell. Ein großer Aufdruck „Runter vom Gas!“ mit dem Hinweis, dass jährlich 5000 Menschen bei Verkehrsunfällen sterben.

Darüber ein ebenfalls recht großer Stempel: „Turbo“. Turbo? So richtig schnell und Gas geben? Wie passt das denn zu dem guten Ratschlag (und den verschickten Bußgeldern)?

Ganz einfach: Die Zentrale Bußgeldstelle setzt trotz Brems-Hinweisen auf die private Post-Konkurrenz Turbo-Post. Und das schreibt die auch ganz groß auf den Umschlag. Wird schon keiner auf dumme Gedanken kommen.

Hat Facebook Ärztemangel?

Gestern wollte die Brandenburger Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) „neue Chancen“ für die medizinische Versorgung auf dem Land vorstellen. Aber irgendwie war das eher kalter Kaffee. Ein bisschen wenig von einer neuen Ministerin, habe ich dazu in der „Märkischen Allgemeinen“ kommentiert.

Und dann habe ich mich in der heutigen Ausgabe noch mit meinem Kollegen Ralf Schuler über den Nutzen von Facebook & Co. duelliert. Dazu gibt es ein kurzes Pro & Contra, wobei sicher noch mehr zu sagen wäre.

Als Nachtrag noch: In der Mittwoch-Ausgabe der MAZ hatte ich noch einen kurzen Text zum Google-Verizon-Deal über ein mögliches „zweites Bezahl-Internet“ geschrieben. Immer schwierig (und ein bisschen unbefriedigend) in der Print-Ausgabe, wo man ja für Leser schreibt, die womöglich schon nicht so genau wissen, was das Internet ist, so etwas komplexes wie Netzneutralität darzustellen.

Brandenburger Politik 1.5

Die MAZ hat in einer Umfrage versucht herauszufinden, wie die Brandenburger Landtagsabgeordneten das Internet nutzen und vor allem was sie vom Web2.0 halten. Also: Wer ist auf Facebook? Wer nutzt Twitter? Sind Leute auf Xing oder Mein-VZ? Und vor allem: Warum?

Das Ergebnis hat mich etwas ernüchtert. Nicht nur, dass innerhalb von drei Wochen trotz Erinnerung nur knapp die Hälfte der Abgeordneten überhaupt auf eine solche Presseanfrage reagieren bzw. reagieren lassen zeigt zumindest, dass die elektronische Kommunikation nicht ganz weit oben angesiedelt ist.

Die Antworten der rund der Hälfte der Parlamentarierer zeigen dann, dass das Internet überwiegend als Informationsplattform mit einer eigenen Homepage genutzt wird. Information statt Kommunikation habe ich das in einer kleinen ersten Auswertung genannt.

Überwiegend heißt es doch, dieses ganze Facebook, Twitter&Co. kosten zu viel Zeit und bringen zu wenig. Erinnert mich irgendwie an dieses „Faxgerät? Wozu Faxgerät?“ und „Kein Mensch braucht ein Mobiltelefon!“ Ich finde das auch deshalb ein bisschen komisch, weil doch Kommunikation eigentlich die Kernaufgabe von Abgeordneten sein sollte – und für einen nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung Kommunikation rein außerhalb des Internets gar nicht mehr vorstellbar ist.

Wer schauen will, was die wenigen, der neuen Technik aufgeschlossenen Abgeordneten so zwitschern, der kann ja mal bei meiner Twitterliste „Landtagsgetwitter“ vorbeischauen.

Und wer lieber auf Facebook stöbert, der kann sich hier durchklicken:

Alter, Elisabeth (SPD)
Baaske, Günter (SPD)
Kircheis, Kerstin (SPD)
Speer, Rainer (SPD)

Domres, Thomas (Linke)
Görke, Christian (Linke)
Henschke, Axel (Linke)
Jürgens, Peer (Linke)
Krause, Torsten (Linke)
Mächtig, Margitta (Linke)

Burkardt, Ludwig (CDU)
Eichelbaum, Danny (CDU)

Beyer, Gregor (FDP)
Büttner, Andreas (FDP)

Jungclaus, Michael (Grüne)
Niels, Sabine (Grüne)

Und unbedingt den Text von meiner Kollegin Marion Kaufmann dazu lesen.

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