Digital Detox Region Brandenburg

Aufwändig enttechnisiserte Mark Brandenburg

Brandenburg hat es nicht leicht. Während das kleine gallische Dorf stest damit protzen kann, dass es vom großen römischen Imperium umzingelt ist und bei ihm immer was los ist (Feste! Wildschweinjagd! Abenteuer!) ist es mit Brandenburg halt doch etwas anders. Man liegt selbst groß, flach und ein bisschen leer um dieses hippe Berlin herum und kann damit protzen… naja, dass man um Berlin herum liegt. Diesem Berlin, dass selbst aus dem Pleitesein noch irgendwie was Kultiges macht (Sex! Glamour! Party!) und dem sicher irgendwann auch noch einfallen wird, dass der Pannenflughafen BER eigentlich in BRB liegt und auch so heißen sollte. Und das ansonsten diese mega-coole Start-up-Szene hat, mit Web, Mobile, Apps & dem ganzen Technikkram.

Aber, und jetzt aufgepasst, das ist auch die Chance für die landschaftlich reizvollen Landstriche von Märkisch-Oderland bis zur Prignitz, von Oberspreewald-Lausitz bis in die Untiefen der Uckermark. Denn ein neuer Trend kommt aus dem Silicon Valley herüber: Digital Detox.

Dort haben die Hippen und Coolen aus den Hightechbuden, deren Namen wir ständig in unsere Internetbrowser eintippen, die Schnauze voll von Always-on. Sie suchen die Einsamkeit der Wälder um mal richtig auszuschalten. Wichtigste Regel eines sogenannten “Digital Detox”-Camps:

keine Handys, keine Computer, Tablets oder Uhren.

Ha! In Brandenburg könnte man auf die Regeln verzichten (also vielleicht außer die mit den Uhren). Wer schon mal am Werbellinsee versucht hat, online zu gehen oder auch nur den Bekannten auf der anderen Seite seinen Standort durchzugeben, der weiß: Hier gibt’s kein Netz, hier sind alle offline im Hier und Jetzt. Ein gigantischer Standortvorteil, den die Mark nicht schon wieder verschlafen und zunichte machen darf, durch neue UMTS- und LTE-Masten und Internet bis in letzte Dorf.

Jetzt wäre die Chance, sich aus der Digitalen Agenda ausklammern zu lassen, Nein zu sagen. Hier sind wir offline, hier darf man’s sein. Bald kommen die Berliner an, zahlen viel Geld für Urlaub ohne Netz, und nutzen ihre Smartphones nur, um die Heringe auf dem Zeltplatz einzuschlagen und die Tablets, damit die Picknick-Decke nicht wegfliegt. Und bis es soweit ist, sorgen die cleveren Standortmarketingler aus Potsdam und Umgebung mit geschickter Pressearbeit für Digital-Terror in der Hauptstadt, verbreiten Angst und Schrecken vor stabilen Netzverbindungen und hohem Datendurchsatz.

Achtung! Smartphones töten (fast)!

Und auf die Autobahnschilder wird stolz gepinselt: “Digital Detox Region Brandenburg”.

PhotoRec, sei an mein Herz gedrückt

Am Anfang wollte ich gar nicht glauben, was ich da sehen musste. Dann begann ich unkontrolliert zu zittern. Aber am Ende gab es eine überraschende Wendung. So ähnlich würde wohl heftig.co & Co. diesen Blogbeitrag anteasern (und ich heute auch mal). Was ist geschehen?

Sonntag, höchste Zeit mal Ordnung in die Fotosammlung zu bringen. Von der Kita-Fahrt warten die Bilder auch noch aufs Bearbeiten, Sortieren und an die Mitfahrenden Verteilen. Also, die Nikon geholt. Nebenbei ein Blick aufs Display. 420 Bilder verfügbar. Auf die 4GB-Karte passen so 600+x Bilder drauf, also da ist einiges zu holen.

Nur: Die Kamera zeigt nur 8 Bilder an. 8. In Worten: acht! Und kein einziges von der Fahrt. Sondern von Tagen später. Also das passiert, was sonst nur anderen passiert: Datenverlust.

Kurzes Googeln zeigt: Auf Ubuntu PhotoRec benutzen. Gehört zum Tool TestDisk, das man ruckzuck installieren kann

Gestarte mit

und schon öffnet sich eine schlichte Oberfläche. Die Speicherkarte in der mit dem Computer verbundenen Kamera wird auch gefunden und angezeigt (kleiner Tipp: Ein klein bisschen Computererfahrung schadet bei dem Tool nix, blutige Laien sollten lieber einen Bekannten fragen). Und dann…

…wird beim ersten Durchlauf nix angezeigt. Der dauert auch nur wenige Sekunden. Und nix. Nada. Gar nix. Keine einzige gerettete Datei.

Aus purer Verzweiflung habe ich PhotoRec nochmal gestartet, im Expertenmodus und bei der Frage, ob ich eine Formatierung rückgängig machen will, mit Ja geantwortet. Aber am Ende des Fragendurchlaufs… wieder keine geretteten Dateien.

Noch ein dritter Start. Das ist eigentlich alles keine gute Idee, einfach so drauf los zu probieren… aber hey, die Fotos sind doch ohnehin verloren, oder?

Und jetzt… jetzt zeigt er plötzlich eine neue Partition an. Und beginnt sie zu durchsuchen. Länger als eine Stunde. Und schreibt Foto nach Foto auf die Festplatte.

PhotoRec hat gute Arbeit geleistet

Das war knapp. Und ich hab auch gleich was gespendet.

Das Digitale zu Tuende

Netzpolitik.org hat einen Entwurf zur “Digitalen Agenda” der Bundesregierung veröffentlicht. Beschlossen werden soll das Papier am 20. August im Kabinett.

Bei tagesschau.de hat Marie-Kristin Boese bereits vorgestern eine längere erste Analyse aufgeschrieben.

Ihr Fazit:

Immerhin: Der Agenda-Entwurf benennt Herausforderungen und mögliche Lösungswege. Vieles soll gefördert, gestärkt, ausgebaut, diskutiert werden. Die Ministerien beschreiben die Umsetzung der Digitalen Agenda als “offenen, nicht abschließenden Prozess”. Denn eins scheint auch ihnen klar zu sein: Die Aufgabe ist riesig und der Kabinettsbeschluss nur der erste Schritt. Danach muss die Regierung Gas geben, Ankündigungen in die Tat umsetzen. Denn die Zeit, Deutschland für’s Internet-Zeitalter fit zu machen, läuft.

Google kann doch kein Auto bauen

Google kann doch kein Auto bauen. Ähnliche Gedanken wie bei Renault wird man sich vor einigen Jahren auch bei Plattenlabels und in der TV-Branche gemacht haben. Diese Computer- und Internet-Konzerne, was verstehen die denn schon von unserem Business? Die werden sich wundern, wie schwierig das alles ist. Dann kamen iTunes, Netflix & Co. Und gewundert haben sich ganz andere.

Heute hört sich das so an:

Googles selbstfahrende Autos müssen etablierten Herstellern nach Einschätzung von Renault-Chef Carlos Ghosn keine großen Sorgen bereiten. Fahrzeuge zu bauen mache viel Arbeit und die Margen seien vergleichsweise gering, sagte der Manager am Dienstag auf einer Veranstaltung zum Thema “Das Auto der Zukunft” in Paris.

Gut möglich, dass er Recht hat. Aber angesichts der Disruption in so vielen anderen Branchen klingt es auch ein wenig überheblich. Oder wie das Pfeifen im Wald. Wer weiß, vielleicht findet das Zitat einmal Eingang in diese hervorragende Liste von Fehlprognosen der IT-Geschichte.

Denn spannend ist allemal, dass Google nach ersten Versuchen, IT nur als Hilfe für den Fahrer einzusetzen, schnell dazu gekommen ist, dass das nicht funktioniert. Weil der Mensch so nicht funktioniert. Und deshalb ein vollautomatisches Auto die bessere Alternative ist.

Sicher hat Renault-Chef Ghosn Recht, dass es eine Vielzahl offener Fragen gibt, eben vor allem rechtliche Probleme und Haftungsfragen bei so einem Roboterauto. Ich bin mir auch sicher, dass wir vor allem hierzulande genau diese ganzen Probleme sehr, sehr ausführlich durcharbeiten werden. Und auf jeden Fall auch noch Datenschutzfragen, denn am Ende weiß sicher nicht nur der Roboter am Steuer wo wir sind, sondern auch Google & Co. und vielleicht sogar die eigene Versicherung. Das sind ernstzunehmende Probleme, keine Frage, und angesichts der NSA-Affäre muss Datenschutz beim autonomen Fahren einen sehr, sehr großen Stellenwert bekommen. Nur: Die Technik wird sich Bedenken hin, Bedenken her kaum aufhalten lassen. Wer mal ein paar Stunden über die Autobahn fährt weiß auch schnell, warum das gut so ist.

Und während es zumindest sein könnte, dass die etablierten Unternehmen das Thema ignorieren oder mit geringer Priorität behandeln und Politik und Gesellschaft hierzulande einen Meta-Diskurs starten, machen die Amis mal. Und bauen eine Test-Stadt für autonomes Fahren.

Sex sells. Vielleicht.

Es gibt Zeitungen, die haben eine Paywall eingeführt. Für Artikel muss der geneigte Leser auch online bezahlen. Allerdings nicht für alle Artikel, irgendwie will man ja doch noch ein paar Klicks behalten und auch noch was von den Werbeeinnahmen einstreichen bzw. sich mit der Reichweite brüsten.

Interessant ist aber, was man an so einem Abend wie heute da zum Beispiel umsonst lesen kann:

  • Am Dienstag Entscheidung zu Welzow-Süd: Die Kohle bringt den Linken Ärger
  • Zuschlag für Europameisterschaft 2016: Brandenburg rudert der Konkurrenz davon
  • Studie zum Kita-Essen: Zu viel Fleisch, zu wenig Gemüse
  • Todesfall auf dem größten Fallschirmsprungplatz Deutschlands: Berliner Polizist stürzt in den Tod
  • Linowerin Manuela N. soll eine Kuh nicht ausreichend versorgt haben: Strafe wegen Verstoß gegen Tierschutzgesetz
  • Zwei schwere Unfälle auf der Autobahn: A10 bei Ludwigsfelde stundenlang gesperrt
  • Prignitzer Kreistag soll Entwurfsplanung für Windräder diskutieren: Keine Sommerpause für Windparkgegner
  • Wolfswelpe im Tierpark Kunsterspring hat neuen Namen: Sie nannten ihn Solo

Das heißt, von den 9 Artikeln auf der Startseite, die mit Text angeteasert sind, kostet keiner Geld. Äh, Moment, 9 Artikel – das sind doch nur 8. Stimmt, ein Artikel ist nämlich bepreist:

  • Mieter wenden sich an die MAZ: Krach um Puff im Plattenbau

Puff im Plattenbau

Da kann man ja wirklich nur die Daumen drücken, dass Sex sells.

194.644 Idioten?

Oder wie anders kann man sich erklären, dass die Seite “Adolf Hitler” bei Facebook 194.644 “Gefällt mir”-Angaben hat?

Adolf Hitler sammelt bei Facebook Fans

Wobei man sich ja auch fragen kann, warum Facebook überhaupt eine solche Seite ohne jeglichen Inhalt, also nur zum Kenntlichmachen mit “Gefällt mir” überhaupt anbietet.

Auf der anderen Seite verschafft das doch einen guten Überblick über 194.644 Leute.

1,2,3 – mein Passwort

Mal eben schnell das Passwort ändern. Das rät Ebay, weil da ein paar (Millionen) Nutzerdaten verschwunden sein könnten.

Und da hat auch der Bundesjustizminister einen Tipp:

Am Donnerstag hat auch Bundesjustizminister Heiko Maas den Vorfall kommentiert. “Internetanbieter sind in der Pflicht, mehr zum Schutz der Passwortdaten und persönlicher Daten ihrer Kunden zu tun”, sagte er. “Verbraucherinnen und Verbrauchern ist zu raten, jetzt nicht nur ihr Ebay-Passwort zu ändern, sondern auch die Zugangsdaten für andere Konten, wenn sie dort ein identisches Passwort benutzt haben.”

Und wenn sie dann dabei sind, bitte nicht wieder überall das selbe neue Passwort benutzen. Das hätte der Minister hinzufügen können. Nie, nie, nie das gleiche Passwort an verschiedenen Stellen benutzen. Also sofern einem irgendwas an den dort per Passwort geschützten Inhalten liegt.

Und wo es geht dann noch Zwei-Faktor-Authentifizierung nutzen. Dann nützt im Zweifelsfall den Bösewichten das ergaunerte Passwort einfach überhaupt nichts. Wer z.B. bei eBay auch Paypal nutzt, der kann dort jede Transaktion durch eine SMS schützen, so ähnlich wie beim Online-Banking. Wer darauf verzichtet, verzichtet auch auf ein Stück Sicherheit.