Das Digitale zu Tuende

Netzpolitik.org hat einen Entwurf zur “Digitalen Agenda” der Bundesregierung veröffentlicht. Beschlossen werden soll das Papier am 20. August im Kabinett.

Bei tagesschau.de hat Marie-Kristin Boese bereits vorgestern eine längere erste Analyse aufgeschrieben.

Ihr Fazit:

Immerhin: Der Agenda-Entwurf benennt Herausforderungen und mögliche Lösungswege. Vieles soll gefördert, gestärkt, ausgebaut, diskutiert werden. Die Ministerien beschreiben die Umsetzung der Digitalen Agenda als “offenen, nicht abschließenden Prozess”. Denn eins scheint auch ihnen klar zu sein: Die Aufgabe ist riesig und der Kabinettsbeschluss nur der erste Schritt. Danach muss die Regierung Gas geben, Ankündigungen in die Tat umsetzen. Denn die Zeit, Deutschland für’s Internet-Zeitalter fit zu machen, läuft.

Google kann doch kein Auto bauen

Google kann doch kein Auto bauen. Ähnliche Gedanken wie bei Renault wird man sich vor einigen Jahren auch bei Plattenlabels und in der TV-Branche gemacht haben. Diese Computer- und Internet-Konzerne, was verstehen die denn schon von unserem Business? Die werden sich wundern, wie schwierig das alles ist. Dann kamen iTunes, Netflix & Co. Und gewundert haben sich ganz andere.

Heute hört sich das so an:

Googles selbstfahrende Autos müssen etablierten Herstellern nach Einschätzung von Renault-Chef Carlos Ghosn keine großen Sorgen bereiten. Fahrzeuge zu bauen mache viel Arbeit und die Margen seien vergleichsweise gering, sagte der Manager am Dienstag auf einer Veranstaltung zum Thema “Das Auto der Zukunft” in Paris.

Gut möglich, dass er Recht hat. Aber angesichts der Disruption in so vielen anderen Branchen klingt es auch ein wenig überheblich. Oder wie das Pfeifen im Wald. Wer weiß, vielleicht findet das Zitat einmal Eingang in diese hervorragende Liste von Fehlprognosen der IT-Geschichte.

Denn spannend ist allemal, dass Google nach ersten Versuchen, IT nur als Hilfe für den Fahrer einzusetzen, schnell dazu gekommen ist, dass das nicht funktioniert. Weil der Mensch so nicht funktioniert. Und deshalb ein vollautomatisches Auto die bessere Alternative ist.

Sicher hat Renault-Chef Ghosn Recht, dass es eine Vielzahl offener Fragen gibt, eben vor allem rechtliche Probleme und Haftungsfragen bei so einem Roboterauto. Ich bin mir auch sicher, dass wir vor allem hierzulande genau diese ganzen Probleme sehr, sehr ausführlich durcharbeiten werden. Und auf jeden Fall auch noch Datenschutzfragen, denn am Ende weiß sicher nicht nur der Roboter am Steuer wo wir sind, sondern auch Google & Co. und vielleicht sogar die eigene Versicherung. Das sind ernstzunehmende Probleme, keine Frage, und angesichts der NSA-Affäre muss Datenschutz beim autonomen Fahren einen sehr, sehr großen Stellenwert bekommen. Nur: Die Technik wird sich Bedenken hin, Bedenken her kaum aufhalten lassen. Wer mal ein paar Stunden über die Autobahn fährt weiß auch schnell, warum das gut so ist.

Und während es zumindest sein könnte, dass die etablierten Unternehmen das Thema ignorieren oder mit geringer Priorität behandeln und Politik und Gesellschaft hierzulande einen Meta-Diskurs starten, machen die Amis mal. Und bauen eine Test-Stadt für autonomes Fahren.

Sex sells. Vielleicht.

Es gibt Zeitungen, die haben eine Paywall eingeführt. Für Artikel muss der geneigte Leser auch online bezahlen. Allerdings nicht für alle Artikel, irgendwie will man ja doch noch ein paar Klicks behalten und auch noch was von den Werbeeinnahmen einstreichen bzw. sich mit der Reichweite brüsten.

Interessant ist aber, was man an so einem Abend wie heute da zum Beispiel umsonst lesen kann:

  • Am Dienstag Entscheidung zu Welzow-Süd: Die Kohle bringt den Linken Ärger
  • Zuschlag für Europameisterschaft 2016: Brandenburg rudert der Konkurrenz davon
  • Studie zum Kita-Essen: Zu viel Fleisch, zu wenig Gemüse
  • Todesfall auf dem größten Fallschirmsprungplatz Deutschlands: Berliner Polizist stürzt in den Tod
  • Linowerin Manuela N. soll eine Kuh nicht ausreichend versorgt haben: Strafe wegen Verstoß gegen Tierschutzgesetz
  • Zwei schwere Unfälle auf der Autobahn: A10 bei Ludwigsfelde stundenlang gesperrt
  • Prignitzer Kreistag soll Entwurfsplanung für Windräder diskutieren: Keine Sommerpause für Windparkgegner
  • Wolfswelpe im Tierpark Kunsterspring hat neuen Namen: Sie nannten ihn Solo

Das heißt, von den 9 Artikeln auf der Startseite, die mit Text angeteasert sind, kostet keiner Geld. Äh, Moment, 9 Artikel – das sind doch nur 8. Stimmt, ein Artikel ist nämlich bepreist:

  • Mieter wenden sich an die MAZ: Krach um Puff im Plattenbau

Puff im Plattenbau

Da kann man ja wirklich nur die Daumen drücken, dass Sex sells.

194.644 Idioten?

Oder wie anders kann man sich erklären, dass die Seite “Adolf Hitler” bei Facebook 194.644 “Gefällt mir”-Angaben hat?

Adolf Hitler sammelt bei Facebook Fans

Wobei man sich ja auch fragen kann, warum Facebook überhaupt eine solche Seite ohne jeglichen Inhalt, also nur zum Kenntlichmachen mit “Gefällt mir” überhaupt anbietet.

Auf der anderen Seite verschafft das doch einen guten Überblick über 194.644 Leute.

1,2,3 – mein Passwort

Mal eben schnell das Passwort ändern. Das rät Ebay, weil da ein paar (Millionen) Nutzerdaten verschwunden sein könnten.

Und da hat auch der Bundesjustizminister einen Tipp:

Am Donnerstag hat auch Bundesjustizminister Heiko Maas den Vorfall kommentiert. “Internetanbieter sind in der Pflicht, mehr zum Schutz der Passwortdaten und persönlicher Daten ihrer Kunden zu tun”, sagte er. “Verbraucherinnen und Verbrauchern ist zu raten, jetzt nicht nur ihr Ebay-Passwort zu ändern, sondern auch die Zugangsdaten für andere Konten, wenn sie dort ein identisches Passwort benutzt haben.”

Und wenn sie dann dabei sind, bitte nicht wieder überall das selbe neue Passwort benutzen. Das hätte der Minister hinzufügen können. Nie, nie, nie das gleiche Passwort an verschiedenen Stellen benutzen. Also sofern einem irgendwas an den dort per Passwort geschützten Inhalten liegt.

Und wo es geht dann noch Zwei-Faktor-Authentifizierung nutzen. Dann nützt im Zweifelsfall den Bösewichten das ergaunerte Passwort einfach überhaupt nichts. Wer z.B. bei eBay auch Paypal nutzt, der kann dort jede Transaktion durch eine SMS schützen, so ähnlich wie beim Online-Banking. Wer darauf verzichtet, verzichtet auch auf ein Stück Sicherheit.

Roboterjournalismus

Roboterjournalismus ist, wenn Maschinen aus Daten Texte schreiben. Das kann – etwas bei Sport oder Börsenkursen – zumindest auf Englisch ganz gut funktionieren.

Aber es gibt auch anderen Roboterjournalismus. Den, in dem eher unintelligente Algorithmen die von den Nachrichtenagenturen gelieferten Überschriften einfach ins Layout zwängen. Wie hier zum Beispiel:

Roboboterjournalismus

Immerhin liegt das vor der neu eingeführten Paywall. Vielleicht gibt es gegen Geld auch Qualitätsjournalismus Qualitätslayout.