Gleich zwei interessante Blogbeiträge, die schon ein paar Tage älter sind, aber auf die ich jetzt erst gestoßen bin, beschäftigen sich aus US-Perspektive mit der Frage, was die Pleite gegangene Firma Kodak und die Zeitungsbranche gemeinsam haben (könnten).

Steve Yelvington stellt drei Thesen auf:

  • Dein Geschäftsmodel ist nicht das, nach dem es aussieht: Kodak war in Wahrheit kein Foto-Unternehmen, sondern eine große Chemiefabrik. Und vergleichbar seien Zeitungen keine Nachrichten- und Informationsverbreitungsunternehmen, sondern schlicht Anzeigen-Druckhäuser mit komplizierten Auslieferungsketten.
  • Marken verschwinden: Kodak sei über Jahrzehnte der Inbegriff von Qualität in der Fotografie gewesen, kein Vergleich zu den Billigheimern wie Agfa oder Fuji. Aber in der digitalen Welt habe der Name Kodak seine Bedeutung verloren. Vergleichbar würden viele Zeitungshäuser immer noch auf die lange Geschichte ihres Namens und der damit verbundenen Verlässlichkeit setzen.
  • Marktverwerfungen passieren nicht nur einmal: Kodak hat früh auf den digitalen Markt gesetzt, aber trotzdem wurde das Unternehmen irgendwann von Smartphone & Co. abgehängt. Ebenso haben die Zeitungen bereits den Kleinanzeigenmarkt verloren (an Craiglist oder mobile.de zum Beispiel).

Nur wer das sehe und verstehe, so Yelvington, habe die Chance, das immer zersplitterte Publikum, die Kundschaft, wieder zusammenzuführen und zu überleben.

Ken Doctor vergleicht ebenfalls die Printmedien mit der untergegangenen Kodak sowie der insolventen Warenhauskette Spears. Interessante Analyse und Gegenüberstellung der (Umsatz-)Zahlen, die für die Medien nicht besonders gut aussehen.

Daraus zieht er fünf Lehren für das Zeitungsmanagement im Jahr 2012:

  • Man sollte den eigenen Sch… nicht glauben: Die Werbesprüche und Durchhalteparolen, die man für Außenstehende äußert, beinhalten die Gefahr, dass man diese Geschichten als Unternehmen selbst zu glauben beginnt.
  • Kostensenkung ist keine Innovation: Gerade Spears habe über Jahre immer und immer wieder Kosten gesenkt und damit dafür gesorgt, dass das Einkaufserlebnis ständig unattraktiver für die Kunden wurde, was zur nächsten Kostensenkungsrunde führte. Ebenso hätten viele Medien zuletzt ständig Personal eingespart und stünden jetzt den Herausforderungen des digitalen Marktes mit viel weniger Leuten als früher gegenüber.
  • Ständige Umstrukturierung verdeckt nur Probleme: Kodak und Sears reorganisieren nun ihre Abteilungen – und Zeitungshäuser haben in den vergangenen Jahren ständig gewechselt von unabhängigen Online-Abteilungen zu integrierten Newsrooms und zurück. Am Ende steht nur eins: zeitverlust.
  • Verkaufserlöse bringen nur kurzfristig Luft: In der Krise wird versucht, Vermögen zu versilbern. Seien es Patente (Kodak) oder Liegenschaften und Gebäude (Medien). Letztlich bringt das allenfalls kurze Luft zum Atmen.
  • Und das größte Problem: Alte Industrien sind dem Produktionsdenken verhaftet: Kodak produziert Produkte, Sears verkauft Produkte, Zeitungen drucken Produkte. In der neuen Welt geht es aber um Service – etwa wenn die iPhone-Fotos nicht ins Fotoalbum kommen, sondern nur eine Form der erweiterten Erinnerung sind. Nachrichten sind ebenso keine phyischen Produkte (mehr)!