andreas streim

buchstaben, wörter, sätze & mehr

Maschinenstürmer

Die Meldung ist schon ein paar Tage alt, aber in Frankreich haben Taxifahrer nicht nur mit einem Autokorso gegen die US-Konkurrenz von Uber demonstriert, sie haben auch Barrikaden errichtet, Reifen angezündet und Fahrzeuge, die sich offenbar nicht an einen Streik gehalten haben, mit Latten und Baseballschlägern angegriffen.

Ausschreitungen gegen Uber

Natürlich müssen sich auch Start-ups, die mit digitalen Geschäftsmodellen alles über den Haufen werfen, an Regeln und Gesetze halten. Aber so wie es in dem Artikel klingt, haben sie in Frankreich halt den Rechtsweg beschritten – und nach den Protesten hat sich die Regierung genötigt gesehen, mal diesen Weg abzukürzen und Uber abzuschalten (ob’s was genutzt hat?).

Egal wie dieser Konflikt ausgeht, eines gilt: So wenig wie Maschinenstürmerei die Manufakturen gerettet und den technischen Fortschrit verhindert hat, genauso wenig lassen sich die Entwicklungen der Digitalisierung auf diese Weise aufhalten. Nicht zuletzt weil viele dieser Dienste einfach für den Kunden „besser“ im Sinne von anwenderfreundlicher, bequemer sind. Billiger ist da oft gar nicht das entscheidende Kriterium.

Das mit dem Handel wird nix mehr

Es gibt Tage, an denen würde man gerne etwas kaufen und sofort mit nach Hause nehmen. Das kann viele Gründe haben. Zum Beispiel weil der Sohn sich in den Kopf gesetzt hat, dass er eine Uhr im Kinderzimmer haben möchte, an der Wand. Und zwar um zu versuchen, so lange im Bett wach zu liegen, bis das Spiel der Frauenfußball-Weltmeisterschaft um 22 Uhr anfängt. Aber der Grund ist jetzt eigentlich nicht so wichtig. Nur dass wir diese Uhr am Samstag kaufen und haben wollen und nicht erst am Dienstag oder Mittwoch. Naja, immerhin wohnen wir ja in einer großen Stadt. Das ist ein Vorteil, schließlich gibt’s ja hier viele Geschäfte. Aber das ist auch ein Nachteil, denn die Stadt ist halt groß und die Wege sind weit. Aber fahren wir halt die paar Stationen mit der U-Bahn zum Alexanderplatz, da ist ein großer, schöner Kaufhof und das Warenhaus zeichnet sich doch dadurch aus, dass man dort alles bekommt. Unter einem Dach. Man bekommt auch eine ganze Menge, zum Beispiel sündhaft teure Chronometer für jede Gelegenheit oder in der Spielwarenabteilung ganze Regalmeter in Prinzessin Lillyfee oder Captain Sharky. Aber keine einzige Wanduhr. Lapidare Auskunft: Führen wir nicht. In nahegelegenen Elektromärkten zeigt sich, dass die Idee eine Uhr für die Wand zu kaufen ungefähr so naheliegend ist wie ein Röhrenradio aufzutun. Uhren für die Wand, so meine These, sind ein Auslaufmodell. Die Digitalisierung wird diese Produkte verdrängen, die Zeitanzeige ist ein Nebenprodukt von Smartphone, Smartwatch & Co. Und bald wird uns unser persönlicher digitaler Assistent eh abnehmen, noch auf die Uhr zu schauen, und uns einfach erinnern, was wir als nächstes tun müssen wollten. Und wenn man so ein simples Ding wie Wanduhr für Kinderzimmer haben will, dann steht man in so einem Konsumtempel, der sich gerne selbst nach den US-Vorbildern Mall nennen würden, wie dem „Alexa“ echt ziemlich blöd da. Wo könnte es sowas geben? Welche Produktkategorie auf der Hinweistafel (Kinder? Freizeit? Elektrogeräte?) könnte nur in die Nähe einer Lösung führen? Die Lösung kommt dann durch Hunger des Kindes, dem Wunsch nach Heimweg und dem Vorhandensein der Amazon-App auf dem Smartphone. Dort führt die simple Eingabe „Uhr Wand Kinderzimmer“ zu einer ganzen Reihe von Treffern, aus denen man die ganzen schlecht bewerteten („Uhrwerk viel zu laut“) einfach aussortieren kann und noch genug Auswahl hat. Bilanz: gut 2 1/2 Stunden durch die Stadt gelaufen, ergebnislos. Nicht mal zehn Minutne gesurft und geklickt, Uhr gefunden und gekauft. Der Online-Handel hat mal wieder den stationären Handel geschlagen, und die zwei, drei Tage Lieferzeit überbrücken wir mit dem Ausleihen unserer Küchenuhr ans Kinderzimmer, für die Nächte.

Ehe für alle

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Ein Papa von 70

Im Netz gibt es ja das literarische Format „Mama Blog“. Mütter bloggen über ihre Erlebnisse mit ihren Kindern. Oder gerne auch über die Zeit davor. Für dieses Genre gilt: Es kommt weniger auf die wahnsinnig spannenden Erlebnisse an als darauf, auch weniger kribbelige Alltagssituation unterhaltsam zu schildern.

Aus diesem Genre sind dann irgendwann „Papa Blogs“ entstanden. Weil Väter schließlich auch Erlebnisse mit ihren Kindern haben und auch darüber nachdenken, wie das mit dem Nachwuchs so ist. Mein Blog ist bestimmt kein Papa Blog, wobei ich auch Papa bin und hin und wieder die Dinge, über die ich schreibe, davon inspiriert sind, dass ich Kinder habe.

Tortzdem bin ich jetzt in so eine ähnliche Riege aufgenommen, die Twitter Papas. Also Twitterer, die zumindest irgendwie ein bisschen auch darüber definiert sind, dass sie Väter sind. Und davon gibt es mindestens 70, denn die wurden bei „Superpapas“ zu einer Geschichte verarbeitet. In der ich auch vorkomme:

(…)Vorm Schlafengehen kommt dann noch die entscheidende Frage.

„Du, wann machen wir eigentlich mal wieder eine Reisepapa?“

„Jederzeit gerne. Was hältst Du von einem Ausflug in ein Sebat oder wollen wir lieber auf den großen Weddingerberg fahren?“

„Gibt es auf dem Berg auch Netzvater? Der TimAugustin war letztens in Ostwestf4le, da soll es auch superpapasein. Und wenn wir schon auf dem Weg sind, können wir ja über Offenbeach fahren.“

„astreim, morgen geht’s los!“

Wer in dem Textabschnitt alle Twitternamen entdeckt, ohne vorher hier nachzuschauen, darf sich selbst auf die Schulter klopfen.

Die Macht der Medien

…oder: Ich möchte gerne glauben, dass mein Tweet

dazu geführt hat, dass es jetzt hier so aussieht:

Bugawerbung

Da ist zwar noch Luft nach oben, aber ein Fortschritt ist eindeutig zu erkennen.

Viele Kitaplätze alleine reichen nicht

Als ich vor knapp 5 Jahren unseren großen Sohn zum ersten Mal in die Kita gebracht habe, da hatte ich schon ein mulmiges Gefühl. Als westsozialisierter Papa hat man ja schon so sein Fragen, ob das gut sein kann, so ein winziges, kleines Kind alleine in eine so fremde Umgebung zu schicken. Mit so vielen anderen Kindern und Menschen, die sich Erzieher/in nennen. Um es kurz zu machen: wie Sohnemann (und später sein kleiner Bruder) reagiert haben, hat dieses mulmige Gefühl schnell vertrieben. Wenn etwas nicht gut für die Knirpse wäre, dann würden sie sicher nicht so freudig (zumindest die allermeisten Tage) dorthin gehen. Und wenn es nicht gut wäre, wie hätten sie da so wahnsinnig viele tolle Sachen lernen können, von denen sich Papa (und Mama) immer wieder fragt, woher können die das?

Das ist der schöne Teil der Geschichte. Wer sich aber mal viele Kitas in Berlin anschaut, die Raumsituation und vor allem die Personalsituation, dem gruselt es schon. Vor allem wenn man beobachtet, wie sich das in den vergangenen fünf Jahren, die ich überblicken kann, immer weiter zum Schlechteren verändert hat – aber das ist eine andere Geschichte, die ich hier bestimmt bald mal erzähle. Luxuriöse Neubauprojekte oder Projekte, bei denen es auf ein paar (Dutzend) Millionen nicht ankommt, die sieht man in Berlin (und nicht nur da) zuhauf. Es sind ganz verschiedene Projekte, aber eines ist ihnen gemein: Sie haben ganz bestimmt nix mit Kindern oder mit Bildung zu tun.

In der Kita ist es schon so, dass der Betreuungsschlüssel eine rein theoretische Größe ist. Würde man schlicht und einfach mehr Personal finanzieren, dann wäre schon viel gewonnen. Und, ja, das würde sicher eine Menge Geld kosten. Und, nein, ich habe jetzt keinen sofortigen Vorschlag, wo das herkommen könnte, wenn mir nicht purer Populismus vorgeworfen werden soll. Aber genau dafür habe ich ja ein paar Politiker eingestellt, die diese praktischen Probleme lösen sollen habe ich ja gewählt. Und es ist meiner Meinung nach die verdammte Aufgabe deren Job, sich genau darum zu kümmern. Darum, dass Kinder in dieser Stadt die bestmögliche Bildung und Betreuung bekommen. Es wäre ihr Job dafür zu sorgen, dass Berlin dafür bekannt ist, die besten, schönsten und tollsten Kitas und Schulen zu haben, nicht die prächtigsten Schlossimitationen oder großspurigsten Großflughäfen.

Das ist nicht nur meine Meinung, sondern das sehen auch 455 Pankower Eltern und Erzieher so, die sich für einen besseren Betreuungsschlüssel an den Kitas einsetzen und dafür unterschrieben haben. 455 ist sicher noch viel zu wenig, aber wer weiß, wie mühsam es heutzutage ist, jemanden zu einer handschriftlichen Unterschrift zu überreden, der wird die Zahl anders bewerten.

Förderverein „Villa Schabernack“ e.V.
Stavangerstraße 6-8
10439 Berlin

PRESSEMITTEILUNG

Mehr als 450 Pankower Eltern unterschreiben Forderungspapier für mehr Qualität in Berliner Kitas. Die Unterschriften werden vom Kita-Förderverein „Villa Schabernack“ e.V. am 23. Juni um 16 Uhr an Ilja Koschembar, Pressesprecher für Jugend und Familie der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft in der Bernhard-Weiß-Str. 6 übergeben.

Berlin-Pankow, 22. Juni 2015: Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft bekommt Besuch: Kinder aus verschiedenen Berliner Kitas sowie Vertreter des Fördervereins „Villa Schabernack“ e.V. werden gemeinsam die gesammelten Unterschriften für einen besseren Betreuungsschlüssel in Berliner Kitas überreichen. 455 Pankower Eltern und Erzieher aus unterschiedlichen Kindertagesstätten unterstützen das Forderungspapier des Förderverein „Villa Schabernack“ e.V.

Darin fordern die Eltern und Erzieher mehr Personal und einen besseren Betreuungsschlüssel, in dem Krankheit, Urlaub und zeitlicher Mehraufwand für Organisation und Dokumentation der Erzieher/-innen angemessen berücksichtigt werden. „Eine optimale frühkindliche Förderung und eine bestmögliche pädagogische Arbeit erfordert ausreichend Personal“, sagt die Vorsitzende des Fördereins „Villa Schabernack“ e.V., Bettina Dettendorfer.

Die Fehlzeiten und der Zeitaufwand für organisatorische Aufgaben, in denen sich die Erzieher/innen nicht den Kindern widmen können, summieren sich auf 37 % der eingeplanten Arbeitszeit. Eine Aktualisierung des Betreuungsschlüssels, dessen Grundlagen auf das Jahr 1978 zurückgehen, ist längst überfällig. „Die Auswirkungen dieser Personalpolitik in Schieflage spüren Eltern ebenso wie die Kinder und die Mitarbeiter/innen in den Kitas tagtäglich: die Erzieher/innen sind überlastet, werden stressbedingt häufiger krank, haben keinen Freiraum mehr für kreative Angebote, weil die Grundbetreuung der Kinder gesichert werden muss“, so Dettendorfer.

Der Förderverein „Villa Schabernack“ e.V. verschickt das Forderungspapier „ Unsere Kinder, unsere Zukunft – aktiv für mehr Qualität in Berliner Kitas“ zusammen mit den 455 Unterschriften ebenfalls an den Berliner Finanzsenator, die Bundesbildungsministerin Manuela Schwesig und an Senats-Abgeordnete des Bezirks Pankow. „Immer wieder betonen Politiker die Bedeutung der Kinder und deren Bildung für unsere Gesellschaft. Das Berliner Bildungsprogramm liest sich auch sehr gut.“, so Dettendorfer. „Aber dir Umsetzung dessen ist nicht zum Nulltarif zu bekommen. Es ist überfällig, für eine hohe Qualität der Betreuung in den Kitas die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen und die entsprechenden Finanzmittel bereitzustellen.“

455 Unterschriften, by the way, die entgegenzunehmen die Bildungssenatorin leider, leider keine Zeit hat und in ihrer Bürgersprechstunde sich mit solchen nervigen Dingen sich mit solchen Senats-Themen nicht befassen möchte. Klar, Familienpolitik ist für den Senat zentrales Thema, wie er gerade gestern herausposaunt hat. Aber leider eben nur dann, wenn man sich nicht selbst zusammen mit echten Eltern damit auseinandersetzen muss und vor allem dann, wenn es kein Geld kostet.

Halt! Stopp! Mindestlohn!

Also wenn Werbeplakate so funktionieren würden wie Suchmaschinenoptimierung für Webseiten in den 90er Jahren, Verdi und die NGG würden so richtig abräumen. Satte vier mal steht das Wort „Mindestlohn“ auf diesem Großplakat unweit des Regierungsviertels an der Spree.

Mindestlohnwerbung

Trotzdem, ich kann mir nicht helfen. Mein erster Gedanke war „Verkehrssicherheitskampagne“. Und als bei mir irgenddwas Klick gemacht hat und ich Gewerkschaft assoziiert hatte, fiel mir nur „GdP – Gewerkschaft der Polizei“ ein. Aber warum werben die hier so offensiv um Mitglieder.

Der Denkfehler ist vermutlich, dass eigentlich niemand bei so einer Polizeikelle positive Assoziationen hat, also selbst wenn die grün und nicht rot zeigt. Dass dann noch das Plakat irgendein Kunstwerk darunter verdrängt hat, von dem jetzt noch drei geköpfte Gestalten übrig sind, die auch irgendwie eher bedrohlich als sympathisch rüberkommen, hilft da dann auch nicht mehr wirklich weiter.

Der Westernheld auf meiner Festplatte

Ich bin ja ein großer Anhänger der These, dass jeder Programmieren können sollte. Weil man so besser die Welt um einen herum verstehen kann (die von Algorithmen geprägt ist) und weil man sich selbst ganz oft ganz viel Arbeit abnehmen kann. Indem man mal schnell ein kleines Programm schreibt, das ein Problem viel besser und effizienter löst als Handarbeit oder irgendwelche fertigen Programme von der Stange. Dabei bin ich ein großer Fan von Python. Eine wunderbar simple Programmiersprache, mit der man rasch mal was hinschludern kann, was einfach funktioniert, oder mit der man auch wirklich schön und elegant am Code feilen kann. Dann hat man ein paar handliche Skripte, die eine unglaublich tolle Datenbank füttern – und dann? Wie kann man sich diese Daten in der Datenbank am besten anschauen, wie kann man etwas damit machen? Früher wäre die Antwort klar gewesen. Man braucht eine Bedieneroberfläche, also ein Programm, das auf dem eigenen Rechner läuft und einem die Daten anzeigt. Früher. Heute ist ja alles Web. Und was liegt näher, die ganze Datenausgabe und Datenverwertung in eine Weboberfläche zu verlagern? Eben. Nix. Deshalb wohnt seit diesem Wochenende ein echter Westernheld auf meiner Festplatte.

Ich habe mir Django installiert. Das Tolle daran: Innerhalb von nicht mal 30 Minuten hatte ich meine erste kleine Webanwendung geschrieben. Zugegeben, noch längst nicht die Oberfläche, die mal über meinen eigenen Daten liegen soll, aber klar ist: So einfach kann es sein, nicht einfach nur eine Website zu erstellen, sondern eine echte Webanwendung. Wer sich selbst mit ein bisschen Python-Grundkenntnissen Django beibringen will, dem lege ich das Buch „Hellowebapp“ ans Herz. Ich habe mir für ein bisschen mehr als 13 Euro die Ebook-Version gekauft. Sicher, es gibt viele Tutorien im Netz, aber keines davon hat mir den einfachen Start so schmackhaft gemacht wie dieses Buch. Es erläutert sicher bei Weitem nicht alle Möglichkeiten, alle Variationen, sondern es führt Schritt für Schritt zu einer eigenen Webapp, die einen vorher klar definierten Funktionsumfang hat. Und, ja, mir gefällt Django. Und, ja, der Kerl geht mir auch schon auf die Nerven. Weil zum Beispiel das Weiterbenutzen einer bereits bestehenden Datenbank nicht so simpel ist, wie es sein sollte. Hätte ich nicht so viel Respekt vor dem Westernheld hätte ich ihn vielleicht auch in den vergangenen zwei Tagen aus Frust schon mal kurz abgeknallt. Aber Frust, hey, das gehört zum Programmieren dazu. Das ist ja das Schöne an der Sache. Auf Probleme stoßen, daran (fast) Verzweifeln und sie schließlich lösen. Oder für alle die, die sich das nicht vorstellen können: Wie ein Sudoku fertigstellen – nur viel besser.

München muss man lieben, in Berlin liebt man

Wir haben beim BITKOM gerade eine Umfrage unter mehr als 200 Start-up-Gründern gemacht und dabei unter anderem gefragt, aus welchen Gründen sie sich für den Standort ihres Start-ups entschieden haben. Vielleicht ein bisschen überraschend: Irgendwelche lokalen Förderprogramme, eine hohe Dichte an Investoren oder gar total unbürokratische Ämter mit Start-up-Lotsen hinter jedem „Hier eine Wartenummer ziehen“-Schalter spielen jetzt nicht so die zentrale Rolle. Sondern Gründer gründen vor allem da, wo sie sich persönlich wohl fühlen – sei es, weil es nahe an Familien und Freunden ist oder weil sie sich eine hohe Lebensqualität in der Stadt versprechen.

Warum sich Gründer für den Standort ihres Start-ups entscheidenDas ist so die allgemeine Aussage. Aber ein bisschen Klischee bestätigend wird es dann, wenn man schaut, was die Gründer in den drei Start-up-Hochburgen Berlin, Hamburg und München denn so gesagt haben. Der Berliner fand das Gründernetzwerk (kein Tag, an dem hier nicht drei Stammtische stattfinden oder man einem Multimillionen-Dollar-Investor beim Frühstück begegnen kann) und die allgemein hohe Lebensqualität (manche sprechen auch von Party) ganz bedeutend. Der Hamburger ist da ein bisschen nüchterner. Die Infrastruktur in der Hansestadt steht bei ihm ganz oben auf dem Zettel. Vielleicht ist’s ja der Hafen oder doch ein funktionierender Flughafen. Aber vielleicht ist damit ja auch gemeint, dass man nur so knapp 1 1/2 Stunden mit dem Zug bis Berlin braucht. Und der Münchener?

Nun ja, in München dominieren so eindeutig Nähe zu Familie und Freunden wie nirgendwo sonst. Erst mit richtig großem Abstand kommen dann Themen wie Infrastruktur (trotz des tollen Flughafens, der ja damals echt pünktlich fertig geworden ist). Und Lebensqualität – hä? – interessiert nur jeden zweiten Münchener Gründer irgendwie besonders. Man könnte auch sagen: Wer in München gründet, der tut’s weil er eh schon da ist, mit jemandem zusammen ist, der da ist, oder Familie hat, die da ist. Anders gesagt: München muss man lieben – in Berlin liebt man (Stichwort: Party!).

Von wegen Print ist tot

Ich hatte ja kürzlich schon vom Trend geblogt, dass (Internet-)Start-ups mit ganz klassischer gedruckter Werbung um Kundschaft buhlen. Wenn man darauf erst mal achtet hat man den Eindruck, halb Berlin ist mit Hinweisen auf Nachbarschafts-Communities, Lieferdienste, Selfstorage-Lösungen oder Paketzustellboxen vollgekleistert. Oder wohnen wir einfach nur in einer Ecke, die irgendein Marketingstratege als besonders empfänglich für solche Hinweise ausgemacht hat?

Klebezettelwerbung

Klebezettelwerbung

Klebezettelwerbung

Vielleicht sollte ich morgen Abend statt dem täglichen Blogbeitrag doch einen Businessplan für ein Start-up aufschreiben, dass zielgerichtete Werbemaßnahmen in die analoge Welt trägt. Also früher, zu Studienzeiten, nannten wir das Plakate kleben, aber heute muss einem dafür schon was hipperes einfallen. Oder wie wäre es mit zielgruppengenauer Ansprache auf der Straße? Erst den Passanten anhauen und nach ein paar Kenndaten fragen (Alter, Wohnsituation, Einkommen etc.) und dann aus der Vielzahl der Werbe-Flyer genau den richtigen herausziehen und überreichen, der auf diesen Kunden passt. Und ihm beim Gehen ein Schildchen auf den Rücken kleben, damit man ihn beim nächsten Mal gleich ohne Fragen korrekt bewerben kann. So ein analoges Cookie, das sollte man sich gleich patentieren lassen. Ich glaube, da geht der Trend hin – Onlinewerbung filtert ja bald sogar Apple weg.

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