Intransparentes Verfahren, Geheimabsprachen, Schaden für Innovation… irgendwie kommen mir die Kritikpunkte an ACTA sehr bekannt vor. Vor 15 Jahren in den wilden AStA-Zeiten haben wir aus ähnlichen Gründen gegen das MAI-Abkommen mobilisiert, das Multilateral Agreement on Investment. Das Ding wurde beerdigt.
Und was ist nun ACTA?
Oder für diejenigen, die weniger auf bewegte Bilder stehen und mehr auf ruhende Texte: mal kurz zum Nachlesen als PDF.
34 Prozent aller deutschsprachigen Tweets verweisen nämlich auf klassische redaktionelle Inhalte. Im Mittelpunkt: Nachrichten.
Und, ja, Eilmeldungen erklären nicht die Hintergründe der Finanzkrise. Aber sie erzählen uns vielleicht, dass Bank XY gerade pleite ist. Und das ist ja auch was.
Die Zeitungen in Deutschland buhlen um Leser. Angesichts sinkender Auflagen sicher keine schlechte Idee. Aktuell werden aus diesem Grund Image-Anzeigen geschaltet unter dem Motto “Die Zeitungen. Eine schlauere Welt ist machbar”.
Erstmal eine gute Idee. Ich bin da sicher nicht neutral, schließlich arbeite ich für eine Tageszeitung, aber ich glaube wirklich daran, dass die tägliche Lektüre einer Tageszeitung die meisten Menschen schlauer macht bzw. machen würde. Und die – mich – leicht nervende werbige Sprache des Textes: geschenkt. Es ist eben Werbung, gemacht von einer Werbeagentur.
Schön finde ich auch, dass man sich nicht allein auf das gedruckte Wort beschränkt hat, sondern gleich im ersten Satz ePaper und iPad-Apps mit ins Boot holt. Der leichte Nervfaktor, dass zwar die meisten Verlage auch Apps für Android, mein bevorzugtes System, im Angebot haben, Werber aber offenbar nichts jenseits des Apple-Horizontes kennen, soll mal außen vor bleiben.
Richtig dämlich Wenig zielführend finde ich dann aber den Ansatz, die eigene Qualität gleich mal wieder gegen das böse, dumme, schlechte Internet abzugrenzen.
Weil die Zeitung glaubt, dass uns eine 140 Zeichen lange Twitter-Meldung nicht die Ursachen der Finanzkrise erklären kann.
Jaja, diese doofe, kurzatmige, oberflächliche Twitter. Hat von den Anzeigenmachern und -abnehmern schon mal jemand da reingeschaut? Praktisch jede Zeitungsredaktion hierzulande twittert doch selbst. Wieso eigentlich? Und wenn man mal so ein bisschen auf Twitter schaut, dann wird einem auffallen, dass da ganz, ganz oft Links getwittert werden. Wenn man da draufklickt, landet man bei großen Fotos oder langen Texten. Viel länger als 140 Zeichen.
Wie man so eine herablassende Art gegenüber dem Medium, das durch die Umbrüche in den arabischen Ländern im vergangenen Jahr wirklich im Mainstream angekommen ist, hervorbringen kann, erschließt sich mir nicht.
Vor allem ist das Argument gefährlich. Denn man könnte auch fragen, ob ein 100-Zeilen-Tageszeitungs-Artikel denn diese Anforderung, “die Ursachen der Finanzkrise” zu erklären, erfüllen kann. Ich behaupte mal: Nein. Und ein 25-Zeilen-Kommentar durchdringt das Thema in all seinen Facetten? Kaum.
Aber ein guter Artikel kann aufzeigen, wo die Finanzkrise auf die Menschen in der Region durchschlägt. Und ein kluger Kommentar kann sich ein Detail herausgreifen und einordnen. So wie ein Tweet ein O-Ton vom Ort des Geschehens sein kann oder der Link auf einen spannenden Artikel in einer US-Regionalzeitung, auf den man sonst nie, nie, nie gestoßen wäre.
Ich mag Zeitungen. Ob sie gedruckt sind oder digital erscheinen. Ich halte Journalismus für ungemein wichtig, egal welchen Verbreitungskanal er für seine Geschichten und Rechercheergebnisse wählt. Und deshalb mag ich es nicht, wenn “die Zeitungen” ihre Bedeutung dadurch erklären, dass sie sich vom dummen, bösen Internet abgrenzen. Liebe Zeitung, ich befürchte, so wird das nichts mit der Zukunft. Ich persönlich finde im Netz – und auch bei Twitter – viel mehr als nur “wer, wie, was?”, sondern eine Menge “wieso, weshalb, warum”? Und es gibt genügend gedruckte Texte, die bei “wer, wie, was?” stehenbleiben.
P.S.
Nur mal als ein Beispiel, was dieses Twitter so kann, liebe Zeitung: Ein Jahresrückblick mit ganz vielen 140-Zeichen-Meldungen.
Die “New York Times” hat festgestellt, dass es irgendwie ein Problem ist, aus ihrem (Print-)Redaktionssystem CCI Artikel ins Web zu bringen. Wie kriegt man da Links rein? Wie Metadaten?
‘Why don’t we reverse the paradigm?’ … Instead of writing in the old newspaper CMS and trying to put links in and add metadata and do all these things for the Web, let’s do all of that natively and then transfer all that content into the newspaper CMS.”
Da ohnehin immer mehr Texte zuerst fürs Web geschrieben werden, werden eben einfach alle Text in einem Online-CMS erfasst und von dort nach CCI transferiert. Und die NYT nutzt dafür WordPress (die Software, auf der auch dieses Blog läuft) und eine selbstgeschriebene Erweiterung die es mehreren Benutzern erlaubt, komfortabel am selben Text zu schreiben.
Interessanter Ansatz, der aber wohl eher in US-Zeitungen funktioniert, die gerne mal alles, was nicht mehr auf die Zeitungsseite passt, drei, neun oder 14 Seiten weiter hinten irgendwo links unten weiterlaufen lassen. In deutschen Zeitungen, in denen in der Regel knallhart auf Länge geschrieben ist – so viele Zeichen wie in den vorgegebenen Platz passt – stelle ich mir das eher schwer vor.
Trotzdem ist es vielleicht ein Signal an uns Print-Journalisten, mal ganz grundsätzlich neu zu denken.
Sportveranstaltungen sind ein guter Gradmesser für Location Based Services, denn hier geht es natürlich auch um demonstrative Checkins: “Ich bin da! Beim großen Match! Bei dem Team, an dem mein Herz hängt!” Nun bin ich ja auch recht häufig bei Spielen. Und noch im Frühjahr lag der Anteil der Foursquare-Nutzer bei 0,1 Prozent. Da tut sich also etwas und der Nachholbedarf Deutschlands in Sachen Smartphones wird sein Übriges tun.
Ich habe in meinem Umfeld eher den Eindruck, dass der Reiz dieses Dienstes, bei dem man sich “eincheckt”, wenn man z.B. ein Restaurant oder den Arbeitsplatz betritt und dies Freunden und Bekannten über Foursquare, Facebook, Twitter oder Co. mitteilt, eher wieder nachlässt. Wer am öftesten da ist wird Mayor (Bürgermeister) des Ortes und bekommt einen virtuellen Orden.
Wer es wie ich schafft, bei seinem Sportstudio den Mayor-Status zu erreichen, obwohl er gefühlt viel, viel zu selten trainieren geht, der hat eine Ahnung davon bekommen, dass Foursquare noch einen weiten Weg bis zum Massenmarkt vor sich hat. Im Moment nutzt es kaum jemand, deshalb ist man so leicht der, der am öftesten an einem Ort vorbeischaut.
Meine These: Wenn es diese Location based services wirklich einmal schaffen sollten, dann nicht via Foursquare. Google oder Facebook werden etwas entsprechendes bei sich ordentlich(!) integrieren – oder Foursquare kaufen und einbauen.
Endlich hat es mal jemand aufgeschrieben, was mich schon seit mindestens zwei Jahren zunehmend ärgerlich macht: Warum, zum Teufel, haben Smartphones und Tablets eigentlich keine Mehrbenutzer-Funtkion? Warum bin auf meinem Super-Handy immer ich angemeldet, auch wenn ich es mal einem Freund in die Hand drücke – der dann alles lesen kann, was ich auch lesen kann? Warum hat das teure Tablet, von dem man im Haushalt wirklich nur eines braucht, keine Möglichkeit, dass die Partnerin sich einloggt und dann ihre(!) Mails lesen und ihre(!) Fotos anschauen kann.
Denn die Situation ist ja wirklich blöd. Das supertolle neue Gerät auf dem Tisch, Kollege kommt dazu, fragt, “hey, kann ich das mal anschauen?” Und, schwupps, denkt man nach, was gleich für eine Email hochpoppen könnte und welche Fotos sich den auf dem Gerät befinden, wenn er gleich auf “Galerie” klickt.
“Hey, can I see your phone real quick?”
Oh, crap. What tabs did you leave open in Safari? Did you delete those photos (you know, those photos. The ones you promised her you’d delete?) That My Little Pony app that you totally-installed-just-to-test-your-download-speed-seriously-shut-up… is it still there?
Quick, hand it over before you pique their curiosity! Or say “no” and be the weirdo who wouldn’t hand their phone over to a friend for a second. If only there were some sort of on-the-fly middle ground — a “Guest Mode”, if you will.
Wenn Smartphones immer mehr zu Computern werden, die Computer ersetzen und unser ganzes Leben begleiten, unser ganzes Leben speichern, dann will ich auch die entsprechenden Funktionalitäten meines PCs zu Hause. Dort sind verschiedene Benutzerkonten ja nun seit Jahren nix Besonderes mehr.
Also, Google – das ist Dein Auftrag für Android 5.0!
Ich weiß gar nicht, ob man das eigentlich schreiben darf, so von wegen aus Respekt gegenüber der Demokratie im Allgemeinen und dem Amt im Besonderen. Aber mir kommt dieses Gerede vom “Respekt gegenüber dem Amt des Bundespräsidenten” inzwischen so vor, wie das Geschwätz der hosengeschwulsttragenden und baseballbecappten Jugendlichen, die “Reschpeckt!” einfordern für sich und ihr auf den Boden Rotzen und Rumrülpsen in der S-Bahn.
Respekt ist etwas, was man sich selbst verdienen muss – und was man nicht einfach dadurch bekommt, das man einen bestimmten Job oder ein bestimmtes Amt übernimmt oder angedient bekommt.
Das Amt des Bundespräsidenten verdient Respekt, weil es von respektablen Persönlichkeiten bekleidet wurde und Respekt einflößend geführt worden ist. Wären diese Vorgänger des amtierenden Bundespräsidenten aber ebenso durch die Welt gezogen wie er, dann hätte es diesen Respekt nie gegeben.
Der Bundespräsident hat vor Weihnachten gesagt, er habe sich nicht gradlinig verhalten. Ich finde, an dem Punkt hat er nicht die Wahrheit gesagt. Er hat sich sehr gradlinig verhalten – und zwar auf eine Weise, dass er keinen Respekt mehr einfordern darf, sondern höchsten noch “Reschpeckt!” verlangen kann. Aber mehr als betretenes Wegschauen und das Wechseln der Straßenseite wird er, ebenso wie die testosterongeschwängerten Jugendlichen, wohl kaum mehr bekommen.