andreas streim

buchstaben, wörter, sätze & mehr

Der Eisladen kommt

In Zeiten, in denen “das eigene Business” schon eine eigene Domain und eine Facebook-Seite hat, bevor der Businessplan geschrieben ist und das neue Unternehmen schon mehr als 300 Twitter-Follower sein eigen nennt, bevor überhaupt die Geschäftsidee entwickelt ist, freut man sich doch so richtig über die gute alte direkte Kommunikation. Kommunikation 1.0 sozusagen.

Wie bei uns um der Ecke in der Bornholmer Straße. Da soll, hörte man, ein Eisladen aufmachen. Was eine tolle Sache ist. In den Räumen der ehemaligen Bäckerei wurde viel gewerkelt zuletzt, aber so richtig klar, was da geschah… wer weiß das schon. Und jetzt, beim Vorbeigehen, fiel die bunte Schaufensterscheibe auf.

Der Eisladen

Die neuen Inhaber haben die Baufortschritte dokumentiert. Und nicht nur das. Sie haben auch den Nachbarn, Anwohnern und Passanten einen Brief geschrieben. Ganz altmodisch auf Papier. Und bitten auch noch um Namensvorschläge für den neuen Eisladen – nicht etwa per Mail an derneueeisladen@g***mail.com, sondern per Zettel, Stift und Einwurfkasten.

2015-05-26 09.00.23

Hoffentlich ist das Eis genauso gut.

228=444

Ich schreibe ja hier nicht allzu viel über die Familie und die Kinder, aus Gründen. Aber gestern war ich dann doch ziemlich baff. Sohn1 (noch nicht ganz 6) hat im Moment so einen Mathe-Flash. Es muss ständig gerechnet werden, Aufgaben gestellt, addieren, subtrahieren. Hauptsache Zahlen.

Eine schöne Beschäftigung ist es, beim Spazierengehen durch die Stadt Autokennzeichen zu addieren. Also wenn da das Auto A-BC 749 steht, dann heißt es “7 plus 4 plus 9 ist 21″. Oder DE-F 10. “Das ist einfach. 1 plus 0 ist 1.” Damit kann man sich schon die Zeit vertreiben. Auch unser eigenes Kennzeichen B-XX 228 wurde schon oft durchgerechnet, klar.

Gestern also auf dem Weg zur Kita steht da ein Auto. GH-IJ 444. Und Sohnemann mit einem Blick? “Schau mal Papa, wie unser Kennzeichen. Wie unser Kennzeichen? Papa wundert sich. Kommt aus einer anderen Stadt. Völlig andere Buchstaben. Und, naja 228 und 444 sehen für mich jetzt nicht so ähnlich aus. Mein Zögern und meine fehlende Begeisterung führen zu einem leicht genervten: “Ist doch wie unser Kennzeichen. Siehst Du das nicht?”

Ehrlich gesagt, nein. “Na, bei uns 12 und das sind auch 12.” 2+2+8=4+4+4.

Die Welt kann so einfach sein, wenn man mit dem richtigen Blick durch sie hindurch geht. Oder so kompliziert, wenn man die einfachen Dinge gar nicht mehr sieht, wie Papa.

Hortgebühr in kleinen Scheinen

Um es mal gleich vorweg zu sagen: Berlin ist vermutlich tatsächlich zu blöd, um einen neuen Flughafen zu bauen, aber was die Kinderbetreuung angeht haben wir es verglichen mit flughafenhabenden Städten wie Köln oder München doch eher gut. Also was Kita-Plätze, Kita-Platz-Preise oder auch Schulhorte angeht.

Leider wird man aber auch in diesen Bereichen immer mal wieder von der doch eher limitierten Bürokratie dieser Stadt tangiert. Etwa wenn es im Anschreiben zum Hortvertrag heißt:

Berliner Verwaltung 2015

Auf Grund der[sic!] von vorhandenen Probleme[sic!] im Bereich der SEPA Lastschrift möchten wir Sie bitten[, sic!] einen Dauerauftrag einzurichten.

Also wir wollen uns jetzt nicht über Grammatik- und Rechtschreibschwächen in einem solchen Schreiben auslassen, dieser Blogpost hat sicher auch ein paar. Nur: Der Brief wird wahrscheinlich ein paar Tausend mal verschickt werden, da könnte doch ruhig nochmal jemand drüberlesen, der, also naja, irgendwie halt schon mal selbst was geschrieben hat.

Aber das ja eigentlich nur am Rande.

Viel besser ist ja, dass die Berliner Verwaltung offenbar nicht in der Lage ist, Lastschriften einzuziehen. Also etwas, was vom Lebensmittel-Bringdienstleister über die Bahn (die BAHN!) bis zum Versandhändler nun wirklich jeder hinbekommt, auch ohne Verwaltung im Rücken. (Naja, vielleicht auch gerade deswegen.)

Aber die Berliner Verwaltenden sind halt einfallsreich. Damals, bei der Flughafenruine, als die Entrauchungsanlage nicht funktioniert hat, wollte man ja auch einfach an jede Tür einen arbeitslosen Aushilfeentlüfter stellen. Und diesmal? Statt Lastschrift dann eben Dauerauftrag.

Also Berliner Verwaltungsopferkunde ist man ja wirklich totfroh, dass man nicht einmal im Monat persönlich auf dem Amt erscheinen muss, um die Hortgebühr – selbstverständlich passend und in kleinen Scheinen – selbst und in Person zu bezahlen.

Und ich bin mir ganz sicher, dass mit dieser SEPA Lastschrift, das kriegen die Experten bis zur Flughafeneröffnung auch hin. Ob bis dahin aber die sprachlichen Mängel behoben sind, dafür würde ich meine Hand nicht ins Feuer legen.

Datasetten für die Berliner Schulen

Es gehört jetzt nicht allzu viel Sachverstand dazu zu begreifen, dass unsere Gesellschaft immer stärker durch die Digitalisierung geprägt ist. Und man kann relativ schnell feststellen, dass Deutschland da nicht über die allerbesten Voraussetzungen verfügt. Das ist volkswirtschaftlich nicht schön, das ist aber auch für uns alle und vor allem diejenigen blöd, die noch etwas länger in diesem Land leben werden. Vulgo: Die Kinder und Jugendlichen.

Um so erstaunlicher ist es ja eigentlich, dass das mit der Digitalisierung und unseren Schulen nicht so richtig klappt. Ok, wir haben die Bildungseinrichtungen des Landes weitgehend ans Internet angeschlossen (und sei es nur mit dem Sekretariats-Computer) und PCs gibt es auch irgendwie. Und Beamer natürlich. Aber so richtig Digitalkram im Unterricht, also Apps in Erdkunde, Big Data in Sozialkunde oder vielleicht ein paar kleine Programme für die Experiment-Auswertung in Chemie? Nicht wirklich.

Einen Eindruck, warum das so ist, bekommt man durch die Lektüre dieses Artikels im “Tagesspiegel”. Kurz: Das Land Berlin hat geplant, eine dezentrale IT-Infrastruktur für die Schulen aufzubauen – also nicht für den Unterricht, für die Verwaltung, Stundenplanplanung und so. Und hat dann nach 8 Jahren und einem zweistelligen Millionenbetrag festgestellt, dass dezentral doch doof ist und das jetzt alles irgendwie zentral aus einem Rechenzentrum erledigt werden soll.

Jetzt ist die Digitalisierung der Schulverwaltung in Berlin sicher ein Großprojekt, verglichen damit, das Digitale in die Klassenzimmer und den Unterricht zu bekommen, aber doch eher ein Klacks. Wenn ich mir jetzt vorstelle, man würde in die Schulklassen die Dinge einführen, die sich vor 8 Jahren irgendein Gremium ausgedacht hat… Wenn man in der Schulverwaltung im 3. Obergeschoss, ganz hinten links, die Tür öffnet, da sitzt sicher die Kommission die darüber streitet, ob die C64 für die Projektklassen mit Floppy-Laufwerk angeschafft werden oder ob doch eine Datasette reicht. Und irgendwo wird gerade ein Schulbuch lektoriert, das tatsächlich ein Beispielprogramm in BASIC aufführt, um “die Verzahnung von moderner Digitaltechnik mit den Lerninhalten der etablierten Physik zu verzahnen”. Oder so.

Das Innovationstempo nimmt stetig zu, nur ist die Verwaltung darauf leider überhaupt nicht eingestellt. Und wenn es schlimm ist, dass wir es nicht schaffen, einen Großflughafen zu bauen, dann ist es nichts anderes als dramatisch, dass wir unseren Kindern nicht mehr das Rüstzeug in der Schule mitgeben, damit sie in dieser Welt zurechtkommen. Der Digitale Graben wird dann zwischen denen verlaufen, die zu Hause nicht nur die Anwendung als dieser Technologien mitbekommen, sondern ein tiefgreifendes Verständnis dafür entwicklen. Damit dürften aber viele Eltern ähnlich überfordert sein wie ihren Kindern die Bedeutung von Makromolekülen aus Aminosäuren oder Graphen ganzrationaler Funktionen zu erklären.

Time to say goodbye, Jim Knopf

“Papa, was ist ein Lokomotivführer?” “Äh, also das ist, naja, früher, da musste noch ein Mensch vorne in der Lok stehen und Knöpfe drücken…”

Wieder ein Kindheits-Traumberuf weniger. Und die Augsburger Puppenkiste mit Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer wird dann auch nur noch mit elterlichen Erklärungen verstanden. Noch ist es nicht so weit, aber eigentlich steht ja fest, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis auch der Beruf ausstirbt.

Die GDL mit ihren Dauer-Streiks dürfte das Innovationstempo beim Thema selbstfahrende Züge dabei höchstens noch etwas beschleunigt haben. Aber wenn es uns inzwischen sogar gelingt, selbstfahrende Autos auf die deutlich komplexeren Straßen mit ihrem viel schlechter vorherzusagenden Verkehrssituationen loszulassen, dann ist das mit den Automatik-Zügen wirklich nur eine Frage der Zeit.

Jeder zweite Deutsche kann sich dabei übrigens heute schon vorstellen, in einem vom Computer gelenkten Zug einzusteigen, wie eine repräsentative Umfrage des Digitalverbands BITKOM gerade gezeigt hat. Nur am Rande: Ein Hauptgrund für diese Offenheit ist die ausgeprägte Streik-Unlust der Digitaltechnik. Aber auch die Hoffnung auf sichereren Verkehr und höhere Pünktlichkeit spielen eine Rolle.

Auf der anderen Seite: Ritter gibt es ja auch nicht mehr, Prinzessinnen nur sehr selten (und die, die eine sind, finden das oft gar nicht so toll) und Astronaut wird auch nur eine allerkleinste Minderheit. So it’s time to say goodbye, Jim Knopf. Mit ein bisschen Glück schaffst Du es noch bis zur Rente. Und dann übernimmt die Digitaltechnik.

Jobangebot

Wenn ich mich in Xing einlogge, dann bekomme ich immer oben so eine kleine Übersicht “Jobs in Berlin und im Bereich Öffentlichkeitsarbeit & Kommunikation”. Ich meine, dieses Big Data und so, das ganze Internet, wer kennt mich besser als so ein Portal wie Xing und kann daher messerscharf aussortieren, was für mich von besonderem Interesse sein kann? Eben.

Hmmm…

Escort

Also mal abgesehen davon, dass ich die Einordnung dieses Stellenangebots unter “Öffentlichkeitsarbeit & Kommunikation” für zumindest diskussionswürdig halte, es wird ja jetzt explizit eine Dame gesucht. Und so ein Praktikum interessiert mich im Moment eigentlich auch eher wenig.

Also halten wir fest, bis das mit dem Big Data im Personalwesen so richtig abhebt, wird es vielleicht doch noch ein bisschen Feinjustierung benötigen.

Ihr ohne Twitter tut mir leid

Gestern war dieses Musikspektakel im Fernsehen. Eurovision Song Contest. Anscheinend war die Quote ja nicht so dolle, aber allein in Deutschland haben 8 Millionen Leute zugeschaut. Und die tun mir echt leid. Also die, die das geschaut haben, ohne nebenbei Twitter zu lesen.

Twitter führt ja hierzulande immer noch ein, für mich völlig unverständliches Nischnedasein. Wenn man sagt, man twittert oder liest auf Twitter erntet man allzu oft fragende Blicke oder hochgezogene Augenbraue. Facebook, ja. Xing oder LinkedIn, wenn’s sein muss. Aber Twitter? Kenn ich nicht. Bringt mir nix. Brauch ich nicht.

Dabei kann schon an normalen Tagen der morgendliche Blick über die inzwischen ja gut eingerichtete eigene Timeline die Durchsicht mehrerer Tageszeitungen und Newsletter ersetzen. Zumindest in bestimmten Themenbereichen weiß man danach, ob und wenn ja was los ist. Und nicht selten das, was übermorgen dann in der gedruckten Qualitätspresse als große Geschichte steht.

Aber an Abenden wie dem ESC frage ich mich nicht nur, warum man sowas anschaut, wenn man nicht gleichzeitig Twitter liest, ich frage mich vor allem, wie man das dann aushält. Twitter bringt es auf den Punkt, was der Moderator sich gar nicht mehr zu sagen traut. Twitter ist lustig. Und Twitter ist nicht zuletzt auch intelligent.

Nee, ganz ehrlich, wer das und die mindestens 397 weiteren lustigen und/oder geistreichen Bemerkungen nicht nenbei lesen konnte oder wollte, der tut mir leid.

Keine Zeit fürs Bloggen. Nicht.

Wenn ich so auf die Freuqenz meiner Blogbeiträge schaue, dann kann man wohl sagen: Keine Zeit fürs Bloggen. Also nicht, dass ich nix sagen würde (und schon gar nicht, nichts zu sagen hätte, wer behauptet denn sowas? ;-)), aber da sind ja noch Tweets, Status-Nachrichten bei Facebook, Xing & LinkedIn haben bei mir inzwischen auch einen, wenn auch kleinen, Platz gefunden. Es ist diese Zersplitterung, die dazu führt, dass am Ende gefühlt keine Zeit und auch kein Wunsch mehr da ist, zu bloggen. Dabei ist das schade, denn diese vielen zersplitterten Kanäle haben den Nachteil, dass man gar nicht so einfach nachlesen kann, was man vor zwei, drei oder fünf Jahren eigentlich so gedacht, naja, zumindest geschrieben hat.

Und dann habe ich da jüngst diesen Beitrag gelesen, der im Kern sagt: Einfach jeden Tag bloggen. Punkt. Als Routine, so wie Zähneputzen. Sich gar nicht mehr fragen, ob man heute was zu verbloggen hat, sondern in der Zeit das einfach schon mal aufschreiben.

Everybody has time to talk about how their day went — so if you write like you talk, all you have to do is write down that thing you said.

Also, ich nehm mir das mal vor. Hoffentlich klappt das besser als mein Plan, regelmäßig Tagebuch zu schreiben.

uberMetrics spricht Python

uberMetrics ist ein Start-up aus Berlin, das Online- und Social-Media-Monitoring anbietet. Die angebotenen Tools sind vielfältig, die möglichen Reports umfassend und die aufgeräumte Oberfläche lädt zum Ausprobieren und Stöbern ein. Alles prima.

Aber manchmal will man die Suchergebnisse selbst verarbeiten, zum Beispiel um sie mit Ergebnissen aus anderen Quellen (selbst verschickte Presseinfo des Vortrages etc.) in einem eigenen E-Mail-Newsletter zu verarbeiten. Das Tolle: uberMetrics zwingt einen nicht, das irgendwie durch eine Hintertür über das Auslesen eines PDF-Reports oder so zu erledigen, sondern uberMetrics bietet dazu eine API an. Das Blöde: es gibe eine Umsetzung für Java und ein Beispiel für PHP. Ich will aber Pyhthon.

Bleibt also nur – selber machen. Continue reading

Abwesenheitsnotizen

Wenn mit der eigenen (dienstlichen) E-Mail-Adresse Einladungen an große Verteiler verschickt werden, dann schlagen kurz darauf eine ganze Reihe von Abwesenheitsnotizen auf. Man erfährt, wer in Elternzeit ist, den Job gewechselt hat, gerade auf dem Mobile-World-Congress weilt oder wessen Postfach derzeit voll ist, so dass keine weiteren Nachrichten zugestellt werden können.

Und manchmal, ja manchmal gibt es dort auch Perlen. Wie diesen Einzeiler, der sich in aller Schlichtheit nicht mit Erklärungen oder Ausflüchten aufhällt. Aber doch irgendwie eine Spannung aufbaut, weil man doch zu gerne wissen würde, ob jetzt Elternzeit, MWC oder anstehender Jobwechsel der Grund für diese klare Absage an aktuelle E-Mail-Kommunikation ist. Da steht dann einfach – ohne weitere Angaben wie Telefonnummer (Anrufe stören!) oder Adresse (Briefe stören!!) – nur:

Hallo, es ist mir zurzeit nicht möglich Ihre eMail zu lesen.

Ja, ich finde, das hat Stil. Einen ganz besonderen.

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