andreas streim

buchstaben, wörter, sätze & mehr

Warum das mit den Zeitungen nix mehr wird

Ich mag Zeitungen. Ich habe viele Jahre meines Lebens mit großer Begeisterung für eine gearbeitet. Journalismus ist auch wichtig. Hat aber nichts mit bedrucktem Papier zu tun.

Vor einigen Jahren hatten wir täglich vier gedruckte Tageszeitungen im Briefkasten. Heute noch eine. Und die auch nur, weil die Frau in unserem Haushalt nostalgische Gefühle hegt und findet, Kinder sollten nicht in einer Familie aufwachsen, in der sie keine gedruckten Zeitungen kennenlernen. Oder so ähnlich. Das finde ich eigentlich auch. Und so ein gelebtes Freilichtmuseum, das hat ja auch was.

Ich lese Zeitungen gerne digital. Dumm nur, dass offenbar alle halbwegs begabten Programmierer Apps für US-amerikanische Start-ups entwickeln und keine Zeit für deutsche Medien haben. Anders ist die Qualität der Versuche, den eben fürs Drucken geschriebenen Inhalt auf Smartphone, Tablet oder auch PC zu bringen, nicht zu erklären. Mit Ausnahme von SZ Digital, der App der “Süddeutschen Zeitung”, der es gelingt, die ohnehin guten Inhalte so darzustellen, dass es auf jedem Medium eine Freude ist. Und die selbst meinen Vater zum begeisterten (auch) Online-Leser neben seiner gedruckten Ausgabe gemacht hat.

Aber sonst? Ein Bild des Schreckens. Und genug der Vorrede. Nur noch eine Erinnerung. Wir haben fast 2015 – also das Jahr zweitausendundfünfzehn. Und da finde ich in meinem Briefkasten eine kostenlos und unverlangt eingeworfene “Berliner Morgenpost” (locker über das “Bitte keine Werbung”-Schild hinweggesetzt, Regeln gelten nur für andere wie Google und so…). Doch nicht die Zeitung, sondern der Aufkleber darauf hat mich dann doch interessiert.

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Die “Berliner Morgenpost” elektronisch lesen, 6 Monate lang umsonst – was soll dabei schiefgehen? Und wäre doch nett, auf dem Weg in die Arbeit oder zurück mal kurz in der S-Bahn auf dem Smartphone die Berlin-Nachrichten durchzulesen. Also mal anmelden. Die Startseite von epapern.de verspricht:

Die Startseite von epapern

Papern bedeutet, dass Sie überall und jederzeit auf Ihrem Smartphone, dem Tablet oder am PC druckfrische Tageszeitungen oder Zeitschriften lesen können.

Das klingt doch gar nicht schlecht. Aber was bekommt man, wenn man sich angemeldet hat? Das hier.

Ein Epaper ist wirklich ein PDF

Ich kann mir bei epapern.de auf einer Website ein PDF auf mein Gerät herunterladen. Wie war das nochmal? “Überall und jederzeit auf ihrem Smartphone…” Natürlich, stimmt, ich kann auf meinem Smartphone ein PDF öffnen. Diese grässlichen PDFs, die gerne auch als wöchentlicher Newsletter von Journalisten-Verbänden verschickt werden, anstatt alles einfach in eine ordentliche Mail zu packen, die auf den verschiedenen Geräten hervorragend skaliert. Aber ich schweife ab. Das Epaper sieht dann so aus:

Epapern auf dem Smartphone

Klar, man kann einzelne Artikel heranzoomen, so dass man sie lesen kann. Nur leider dann immer nur ein winziges Stückchen, dann scrollt man mit dem Finger runter, dann nach rechts und wieder rauf, dann wieder runter, dann wieder nach rechts und wieder raus etc. pp. Weil die Zeitung so ausgeliefert wird, wie sie halt wunderbar auf so ein großes Zeitungspapier gedruckt passt.

Artikelausschnitt

Das Schlimme daran ist: Wenn das jemand ausprobiert, der vielleicht zum ersten Mal darüber nachdenkt, ob Digitalausgaben lesen nicht vielleicht doch eine gute Idee ist, der wird das Experiment sofort kopfschüttelnd beenden. Und vermutlich nie wieder ein Digitalabo einer Tageszeitung abschließen. “Bei Spiegelonline kann ich das besser lesen…” wird er denken.

Und irgendwo weint ein Verlagsmanager und schreibt einen Brandbrief an die Politik, die doch verdammt noch mal endlich was gegen die Kostenloskultur im Netz und dieses an allem schuld seiende Google tun soll.

Auflagenentwicklung Tageszeitungen

Bedienungsanleitung für die U-Bahn

Kann man dieses wunderbare Video, das die richtige Benutzung der New Yorker U-Bahn zeigt, bitte mal auf Deutsch übersetzen, liebe BVG? Und dann alle Berliner verpflichtend anschauen lassen?

Vor allem die Erklärung was passiert, wenn man nicht erst die Leute aussteigen lässt bevor die nächsten einsteigen, könnten ja vielleicht auch die zwei oder drei Berliner verstehen.

Kursgewinngarantiegesetz

Mal vorweg: Ich habe keine Aktien von Zalando oder Rocket Internet gekauft. Und zwar nicht nur weil ich dazu viel zu bequem bin und für Aktienhandel zu schwache Nerven habe, auch nicht nur weil ich dafür gerade mal kein Geld übrig habe – sondern aus bewusster Entscheidung. Das hat was mit Geschäftsmodellen zu tun, mit Transparenz oder ihrem Fehlen, mit der Überlegung, wer von etwas profitiert und wer nicht.

Wobei, soviel mal als kleiner Einschub, meine Karriere als Börsenguru nicht wirklich eine war. So habe ich hier im Blog 2006 (ja, so lange gibt’s das hier schon und sogar ein bisschen länger) über den Xing-Börsengang fabuliert, dass ein Kurs von 30 Euro ja kaum zu halten sei. Die Aktie notiert aktuell bei 75 Euro. Tja, hätte ich mal…

Zalando und Rocket Internet haben aber gezeigt, dass in Deutschland Internet-Unternehmen an die Börse gehen können. Dass es Anleger gibt, die bereit sind, Geld in Unternehmen (ja, in Unternehmen!) zu investieren, damit diese mit dem Geld ihr Geschäft ausbauen, wachsen, international erfolgreich werden können. Und nachdem ein paar Wochen lang publizistisch das mehr oder weniger bejubelt oder zumindest mit einem gewissen Respekt vorbereitet wurde, kommt jetzt – wenig überraschend – der Slashback. “Spiegel Online” titelt aktuell “Absturz nach Börsengang: Zalando-Rocket-Fiasko alarmiert Anlegerschützer”.

SpON zu Zalando

Da stehen beachtliche Sätze drin wie

Eine volle Handelswoche lang sind die Kurse der beiden Start-ups von Tag zu Tag immer weiter abgestürzt. Aus Zeichnern sind Gezeichnete geworden.

Gezeichnete. Weil es so viele Menschen gab, die z.B. Zalando-Aktien haben wollten, zu einem bereits bekannten Ausgabekurs. Was haben die Leute denn erwartet? Dass – klar doch, Internet-Unternehmen und alle außer mir sind doof! – zum Börsenstart der Kurs erstmal um 20, 30 oder 40 Prozent steigt und man dann schnell ordentlich Kasse machen kann? Der Kurs kann ja nur so in den Keller rauschen weil viele von denen, die erstmal Aktien gezeichnet haben, sich gleich mal wieder von denen getrennt haben. Und man sich dann schon die Frage stellen muss, mit welchen Motiven diese Zeichner denn tätig geworden sind. Waren das jetzt Investoren oder Zocker? Und muss ich großes Mitleid mit den Zockern haben, so viel wie mit dem in der Spielbank, der seinen Stapel auf Rot schiebt und dann einen Schuldigen sucht, wenn es zum vierten Mal hintereinander wieder Schwarz wird?

Aber in dem Text stehen noch genialere Dinge:

Der Ökonom und Anlageexperte Max Otte fordert nach dem jüngsten Debakel die Politik im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE zum Eingreifen auf: “Der Gesetzgeber muss die Anleger schützen. Ein Unternehmen soll erst an die Börsen gelassen werden dürfen, wenn es nachhaltig Gewinne macht.”

Ja, genau, der Gesetzgeber muss das verhindern, wenn die Anleger Zeichner ja offenbar nicht in der Lage sind, Börsenprospekte zu studieren oder sich gar, hui!, über das Unternehmen, dessen Miteigentümer sie da gerade werden wollen, anderswo zu informieren. Es war jetzt kein allzu großes Geheimnis im Vorfeld der Börsengänge, dass Zalando und Rocket bislang nicht so die ganz großen Cash-Cows sind. Aber “Anlageexperten” in Deutschland würden ja auch verbieten, dass so eine Firma wie Amazon an die Börse dürfte, denn, mal ehrlich, die verdienen ja auch kein Geld, schon gar kein nachhaltiges. Wobei es da auf die Definition ankommt, denn sonst könnte manches traditionelle Unternehmen vor einem drohenden Delisting stehen.

Aber wenn schon, dann sollte man den Gedanken weiterführen und nicht auf halbem Weg stehen bleiben.

Was wir brauchen ist ein Kursgewinngarantiegesetz, das Kursverluste an der Börse untersagt und nur Unternehmen zulässt, die grundsätzlich steigende Kurse garantieren können. Das wäre mal ein echtes deutsches Alleinstellungsmerkmal.

In einem Land, in dem man immer noch nicht verstanden hat, dass Kursgewinne und Dividenden am Ende nur die Bezahlung für ein Risiko sind. Das Risiko, dass man mit seinem Investment eben daneben lag und es null Dividende und kräftige Kursverluste gibt.

Asoziale Politik

Ich kann es nicht mehr hören. Die Klage kommt ja regelmäßig wieder. Böse Internet-Konzerne zahlen keine oder kaum Steuern. Jetzt hat Gabriel damit die Parteibasis bespaßt, wie dpa berichtet:

Zugleich attackierte er [Gabriel] die Datenkonzerne: “Wir müssen den Silicon-Valley-Kapitalismus zähmen.” Mir Blick auf Steuervermeidungsstrategien von Konzernen wie Apple, Amazon und Google in Deutschland sagte Gabriel: “Das ist asozial.”

Klar gibt es Leute, die freiwillig Steuern zahlen, mehr als sie müssten, aber das ist eher die Minderheit.

Zu Gabriels Klage gibt es genau zwei Möglichkeiten:

Entweder die Konzerne verstoßen gegen geltendes Recht. Dann sollte man sie nicht beschimpfen, sondern bestrafen.

Oder sie nutzen einen Spielraum, den ihnen die Politik gewährt. Dann gibt es auch keinen Grund für Beschimpfungen, sondern für Gesetzesänderungen. So sind am Ende nicht die Konzerne “asozial“, sondern allenfalls die Politik.

Ansonsten befürchte ich, dass der “Silicon-Valley-Kapitalismus“ auch dann nicht mehr weggeht, wenn die SPD (oder eine andere Partei) das mit großer Mehrheit beschließen sollte. Die Dampfmaschine ist auch ziemlich lange nicht wieder weg gegangen…

Kleingärtnerunwesen

Bei uns gegenüber ist eine Kleingartenanlage. Das ist aus vielerlei Gründen sehr schön.

In Kürze soll es dort einen “Tag der offenen Gärten“ geben. Was aber offenbar nicht allen gefällt. Darauf deutet zumindest dieser Aushang des Vorstands hin.

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Ohne mich jetzt weiter mit dem Für und Wider des etwas skurril anmutenden Streits zu beschäftigen: Wer solche Texte verfasst, bestätigt jedes nur denkbare Klischee, das über Kleingärtner und Vereinsmeierei existiert. Und hat vermutlich Unrecht.

Digital verwöhnt

Ich mag meine Nikon D70. Eine solide, funktionale digitale Spiegelreflex-Kamera, zu der ich mir ein sehr gutes Objektiv geleistet habe. Und die mich schon eine ganze Weile verlässlich begleitet.

Aber ich bemerke etwas, was mich zunehmend stört: die Bilder sind erstmal auf der Speicherkarte eingesperrt. Ich brauche einen PC, um sie einzulesen, zu bearbeiten und dann irgendwann zu versenden.

Mache ich ein Foto mit meinem Nexus 5, so steht es sofort danach zur Verfügung. Und manchmal ist inzwischen die Qualität sogar… naja, nicht schlechter, etwa mit HDR-Modus eingeschaltet.

Ich will eine ordentliche digitale Spiegelreflexkamera von Nikon mit echten Knöpfen, die was wiegt und bei der man durch den Sucher schaut, mit Android als OS und Wifi. Geht das bitte?

ALS ohne Eis und Eimer

Seitdem die IceBucketChallenge die Runde macht, wollte ich mal den Artikel aus meinem Archiv herauskramen, den ich 2006 in der “Märkischen Allgemeinen” über Birger Westphal geschrieben habe. Damals habe ich zum ersten Mal etwas von der Krankheit ALS erfahren. Vielleicht ist es ein passender Zeitpunkt, den Text noch einmal hervorzuholen.

Beschäftigung ist ein Stück Lebensqualität
Birger Westphal leidet unter der seltenen Krankheit ALS /Dank der Hilfe seines Arbeitgebers kann er trotz der Einschränkung einer Tätigkeit nachgehen

MAZANDREAS STREIM POTSDAM Allein kann Birger Westphal nicht in den Besprechungsraum kommen. Seine Pflegerin muss ihn mit dem Rollstuhl hereinschieben. Fürsorglich richtet sie den Stuhl so aus, dass er seinem Gegenüber ins Gesicht sehen kann. Beine, Hände, den Kopf – Birger Westphals Muskeln gehorchen ihm nicht. Zu seinem Kehlkopf führt ein Plastikschlauch, das rhythmische Schnaufen eines Beatmungsgeräts ist zu hören. “Wenn ich erzähle, dass ich arbeiten gehe, glaubt mir das keiner”, sagt der 50-Jährige und lächelt.Doch “dass ich diese Arbeit habe, das ist ein Stück Lebensqualität”, betont er. Dafür sei er seiner Firma, der Assa Abloy Sicherheitstechnik GmbH in Berlin, sehr dankbar. Seit 30 Jahren arbeitet er in dem Betrieb, der früher Ikon hieß. Bis Mai vergangenen Jahres leitete der Potsdamer die Abteilung Produktion und Logistik bei dem Schließsystemhersteller. Dann wurde seine Krankheit immer schlimmer, er musste kündigen. “Ich musste mich den Realitäten stellen”, sagt Westphal dazu lapidar.

Die Realität heißt “Amytrophe Lateralsklerose” (ALS). Eine sehr seltene Krankheit, unheilbar und tödlich. Die Nervenzellen sterben ab, ohne Befehle verkümmern die Muskeln. Irgendwann setzt dann die Atmung aus. Vor etwas mehr als zwei Jahren, als die Krankheit zunächst nur seine Hände befallen hatte, kaufte ihm die Firma, die in Berlin 530 Leute beschäftigt, bereits einen Sprachcomputer und ließ ihn zur Arbeit abholen. Damals berichtete die MAZ schon einmal über Birger Westphal, weil seine Krankenkasse ihm die Einstufung in die Pflegestufe II verweigerte – bis zu dem Artikel. Pflege und Arbeit, das passte für die Kasse nicht zusammen.

Für Birger Westphal gehört das dagegen zusammen: “Als ich nach meinem Ausscheiden und einer Operation fast ein Jahr zu Hause bleiben musste, das war so fürchterlich.” Er wäre ohne Arbeit längst verzweifelt, meint er: “Das Fernsehprogramm ist einfach schrecklich.” Der Weg zurück in den Job klingt dabei wie ein Märchen. “Ich wollte meine alten Kollegen besuchen”, erzählt er. Seine Pflegerin begleitete ihn Anfang dieses Jahres in die Firma. Auch sein alter Chef, Werksleiter Holger Ritz, nahm sich Zeit. Und da sagte Westphal diesen Satz: “Es sei denn, sie haben noch Verwendung für mich.” Ritz erinnert sich genau daran. Er zögerte einen Moment – und sagte dann: “Ich weiß da was.” Ein paar Telefonate und eine knappe halbe Stunde später stand fest, dass Westphal künftig einen Beratervertrag von Assa Abloy in der Tasche hat. Und die Krankheit? “Es geht um das, was im Kopf ist”, sagt Ritz.Drei Tage in der Woche fährt Westphal seitdem mit dem Taxi von Potsdam nach Berlin-Zehlendorf. “Die Firma bezahlt die Anreise”, so Westphal, und ihm selbst 350 Euro im Monat. So viel darf er zu seiner Rente dazu verdienen. Er betreut unter anderem ein Kaizen-Projekt, bei dem er regelmäßig mit Beschäftigten der Produktion über ihre Arbeit und mögliche Verbesserungen der Abläufe spricht. Außerdem kümmert er sich gerade um die Anregung eines Mitarbeiters, wie die Schlösserproduktion vereinfacht werden könnte. Er klärt Patentfragen, Maschinenumrüstung, Standorte. “Keine Aufgaben aus dem Tagesgeschäft”, sagt Ritz, aber für das Unternehmen wichtig und “keinesfalls Beschäftigungstherapie”.Für Westphal zählen vor allem das Gefühl, gebraucht zu werden, und der soziale Kontakt. Er weiß, dass er Glück im Unglück hat. Kürzlich traf er einen Mann, dessen Frau auch an ALS erkrankt ist. Seit Jahren liegt diese nur im Bett, weil keine Pflegekräfte rund um die Uhr bezahlt werden. “Eine schreckliche Vorstellung”, sagt Westphal. “So lange ich kriechen kann, krieche ich in die Arbeit.”

Drei Jahre später habe ich Birger Westphal noch einmal getroffen:
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Verspäteter Verspätungsalarm

Die Deutsche Bahn bietet einen netten Service, der einen für eine online gebuchte Verbindung über Verspätungen per Mail informiert.

Heute hab ich um 13.11 Uhr so einen Hinweis bekommen:

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Blöd nur, dass ich – wie die Bahn wusste – bereits seit 11.35 Uhr in dem – da bereits leicht verspäteten – Zug saß. So richtig erschließt sich mir der Mehrwert dieses Dienstes da doch nicht.

Digital Resident

Digital Immigrant? Oder Digital Native? Oder Digital Irgendwas? Heute im Gespräch mit dem – jüngeren, natürlich – Kollegen ging’s um die Frage, wer sich wo wie im digitalen Raum des Jahres 2014 verortet.

Die Antwort ist eigentlich klar: Ich kann mich an eine Welt, die überwiegend offline war, erinnern. Ich weiß noch wie es war, Computerprogramme aus Zeitschriften abzutippen (sogenannte Listings) und die Begeisterung zu spüren, wenn nach 123x “ERROR …” irgendwann das Ganze lief. Und man dann mit ein paar kleinen Änderungen am ja vollständig vorliegenden Quellcode lustige Sachen machen konnte. Etwa die Spielgeschwindigkeit verzehnfachen.

Und ich weiß auch noch ziemlich genau was das für ein Gefühl war, als ich zum ersten Mal einen Akustikkoppler an meinem Computer hängen hatte und der sich in eine Mailbox einwählte. Und plötzlich etwas auf dem Monitor erschien von irgendwo da draußen.

Also bin ich ein Immigrant, auch wenn ich mich nicht so fühle, und sicher kein Native. Wikipedia sagt dazu auch klar:

John Palfrey und Urs Gasser ziehen mit 1980 als ältestem Geburtsjahrgang von Digital Natives in ihrem 2008 erschienenen Buch Born Digital eine noch deutlichere Grenze.

Demgegenüber stehen

Digital Immigrants sind mit diesen Techniken nicht von klein auf vertraut, sie adaptieren ihre Umwelt, um damit zu arbeiten. Als Kennzeichen bringt Prensky folgende Beispiele: Sie drucken eher eine E-Mail aus oder lassen sie sich von der Sekretärin ausdrucken. Sie bringen eher Leute physisch ins Büro, um ihnen eine Webseite zu zeigen, als dass sie nur die URL versenden. Um einen Text zu überarbeiten, drucken sie ihn vorher aus. Sie können sich nicht vorstellen, dass man, während man Musik hört oder Fernsehen schaut, lernen kann, weil sie es selbst nicht können, da sie es in ihren Jugendjahren nicht gemacht haben. Primär sind mit der Gruppe die Geburtenjahrgänge vor 1970 gemeint.

Moment mal: Vor 1970 geboren? Ab 1980 geboren? Und was ist mit den 10 Jahrgängen dazwischen? Digital Nowheres?

Ohnehin glaube ich ja, dass es Digital Immigrants gibt, die viel tiefer in unserer digitalen Welt verwurzelt sind als so mancher Native. Und auch innerhalb der Gruppen gibt es, glaube ich, sehr unterschiedliche Herangehensweisen an die digitale Welt. Insofern ist diese zweidimensionale Typologie, die sich irgendwie an Geburtsjahrgängen orientiert, doch eine ziemliche Krücke.

Viel besser gefällt mir da eigentlich die Unterscheidung zwischen Digital Visitors und Digital Residents. Sie setzt stärker am Handeln an, nicht am Alter.

Residents, on the other hand, see the Web as a place, perhaps like a park or a building in which there are clusters of friends and colleagues whom they can approach and with whom they can share information about their life and work. A proportion of their lives is actually lived out online where the distinction between online and off–line is increasingly blurred. Residents are happy to go online simply to spend time with others and they are likely to consider that they ‘belong’ to a community which is located in the virtual.

Insofern würde ich jetzt einfach mal sagen: Ich bin ein Digital Resident. Wahrscheinlich seit dem Tag, als der Akustikkoppler zum ersten Mal in meinem Zimmer quäkte. (Und hier ist übrigens auch ein schöner Text zur Generation 1970.)

Scherben bringen Ärger

Dass beim Nexus 4 das Display kaputt geht, scheint nichts Ungewöhnliches zu sein. Zumindest wenn man der Übersicht bei “Handyreparaturvergleich” glaubt.

Handyreparaturen

Meins ist mir schon vor einer Weile gesprungen – was zum spontaten Kauf des Nexus 5 führte. Aber jetzt ist im Haushalt das Galaxy Nexus defekt (Wasserschaden, Einschaltknopf kaputt) und da lohnt sich die Investition von ca. 100 Euro in ein neues Nexus 4-Display doch wieder.

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